Honduras

The Oscar by Oscar Valladares

And The Oscar goes to…….. ME!

Nachdem „The Leaf“ erfolgreich in Deutschland eingeführt wurde, erscheint nun vom gleichnamigen Hersteller „The Oscar“. Ebenfalls in der bekannten Tabakblatt Umverpackung. Wie bereits bei der Leaf, macht es den Anschein als bekäme die Zigarre eine besondere zusätzliche Note durch diese Verpackungsart. Wie dem auch sei, schön anzusehen ist sie allemal.

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Die hier getestete Robusto lässt einem mit ihrem Geruch nach Vollmilchschokolade schon das Wasser im Mund zusammenlaufen, hinzu kommen noch Kräuteraromen in Richtung Thymian.

Im Mund begeistert uns die Zigarre dann mit milden, erdig-nussigen Tönen. In meinen Notizen steht „rund, rund und rund“, denn dieses Exemplar hat eine wirklich wunderbar angenehme Balance, bei der keine Kante zu erschmecken ist.

Jeder Zug begeistert aufs Neue mit einer sehr guten und cremigen Rauchausbeute. Mit einem Preis von knapp über 12 € ist dieser Blend, der sich aus Nicaragua und Honduras Tabak zusammensetzt, allerdings zu teuer für meinen Geschmack. Aus diesem Grund wird es für mich keinen Wiederholungskauf geben, probiert haben sollte man sie dennoch.

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…el príncipe

Don Tomás Clasico Robusto

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Update:

Nach weit über 15 gerauchten Clasico Robustos ziehe ich mein Fazit in der Kategorie gehobene Alltagszigarre unter 5 €. Jedes bisher verkostete Exemplar hat mich überzeugt. Die leckeren, würzigen Aromen und der cremige Rauch waren immer präsent. Gleichzeitig strengt die Zigarre nicht an. Der Preis liegt mittlerweile bei 4,20 € aber diese Zigarre liefert, was anderen 10-€-„Stengeln“ fehlt. Das Gesamtpaket stimmt hier. Mein langjähriger Favorit in dieser Kategorie, die Casa Magna Belicosos aus Nicaragua, muss sich nun mit dem zweiten Platz begnügen. <

Die Robusto kommt mit einem schlichten Deckblatt daher. Durchzogen von feinen, aber deutlich erkennbaren Adern und gleichzeitig optisch sehr schön verarbeitet, weiss man diese Zigarre nicht richtig einzuordnen. Entfernt man die Bauchbinde könnte man aufgrund der Deckblattfarbe denken, dass man eine Kubanerin vom Kaliber Bolivar vor sich hat. Das San Augustin Deckblatt und das Umblatt stammen aus Honduras. Die Einlage kommt aus Nicaragua und Honduras. Die Bauchbinde hat den typischen Kuba-Goldmünzen Look, der schwarz unterlegt ist, aber mit einem orangefarbenen Streifen durchzogen ist. Diese Kombination wirkt zwar schlicht,  birgt aber einen großen Wiedererkennungswert.

Der Kaltgeruch ist würzig, mit leichter Tabaknote und schwer einzuordnen, jedoch vielversprechend! Das Anschneiden geht problemlos. Die ersten Züge offenbaren, welches Potenzial in diesem Preiswunder (3,90 €) liegt. Das erste Drittel bringt einen wunderbar würzigen Geschmack mit sich, der meiner Meinung nach den typischen Geschmack der Herkunft in sich trägt. Die Stärke tritt erst im zweiten Drittel in den Vordergrund und bewirkt einen angenehmen Wandel, wodurch die Zigarre nicht langweilig wird. Die Rauchentwicklung ist mittelmäßig, aber ausreichend. Im letzten Drittel kommt eine kräftige Pfeffernote hinzu, welche aber nicht mit einer unangenehme Schärfe verwechselt werden darf. Der Rauch selbst wirkt dicht, weiß, aber auch transparent. Der Abbrand ist bis zum Ende sehr linear und reguliert sich selbst. Gegen Ende neigt sie ein wenig zum Tunnelbrand, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit lässt sich dieser in Schach halten. Kurz vor der Bauchbinde ist leider Schluss mit Rauche, da sich die Stärke in diesem Bereich plötzlich zu sehr konzentriert. Begleitet wurde der Smoke mit einer südfranzösischen Rotwein Cuvée von Pierre Clavel bestehend aus Syrah, Grenache und Mourvèdre.

