Review

Moonshot Gin – In anderen Sphären

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„Hey David, Gin boomt, lass‘ auch mal einen machen. Wie wär’s, wenn wir das ganze Zeug einfach erstmal in die Luft schießen und dann schauen, was dabei rauskommt?“

So oder zumindest so ähnlich muss sich das Gespräch angehört haben, als die Idee kam diesen Gin zu kreieren. Ich möchte nun gar nicht näher darauf eingehen, wie man auf so eine Idee kommt (im Whiskey Rausch eventuell, den sie sonst herstellen?), sondern auf den Gin an sich.

Der Name ist im ersten Moment etwas irreführend – es wurde natürlich keine Destille von Neil Armstrong dort oben auf dem Mond aufgebaut und er hat sich auch kein Schlückchen in seinem Raumanzug gegönnt.

Stattdessen wurde am 07.03.2017 ein Behälter an einem Ballon befestigt und man hat ihn einfach mal 24 km in die Luft steigen lassen – bei 6 Millibar und -60 °C.

In dem Behälter finden wir:

  • Wacholder
  • Koriander
  • Kamille
  • Zitronenschalen
  • Kardamom
  • Orangenschalen
  • Zimt
  • Kubebenpfeffer
  • Lakritze
  • Engelwurz
  • Mondgestein (immerhin etwas vom Mond)

Ist der Behälter irgendwann einmal wieder unten angekommen, werden die Zutaten im Vakuum bei Raumtemperatur destilliert und danach abgefüllt – bei einer Chargen-Größe von 1.000 Flaschen (die nächste wird 2.000 Flaschen betragen).

Bei dem Blick auf die Flasche fällt als erstes der etwas ungewöhnliche Fotoaufdruck von dem Gin auf dem Gin (Ginception?) auf, welcher auf der Halterung steht, wo ansonsten auch die Zutaten in die Luft gejagt werden.

Versiegelt ist das Ganze mit einem Wachsverschluss und die Flasche besitzt natürlich einen Korken, ansonsten hat man bei der Flasche an sich auf weitere Extravaganzen verzichtet.

Nun steht natürlich eine Frage im Raum – hat diese Prozedur irgendeinen Einfluss auf den Geschmack??

Keine Ahnung!

Alle Klarheiten beseitigt? Sehr gut! Dann können wir uns den wichtigen Themen widmen, dem eigentlich Geschmack. Also, schmeckt denn dieser Gin?

Auf jeden Fall!

Trotz seiner doch stolzen 46,6 Umdrehungen steigt in die Nase kein penetranter Alkoholgeruch, sondern florale Noten mit einem Schuss Zitrus und Pfeffer.

Beim Geschmack hält sich der Wacholder tatsächlich sehr zurück und überlässt wie schon der Geruch vermuten hat lassen Zitronen-, Orangen- und erfrischenden Aromen den Vortritt – insgesamt alles eine sanfte und angenehme Nummer – nochmal wohlgemerkt mit 46,6 Umdrehungen.

Mit Fever Tree Tonic insgesamt etwas bitterer, tendiere ich eher zu Thomas Henry, welches dem Gin an sich mehr Raum gibt, sich zu entfalten. Perfekt ergänzend dazu zwei Zitronenschalen ins Glas, um diesem astronomisch guten Gin den letzten Schliff zu geben.

Vielleicht bekommen wir in ein paar Jahren auch einen Mars-Shot Gin zu Gesicht – dieses Jahr war’s noch ein April Scherz, aber wer weiß …

…el duque


Picture by ...el príncipe

Jameson Midleton Barry Crockett Legacy

Ist Preis gleich Leistung? Wann trennen sich Preis und Geschmack beim Genussmittel?

Diese Fragen stelle ich mir wieder und wieder, egal in welchem Zusammenhang, ob Zigarren, Whiskey oder Wein. Nach oben hin haben wir ja kaum Grenzen gesetzt, was den Preis angeht, aber hat der Preis auch etwas mit der „Leistung“ zu tun?

Meiner Erfahrung nach gibt es in jeder Sparte (Wein, Zigarren usw…) einen gewissen Bereich, bis zu dem der Geschmack und die Qualität mit dem Preis steigen, ab einem Punkt ist dann meist Schluss. Dieser Punkt ist entweder erreicht, wenn das Potential des Genießers erschöpft ist oder die Flüssigkeit bzw. der Rauch einfach nicht über ihre Vollkommenheit hinaus kann.