Fazit:

Diese Robusto ist mit 1,98 cm Umfang und 12,70 cm Länge eine typische Robusto, doch ihr Geschmack ist einfach gut und geht sogar ein wenig über einen alltäglichem Smoke hinaus. Mit 3,90 € ist sie sehr preiswert und eine Empfehlung für alle, die Honduras kennenlernen wollen oder einfach auf der Suche nach einem überdurchschnittlichen Alltagssmoke sind.

Übersicht:

Preis: 3,90 €

Einlage: Honduras/Nicaragua

Umblatt: Honduras

Deckblatt: Honduras

Länge: 12,70 cm

Durchmesser: 1,98 cm

Zugwiderstand: mittel-leicht

Abbrand: gerade und gleichmäßig

Rauchdauer: mittel-lang

Rauchentwicklung: mittel

Geschmack: würzig, pfeffrig

Preis/Leistung: sehr gut-überragend

Trinkbegleitung: Kräftiger Wein aus Südfrankreich

… el emperador

Rocky Patel Vintage 1990 Robusto

Die Churchill aus der Vintage 1990 Serie von Rocky Patel wurde bereits vorgestellt. Daher nur ein kleiner Nachtrag zu den Qualitäten der etwas kleineren Robusto.

Die Zigarre ist noch recht jung und der Kaltgeruch trotzdem nur sehr dezent wahrzunehmen. Kräftig im Antritt mit viel Pfeffer auf der Zunge. Man muss ihr etwas Zeit lassen bis sie in Fahrt kommt. Etwa im zweiten Drittel beginnen sich die typischen Aromen von Cedrelenholz, Espresso und einer holzigen Würze zu entwickeln. Zeitgleich wird der Rauch immer cremiger und dichter. Der anfängliche Unmut über den zurückhaltenden Start ist verflogen und die Zigarre beginnt unglaublich viel Spaß zu machen.

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Der Abbrand ist nicht der Schönste, aber reguliert sich selbst und bedarf keiner weiteren Aufmerksamkeit. Aber Vorsicht, die Asche neigt zum leichten Zerfall. Im letzten Drittel läuft die Robusto einem tollen Finish entgegen. Alle Aromen treten nochmal etwas stärker in den Vordergrund bis die Zigarre kurz nach der zweiten Bauchbinde ausgeht. So lassen sich die letzten, warmen Sonnenstrahlen des Sommers genießen.

Die Vintage 1990 Serie ist ein kleines Preis-Leistungs-Wunder. Mit viel Tiefgang begeistert sie von Anfang bis Ende. Wer etwas mehr Zeit übrig hat sollte aber unbedingt zur Churchill greifen, da sie aufgrund der Länge der Aromaentwicklung etwas mehr Spielraum gibt.

…el emperador

Rocky Patel Super Ligero Robusto

Superman, Superwoman, Super Ligero?

Ist die Super Ligero von Rocky Patel der neue Superheld im Zigarrenuniversum?

In diesem Review finden wir es heraus!

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Das Cape dieses vermeintlichen Helden stammt aus Honduras, während im Inneren Tabake aus Costa Rica und Nicaragua schlummern. Geschmückt ist diese Schönheit mit einer sagenhaften Bauchbinde. Die Schrift ist akkurat, die Farben kräftig und die Kanten präzise; zusätzlich eine deutlich erhabene Prägung. Hier hat sich Herr Patel nicht lumpen lassen. Die Bauchbinde alleine ist vermutlich mehr wert als so manche Zigarre.

Die sehr dunkelbraune Farbe des von dicken Adern durchzogenen Deckblatts übermittelt bereits pure Intensität. Der Geruch gibt sich zurückhaltend, weshalb ich schnell zum Anfeuern schreite. Obwohl einem die Zigarre durch ihre Festigkeit extrem dicht gerollt vorkommt, ist der Zug dennoch äußerst angenehm. Der erste Rauchschwall schlägt einem dann direkt gewaltig ins Gesicht! Eine imense Chilli-Schärfe an Lippen und Zunge sowie beißender schwarzer Pfeffer breiten sich im Mundraum aus. Sogar eine Nuance Schwarzpulver lässt sich erschmecken… vermutlich hatte Captain America diesen Beigeschmack 1943 ebenso… Womit wir schon beim Thema Superkraft sind. Wenn es die Superkraft ist, die einen Helden ausmacht, dann ist diese Zigarre definitiv einer, denn Kraft hat sie ohne Ende! Zur Mitte hin schafft es eine leichte Tabaksüße im Abgang die permanent vorherrschende, alles überlagernde Schärfe teilweise zu bezwingen und gibt einem so doch noch das Gefühl von etwas Aroma. Anstelle eines Laserstrahls bietet uns dieser Super Ligero sehr viel dicken, weißen Rauch. Zwischendurch blitzt noch ein Aroma von getoastetem Schwarzbrot auf, doch so schnell wie es erscheint, geht es auch wieder in der Schärfe unter…

Was die Performance angeht, so hoffe ich, handelt es sich bei meinem Exemplar um eine Montagszigarre. Der Abbrand ist fürchterlich schief und hinzu kommt ständiger Tunnelbrand, der das Rauchvergnügen weiter schmälert. DAS kennen wir von Rocky Patel anders, weshalb ich einfach einmal davon ausgehe, dass der Rest der Kiste besser performt.

Fazit: Wer ein Pendant zur La Aurora Untamed sucht, der greift hier in die Vollen! Die Super Ligero bietet dem erfahrenen Raucher Kraft ohne Ende. Allerdings sollte man für diesen Super Hero schwindelfrei sein, denn The Flash – nicht der Mann, der so schnell ist wie ein Blitz, sondern der Nikotin-Flash – kann einem ganz schön zusetzen!

Wissen: Ligero-Blätter entstammen dem oberen Drittel der Tabakpflanze und enthalten, aufgrund der dadurch erhöhten Sonnenaufnahme, mehr Nikotin.

…el príncipe

Alec Bradley Post Embargo Robusto

In seiner gestrigen Rede in Hannover sagte US-Präsident Obama in Bezug auf Russland und die Ukraine etwas, das mich – wiederum in Bezug auf die Beziehungen zwischen den USA und Kuba – zum Schmunzeln brachte: Er hoffe, dass Russland erkennen würde, dass wahre Größe nicht davon kommt, seine Nachbarn zu schikanieren, sondern davon, mit der Welt zusammenzuarbeiten, was der einzige Weg ist, um dem russischen Volk anhaltendes Wirtschaftswachstum und Fortschritt zu bringen… Zwar sind die amerikanisch-kubanischen Beziehungen allmählich dabei aufzutauen, doch das noch immer anhaltende Handelsembargo, welches die Weltmacht vor Jahrzehnten gegen seinen nur 90 Meilen entfernten karibischen Nachbarn verhängt hat, hat seit jeher zweifellos erhebliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Kubas.

Mit der Post Embargo Serie will nun Alan Rubin, der Inhaber von Alec Bradley, dafür werben, dieses Kapitel ein für alle Mal zu beenden. Er möchte endlich direkt mit den kubanischen Zigarren konkurrieren können, um zu beweisen, dass seine Zigarren auf Augenhöhe mit den verbotenen Früchten aus Kuba sind und diese zu Unrecht mystifiziert werden. Dass dieser direkte Konkurrenzkampf im Rest der Welt bereits stattfindet und dabei die nicht-kubanischen Zigarren häufig den Kürzeren ziehen, müsste ihm jedoch eigentlich bekannt sein. Am Mythos der Havanna werden auch ein gefallenes Embargo und ein offener Wettbewerb in den USA nichts ändern!

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Die Hoffnung auf eine Welt ohne Embargo spiegelt sich selbstverständlich in der schön designten Bauchbinde der Serie wider. Diese zeigt, verbunden durch das AB Logo, sowohl die kubanische als auch die US-amerikanische Flagge. Die Zigarren selbst kommen aus Honduras, setzen sich aus honduranischen sowie nicaraguanischen Tabakblättern zusammen und sind dezent boxpressed. Die Robusto liegt etwas leicht in der Hand, was auf eine lockere Rollung hinweist. Das Criollo-Deckblatt präsentiert sich in einem herrlich satten Braunton, ist teilweise von dicken Adern durchzogen und weist eine solide Verarbeitung auf. Kalt duftet die Post Embargo wunderbar nach gerösteten Kaffee- und Kakaobohnen.

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Bereits die ersten Züge strotzen vor Aroma und Kraft; die Post Embargo ist mindestens als mittelkräftig einzuordnen. Ihr Geschmacksbild wird zunächst geprägt von geröstetem Brot und Kaffee. Durch Retro-Haling des dichten, crèmefarbenen Rauchs lassen sich die Röstnoten noch weiter intensivieren und durch milden Pfeffer ergänzen. Nach dem ersten Drittel ist es das Aroma von Brot, welches sich mehr und mehr in den Vordergrund drängt, bis es schließlich den Smoke gänzlich dominiert. Damit einher geht, dass die Zigarre ab der Hälfte etwas milder wird. Leider bleibt das Aroma ab diesem Punkt sehr monoton bis erst auf den letzten genießbaren Millimetern noch dezente Ledernoten zum Vorschein kommen.