Irgendwann ist ein Produkt einfach perfekt und es gibt natürliche Grenzen in Bezug auf das Aroma, die man ohne künstliche Stoffe beizumischen einfach nicht mehr überschreiten kann.

Dass das Potential des Genießers erschöpft sein kann, habe ich erst vor kurzem wieder erfahren, als unser Sommelier und Weinkenner von einem Blind-Tasting berichtete. Hier haben vermeintliche Experten nicht ein einziges Mal den Tetrapack-Wein vom 100-Euro-aufwärts-Wein unterscheiden können. Der geschulte Gaumen hat da natürlich einen größeren Spielraum, bei den anderen Kandidaten sind es eben eher Perlen vor die…..Midleton

Wie dem auch sei, heute möchte ich einen Whiskey aus dem Preissegment zwischen 140 € und 190 € vorstellen. Der Flaschenpreis variiert hier sehr stark zwischen den jeweiligen Anbietern. Es handelt sich bei diesem Tasting um den Midleton Barry Crockett Legacy.

Wer sich schon gefragt hat, was ich mit dieser langen Einleitung sagen wollte, erkennt nun vielleicht am Preis, woher diese Gedanken rühren. Ein Whiskey, der an die 200 € reicht, ist für mich definitiv ein teures Pflaster. Nicht, dass ich ihn nicht bezahlen könnte, aber die Frage drängt sich auf, was kann mir dieser Whiskey bieten, das mir eine 50 bis 100 € Flasche nicht bieten kann.

Ihr werdet es schon erahnen oder euch selbst bereits beantwortet haben… richtig! Es ist Geschmackssache! An diesen möchte ich nun auch direkt anknüpfen.

Das Tasting:

Zu Beginn offenbart uns die Nase nur sehr wenig Zugang zum Aroma dieser goldenen Flüssigkeit, die nebenbei bemerkt für einen mit Zuckercouleur nachgefärbten Tropfen etwas blass daher kommt. Mit viel Phantasie vernehme ich Pflaumen und eine leichte Holznote.diagramm

Auf der Zunge ereignet sich dann schon etwas mehr, ein Wechselspiel zwischen citrusartiger Fruchtigkeit und würzig pfeffriger Schärfe breitet sich im gesamten Mundraum aus. Die Textur gibt sich sehr klar und kantig, entgegengesetzt zur öligen Optik im Glas. Leider ist das Aromenkabinett an dieser Stelle schon in seinen Facetten ausgeschöpft und der Abgang ist lediglich nochmal würzig scharf. Im Nachgeschmack blüht etwas Mandarine auf und wenn man ganz genau „hinschmeckt“ kann man auch eine leichte Holznote aufschnappen. Leider ist das Eichenfass, in dem dieser Whiskey gelagert wurde, entgegen den Angaben, nicht herauszuschmecken. Die für das Eichenfass typische Vanille lässt sich nicht einmal hinzudichten. Seine 46 Umdrehungen merkt man ihm nicht an, hier muss man tatsächlich von einem sehr smoothen und milden Whiskey sprechen, trotz der Drehzahl.

Fazit: Der Midleton Barry Crockett Legacy aus Irland ist gewiss kein schlechter Whiskey. Der Kontrast zwischen floraler, süßer Citrusnote und der Schärfe kommt vor allem im Abgang gut zur Geltung und macht Freude beim Verköstigen. Lediglich die Vielfalt der Aromen lässt für einen Whiskey diesen Preissegments deutlich zu wünschen übrig.

…el príncipe

Copperhead – The Alchemist’s Gin

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Dieser Mr. Copperhead war schon ein ziemlicher Fuchs – mit nur fünf Botanicals und einer Kupferdestille kann man also auch einen guten Gin zaubern. Er war zwar auf der Suche nach dem Elixier des Lebens, aber mit dem Ergebnis geben wir uns natürlich auch zufrieden.

Verschlossen in einer glänzenden Flasche in Kupferglanz-Optik tummeln sich:

  • Angelikawurzel
  • Wacholder
  • Kardamom
  • Koriander
  • Zitronenschalen

Das wars schon? Das wars schon!

Belohnt werden wir nach dem Öffnen des Korkverschlusses mit wunderbar floralen und zitruslastigen Duftnoten, die den ersten Gedanken sofort in Richtung Monkey 47 schießen lassen.

Geschmacklich wiederum befinden wir uns bei den klassischen London Dry Gins mit einem angenehm langen Nachgeschmack von Zitrusnoten und einem nicht zu dominanten Wacholdereinschlag – Balanceakt gelungen.

Doch was macht diesen Gin nun zu etwas Besonderem? Nun, man kann tatsächlich selbst seine Alchemiekünste ausleben – zumindest ein Stück weit.

Drei Essenzen stehen zur Verfügung mit denen man diesen Gin je nach Gustus verfeinern kann:

  • Aperitivum      (um den Appetit anzuregen – 76% Alkohol)
  • Digestivum      (um das Essen abzurunden –  79% Alkohol)
  • Energeticum   (süßlicher Geschmack – wer braucht schon Red Bull? – 77% Alkohol)

Direkt nachdem der Gin eingegossen wurde, werden vier bis acht Tropfen der jeweiligen Essenz per Pipette hinein geträufelt, um ein ganz individuelles Geschmackserlebnis zu kreieren.

Abschließend Eiswürfel hinzugeben, mit Zitronenschalen garnieren (Limetten gehen auch, allerdings harmonieren die Zitronenschalen in diesem Fall besser) und Tonic Water aufgießen.

Dieser belgische Gin, der erst seit 2014 existiert, lädt also wahrlich zum Experimentieren ein – einziger Wermutstropfen ist der Preis sowie die Verfügbarkeit.

Ca. 42,- Euro kostet der Kupferschatz ohne die Essenzen, zusammen mit den Essenzen ist dieser Gin bisher in Deutschland kaum erhältlich und kostet jenseits der 60,- Euro – ein vergleichsweise teures Vergnügen also.

…el duque

The Oscar by Oscar Valladares

And The Oscar goes to…….. ME!

Nachdem „The Leaf“ erfolgreich in Deutschland eingeführt wurde, erscheint nun vom gleichnamigen Hersteller „The Oscar“. Ebenfalls in der bekannten Tabakblatt Umverpackung. Wie bereits bei der Leaf, macht es den Anschein als bekäme die Zigarre eine besondere zusätzliche Note durch diese Verpackungsart. Wie dem auch sei, schön anzusehen ist sie allemal.

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Die hier getestete Robusto lässt einem mit ihrem Geruch nach Vollmilchschokolade schon das Wasser im Mund zusammenlaufen, hinzu kommen noch Kräuteraromen in Richtung Thymian.

Im Mund begeistert uns die Zigarre dann mit milden, erdig-nussigen Tönen. In meinen Notizen steht „rund, rund und rund“, denn dieses Exemplar hat eine wirklich wunderbar angenehme Balance, bei der keine Kante zu erschmecken ist.

Jeder Zug begeistert aufs Neue mit einer sehr guten und cremigen Rauchausbeute. Mit einem Preis von knapp über 12 € ist dieser Blend, der sich aus Nicaragua und Honduras Tabak zusammensetzt, allerdings zu teuer für meinen Geschmack. Aus diesem Grund wird es für mich keinen Wiederholungskauf geben, probiert haben sollte man sie dennoch.

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…el príncipe

Austrian Empire Navy Rum Reserve 1863

Wer sich nun zu Beginn direkt fragt: „Österreich Navy, was soll das denn sein?“ Zu Recht! Doch nach kurzer Recherche konnte ich meine Wissenslücke füllen und habe festgestellt, dass das Österreichische Kaiserreich tatsächlich mal einen Meerzugang hatte:

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Da ich nun aber nicht näher auf irrelevante Daten wie Flottengröße etc. eingehen möchte, komme ich direkt zur viel entscheidenderen Nase:

Diese herrlich kupferfarbene Flüssigkeit gibt sich im Geruch eher dezent und zurückhaltend. Die für einen Rum typische Süße lässt sich natürlich nicht leugnen und man kann fruchtige Noten erhaschen.

Nicht mehr so brav verhält sich der Geschmack, hier dürfte auch ein Whiskey-Trinker Zugang finden, da dieser aus Barbados stammende Rum eine eher unterschwellige Süße mit sich bringt.

Die zu Beginn empfundene wohlig ölige Süße an der Zungenspitze entwickelt sich über einen karamelligen Mittelteil hin zu einem kräftigen Abgang.

Wider der Servierempfehlung würde ich hier keines Wegs dazu raten, diesen Tropfen zum Mixen oder mit Eis zu trinken. Der Austrian Empire Navy Rum Reserve eignet sich bestens zum Sippen, ob mit oder ohne Zigarre, und ist mit seinen ca. 30 € auch zu teuer und schade für einen Cocktail.

Ich empfehle diesen Rum all denjenigen, die gerne Mal etwas kräftigeres haben, das am Gaumen nicht zu süß und „klebrig“ daher kommt wie so manch anderer Rum.

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…el príncipe

Perdomo Bourbon Barrel Aged Maduro

Bourbon und Zigarre? Grundsätzlich eine hervorragende Kombination! Aber wirkt sich die Zigarren-Lagerung in einem Bourbonfass auf den Geschmack aus? Perdomo sagt ja! Nicht umsonst werden die Zigarren 6 Monate in den Fässern gelagert.

Über die Qualität der Verarbeitung brauchen wir nicht groß Worte zu verlieren, denn das Traditionsunternehmen setzt sich selbst einen sehr hohen Maßstab.

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Die Bauchbinde, auch wenn diese am Ende des Tages nichts an der Zigarre ändert, finde ich dennoch sehr ansprechend und gelungen.

Die Zigarre verströmt einen überdurschnittlich süßen Geruch. Natürlich! Maduro ist bekannt für diese Süße, aber in derartiger Intensität schreibe ich diese Note ganz klar der Lagerung zu. Man kann hier das Fass förmlich riechen.

Auch geschmacklich überzeugt mich diese NicaPuro, sie ist unheimlich rund im Aroma und bietet hier eine ausgewogene Ausbeute an Maduro typischer Süße. Diesen Flavour behält sie sich auch bis zum Schluss bei.

Besonders begeistert hat mich die Kraft der Zigarre. Trotz all der Ausgewogenheit hat sie im Backup noch etwas Drehmoment für uns zu bieten, soll heißen man, bekommt noch ordentlich Nikotin-Schub mit und die ein oder andere Schärfe und Würze. Daher empefehle ich diese Zigarre eher nicht zum Einstieg in das Zigarre rauchen.

Ob die oben genannten Punkte aus der Lagerung resultieren, behalte ich mir vor. Alles in Allem bekommt man hier für rund 10 € eine Top Zigarre, die einem viel zu bieten hat. Absolute Kaufempfehlung!

…el príncipe

Casa Magna Colorado Belicosos

Update:

>Letztes Jahr hat die Don Tomás Clasico Robusto den ersten Platz meiner Lieblings-Alltagszigarren erlangt. Verdrängt wurde damals die Casa Magna Colorado Belicosos auf den zweiten Platz. Nun kommt es zu einem Rematch um die Krone.

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Mittlerweile hat sie ein paar Jahre auf dem Buckel. Der Kaltgeruch ist aber immer noch so intensiv wie am ersten Tag. Die Bauchbinde und das rustikale, dunkle Deckblatt begeistern noch immer. Die Aromen von Espressosatz, dunkler Schokolade und einer zarten Süße haben sich noch enger aneinander angenähert. Die Zigarre wirkt viel runder. Die kritische Phase beginnt bei diesem Format meistens im letzten Drittel. Aber diesmal kein Durchhänger, sondern ein betörend schöner Smoke bis hinter die Bauchbinde. Wunderbar. Nicht genug für den ersten Platz, aber dafür eine echte Jugendliebe.<

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Backround:

Die Zigarren Marke Casa Magna ist eine Kreation des Zigarren-Blenders Manuel Quesada. Die Marke ist unterteilt in die drei Linien: Colorado, Oscuro und Domus Magnus. Produziert wird in der Fabrik von Nestor Plascencia in Esteli, Nicaragua.

Die hier getestete Casa Magna im Belicosos Format entstammt der Colorado-Linie. Diese Linie wird nur aus nicaraguanischen Tabak gefertigt und ist somit eine Puro.

Es weht kein Wind an diesem Nachmittag, die Sonne steigt langsam wieder hinab, am Himmel nur der einzelne Kondensstreifen eines Flugzeuges auf dem Weg ins Sorgenlose. Es ist Sommer. Der Blick schweift behäbig über die Szenerie und stockt plötzlich vor diesem Erscheinungsbild. Die Augen wandern langsam an den Kurven eines sonnenverwöhnten Körpers empor. Der goldene Anzug schimmerte matt auf ihrer Haut. Ein Anblick, nur schwer in Worte zu fassen und schlicht bestechend durch Traummaße von 15,87cm Länge und einen Durchmesser von 2.14cm.

Auf fast ähnliche Weise ist es zu dieser Liebesgeschichte gekommen. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und Liebe macht blind. Daher nun die harten Fakten:

Tasting:

Die Zigarre wirkt auf den ersten Blick sehr rustikal, aber durch ihr dunkles, von groben Adern durchzogenes, leicht ölig schimmerndes Deckblatt auch wieder edel. Die schön spitz zu laufende Belicosos-Form unterstreicht diesen Eindruck und verleiht ihr, trotz der Größe ein filigranes Auftreten. Die goldene Bauchbinde kontrastiert sehr ansehnlich mit dem dunklen Colorado-Deckblatt.

Der Kaltgeruch ist kräftig, würzig wobei Schoko- und Stallaromen dominieren wozu sich eine leichte süße Note gesellt. Das Anschneiden der Zigarre macht besonders Spaß, da durch das spitz zu laufende Format die Möglichkeit gibt zwischen einer kleinen oder großen Mundöffnung zu variieren, ohne dass dabei das Deckblatt einreißt oder zerfledert. Das Ringmaß erfordert ein großflächiges Anzünden, wobei das robuste Deckblatt auch einige Ausrutscher verzeiht ohne unschöne Kokelspuren aufzuweisen.

Der erste Zug ist bereits voller Aromen und zeigt von Anfang an, dass der geringe Preis von 4,60€ und die nicht-kubanische Herkunft keinen Abbruch tun. Schokolade, der Geruch von dumpfen, abgebrühten Espresso-Satz und eine leichte Süße im Mund sind zu schmecken und riechen. Die Stärke ist gerade richtig, um die Aromen zu begleiten. Die Rauchausbeute ist mittel bis stark und lässt einen cremigen und weißen bis leicht bläulichen Smoke zu Tage treten.

Fast mit jedem Zug entwickelt sich das Aroma ein wenig weiter, weg von der süßlichen Schokolade in Richtung eines leicht kräftigen, pfeffrigen Smokes, wie man ihn aus Nicaragua kennt. Etwas über der Hälfte ist der Aroma-Zenit überschritten und die Zigarre lässt immer unverkennbarer ihre Herkunft durchscheinen. Die anfängliche Süße ist verschwunden und das Aroma geht in Richtung von zuckerfreier Schokolade mit über 75% Kakao-Anteil gepaart mit einer dominanten Weiß-Pfeffer-Note.

Wer es stark und pfeffrig mag kann diese Zigarre (von möglichen Abbrand-Fehlern o.ä. abgesehen) fast bis zum Ende der Bauchbinde rauchen. Dabei sollte man Ihr die nötige Beachtung schenken, da Sie auf den letzten Zentimetern zum Tunnelbrand neigt. Im Mund bleibt ein angenehmer Geschmack zurück, der sich sogar am darauffolgenden Tag noch erahnen lässt. Eine wirklich tolle Zigarre, die den Vergleich mit mancher hochpreisigen Zigarre nicht scheuen muss. Wobei hier keinesfalls die neue Premium Grand Cru Elite dargestellt werden soll, denn das will sie gar nicht sein. Wer Vergleiche mit Cohiba, Montecristo oder ähnlichen, zumindest preislichen Premium Marken zieht, hat diese Zigarre nicht verstanden. Hier wurde schlichtweg eine wunderbare Zigarre kreiert, die sich preislich für den Alltag eignet aber auch tiefgründig genug ist, um den Abend bei einem gemütlichen Glas Rotwein zu begleiten. Bei den verschiedenen Tastings haben sich unter den Rotweinen vor allem Nebbiolo und Syrah als gut geeignete Begleiter erwiesen.

Dieser Casa Magna Colorado Belicoso wurde von Tag Eins an Liebe geschworen und auch mit einer Kiste bekundet. Es gibt nur wenige, die ihr nicht verfallen sind.

Fazit:

Die Casa Magna Colorado Belicosos ist eine mittelkräftige, sehr gut verarbeitete Zigarre, die rein objektiv durch ihre Größe, Geschmack und das unglaubliche Preisleistungsverhältnis glänzt. Nebenbei besitzt sie auch ein wirkliches Reifepotenzial. Besondere Empfehlung für Nicaragua-Fans!

Übersicht:

Preis: 4,60 €

Einlage: Nicaragua

Umblatt: Nicaragua

Deckblatt: Nicaragua

Länge: 15,87 cm

Durchmesser: 2,14 cm

Zugwiderstand: mittel-leicht

Abbrand: gerade und gleichmäßig

Rauchdauer: mittel-lang

Rauchentwicklung: mittel

Geschmack: schokoladig, süßlich, Espresso

Preis/Leistung: Sehr gut-Überragend

Trinkbegleitung: Rum (Ron Botran), Wein (Syrah, Carignan oder Nebbiolo)

…el emperador

Glenkinchie 12 Jahre

Die Brennerei Glenkinchie wurde 1825 gegründet und liegt in den schottischen Lowlands. Die 12 Jahre alte Abfüllung der Brennerei, die preislich um die 30 € liegt, wird im Rahmen der Serie „Classic Malts of Scotland“ von Diageo vermarktet und repräsentiert darin die milden und weichen Whiskies ebendieser Region.

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Beim Nosing erinnert mich der extrem fruchtige und spritzige Duft des Glenkinchie zunächst an Obstbrand sowie Zitrusfrüchte. Mit der Zeit sickern zudem blumige Aromen hindurch. Insgesamt macht dieser Single Malt sowohl einen äußerst milden als auch einen frischen und leichten Eindruck.

Im Mund dann erneut zunächst die Assoziation mit Obstler… Birnen kommen mir in den Sinn. Der Glenkinchie schmeckt wunderbar fruchtig, ist dabei jedoch weniger süß, sondern eher erfrischend säuerlich. Stellenweise lassen sich zudem etwas Malz sowie eine feine Würze erahnen. Die 43 Volumenprozent Alkohol machen sich in Form einer zusätzlichen Frische bemerkbar.

In seinem mittellangen Abgang, der vielmehr kühlend als wärmend ist, legt der Glenkinchie zwar in Sachen Süße und Würze ein Stück weit nach, doch auch hier manifestiert sich der säuerlich-fruchtige Gesamteindruck.

Fazit: Ein durchaus feiner Malt, wenn es mal etwas leichter sein darf. Für mich ein schöner Frühlings-Dram, der nicht allzu komplex ist, aber dennoch einen gewissen Tiefgang  und Charakter an den Tag legt.

…el rey

SIPSMITH – THE LONDON SWAN

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Es hat immer einen schönen Touch, wenn man der Flasche ihre Chargen Nummer entnehmen kann. Etwas ganz Besonderes ist es allerdings, wenn man sogar den genauen Tag erfragen kann, an dem sie abgefüllt wurde sowie was an diesem Tag sonst noch so passiert ist.

Batch „LDG/872“ halte ich in meinen Händen – abgefüllt am 06.11.2015.

An diesem Tag gab einer der Gründer von Sipsmith den Startschuss für einen neuen Gin, den „Raffles 1915“ – destilliert mit einheimischen, malaysischen Botanicals. Anlass hierfür war die Kreation des Singapore Sling vor 100 Jahren.

Woher ich das weiß? Unter der Adresse

https://sipsmith.com/your-batch/

kann man sich erkundigen, was an dem Tag so vor sich ging. Und das ist bei weitem nicht das einzig Besondere an diesem Gin.

Erst seit 2009 gibt es den Gin mit dem grünen Label – gegründet von von Sam Galsworthy und Fairfax Hall.

Die beiden „Sip-Smiths“ setzen nach über 180 Jahren wieder auf ein Verfahren in einem Kupferkessel, welcher 300 Liter fasst und den Namen „Prudence“ bekam – entworfen und designed von dem Deutschen Christian Carl. Zu „Prudence“ haben sich mittlerweile „Constance“ und „Patience“ gesellt, in denen das Londoner Original hergestellt wird. Die kleine Schwester „Cygnet“ (50 Liter) indessen wird für eher experimentelle Ideen verwendet.

An den guten Wacholdersaft ranzukommen ist im ersten Moment gar nicht so einfach. Verschlossen wird die wunderschön gestaltete Flasche nicht nur durch einen Korken, sondern durch einen Wachsverschluss, den es erst einmal zu entfernen gilt.

Ist dies geschehen gilt es 10 Botanicals aus aller Herren Länder zu entdecken:

  • Mazedonische Wacholderbeeren
  • bulgarischer Koriander
  • französische Angelikawurzel
  • spanische Lakritzwurzel
  • italienische Orriswurzel
  • spanische Mandeln
  • chinesische Zimtbaum-Rinde
  • Zimt aus Madagaskar
  • Orangenschalen aus Sevilla
  • Zitronenschalen aus Spanien

Auch wenn Zutaten rund um den Globus zusammenkommen, sorgen der Koriander und die Angelikawurzel für ein eher traditionelles London Dry Profil.

In die Nase steigen zuerst Zitrusfrüchte, am Gaumen selbst entfalten sich starke Noten des Wacholders, welche gepaart mit den Zitrusaromen für die nötige Tiefe und Konsistenz sowie einen angenehmen Geschmack im Abgang sorgen. Gut ausbalancierte Aromen heben ihn von den anderen London Dry’s ab – etwas zitruslastiger und würziger im Nachgeschmack.

Als Tonic Variante lege ich bei diesem Gin jedem ein Stück Limette ans Herz, es verleiht dem Ganzen noch eine markante Kante und das gewisse Etwas. Wer etwas experimentierfreudiger ist und einen anderen Einschlag bevorzugt, kann auch eine getrocknete Orangenschale verwenden.

Klare Empfehlung!

…el duque

GRANIT BAVARIAN GIN – SO GUT KANN STEIN SEIN

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Ja, es ist manchmal schon ärgerlich … da beeilt man sich einmal nicht mit dem Austrinken, plötzlich hat man irgendwann im letzten Viertel nur noch einen traurigen Rest im Glas, welcher mehr nach Eiswürfel-Tafelwasser als nach dem ursprünglichen Getränk anmutet.

Auf dieses kleine Ärgernis scheint auch jemand bei der Brennerei Penninger gestoßen zu sein, denn an jeder Flasche des 42 % starken Gins befindet sich ein handgeschlagener Hauzenberger Granitstein! Einfach vorher ins Gefrierfach damit, und schon hat man bis zum Schluss Freude an seinem Glas.

Wer sich wundert, weshalb dieser Stein auf dem Bild fehlt – ich habe es geschafft ihn irgendwie zu verschludern … da hilft wohl nur eine neue Flasche zu kaufen.

Aber für die Namensgebung dieses bayrischen Gins ist nicht nur der anhängende Granitstein verantwortlich – auch dessen Filtration über Granitsteine von verschiedensten Größen sowie Körnungen, wodurch er seine angenehme Milde bekommt.

Der Bio Gin kann allerdings nicht nur mit seinem Granitstein, sondern auch mit seinem Holzverschluss mit Kunststoffstopfen, dem stilsicheren Logo, welches einen Steinmetz zeigt, sowie der etwas untypischen eckigeren Flaschenform punkten.

Im Gin an sich finden wir sage und schreibe 28 Botanicals, darunter die üblichen Verdächtigen wie Wacholder (wer hätte das gedacht), Zitronenschale, Lavendel, Kardamom und Koriander, aber auch etwas außergewöhnlichere Kandidaten wie Melisse, Angelikawurzel, Arnika, Bärwurz (welchen die Brennerei Penninger ebenfalls herstellt) und Enzian.

Diese Fusion ergibt nicht unbedingt einen Gin, der sich stark von einem klassischen London Dry Gin abhebt, jedoch einen Gin, der geschmacklich genau meinen Ton trifft. In den Nasenflügeln machen sich die Basistöne des Wacholders angenehm bemerkbar, unterstrichen von einer angenehmen Milde, welche sich auch im ersten Schluck pur wiederspiegeln.

Keine alkoholische Schärfe, sondern die herbe Frische des Wacholders sowie eine ausbalancierte Kräuternote lassen ihre Muskeln spielen, sobald man diesen bayrischen Teufelskerl mit einem guten Tonic Water vereint.

Keine der Noten wirkt zu aufdringlich, keine droht unterzugehen – eine äußerst angenehme Angelegenheit. Als geschmackliches Schmankerl verträgt der Gin als Tonic Variante durchaus eine Limette, da er im Grundgeschmack nur eine ganz zarte Zitronennote besitzt.

Für manche mag sich dieser Gin vielleicht nicht weit genug abheben – meiner Meinung nach reicht es, wenn man ein solides Grundgerüst raffiniert um Nuancen verfeinert … und dies ist auf jeden Fall gelungen.

…el duque