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Fazit: Im gewünschten direkten Vergleich mit kubanischen Robustos wie z.B. der Bolivar Royal Coronas oder der Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 kann die Alec Bradley Post Embargo nicht bestehen. Hierzu ist ihr Aroma einfach nicht gut genug und es fehlt an Komplexität. Man muss Herrn Rubin jedoch lassen, dass seine Zigarre eine tolle Performance mit perfektem Zug- und Abbrandverhalten abliefert.

…el rey

Flor de Copan Maduro Churchill

Zigarren, die in der Größenliga um die 17 cm spielen, sollten mit Bedacht gewählt werden. Ein Fehlgriff und die nächsten Stunden mit der Zigarre werden alles andere als ein entspanntes Vergnügen. Bei günstigen Churchills wie dieser Flor de Copan Maduro für 5,60 € sollte man immer mit Bedacht handeln: So viel Zigarre für so wenig Geld? Aber man sollte sich auch nicht gleich ganz abschrecken lassen, sondern einfach probieren.

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Diese Churchill ist zum größten Teil von einem zarten Zedrelenholz umwickelt, wie alle übrigen Zigarren der Marke Flor de Copan. Optisch hebt sie sich dadurch sofort von allen anderen Zigarren, die „nur“ mit Bauchbinden daher kommen, ab. Ob das Zedrelenholz den Geschmack direkt beeinflusst ist umstritten, jedenfalls verleiht es der Zigarre – nach einem Jahr Lagerung im Humidorschrank – einen Kaltgeruch zum Niederknien. Entfernt man das Holz kommt ein nahezu perfekt verarbeitetes dunkles, zart durchadertes Deckblatt zum Vorschein. Optisch ein absoluter Leckerbissen für Maduro-Liebhaber.

Die ersten Züge sind sehr lecker, leicht süßlich, schokoladig und machen neugierig auf mehr. Keine Schärfe, keine unangenehme Stärke oder sonst irgendwelche Ecken und Kanten. Natürlich kann man von so einer verhältnismäßig günstigen Maduro keine aromatische Tiefe erwarten wie von einer Camacho Trible Maduro oder einer Brickhouse Mighty Mighty. Aber sie ist trotzdem alles andere als flach und dünn. Etwas mehr Finesse als so manche andere Maduro. Sie lässt dem Raucher Zeit, sich mit den einzelnen Aromen zu beschäftigen und der cremige Rauch kleidet die Mundhöhle angenehm aus ohne zu kratzen.

Ab der Hälfte kommen leichte Holzaromen auf, gepaart mit der Süße von heller Schokolade. Der Abbrand ist über die gesamte Länge absolut bilderbuchreif und lässt einen staunen über die Qualität der Verarbeitung zu diesem studentenfreundlichen Preis. Die weiß-grau gescheckte Asche ist sehr fest und lässt sich wunderbar zum Ascheturm aufbauen. Gegen Ende kommen dezente Tabakaromen auf und begleiten die Zigarre auf ihrem Weg zu einem wunderbaren Finish kurz vor der Bauchbinde. Holz, Tabak, helle Schokolade und eine feine Süße machen diesen Smoke von Anfang bis Ende abwechslungsreich ohne aber den Raucher zu überfordern.

Eine absolute Kaufempfehlung! Anzumerken ist jedoch, dass die Streuung bei manchen anderen Flor de Copan Maduro Formaten, wie beispielsweise der Gordito, recht groß ist. Aber bei diesem Preis tut das zum Glück nicht allzu weh.

…el emperador

Tabacalera Zapata Robusto

Eine Robusto für 4,40 € aus Honduras. Ist zumindest einen Versuch wert. Optisch wirkt das Deckblatt sehr rustikal. Es ist stark von Adern durchzogen und fühlt sich auch sehr uneben an. Der Einlagen-Tabak stammt aus Nicaragua und Honduras. Geschmacklich macht sich vor allem ein starker Nicaragua-Flavor bemerkbar. Die ersten Zentimeter fördern eine ausgeprägte Stärke zu Tage. Vor etwas über einem Jahr habe ich bereits ein Exemplar versucht und beschlossen, das übrige Exemplar erst einmal im Humidor zu lagern bis sich etwas von seiner alles überdeckenden Stärke und Pfeffernote verflüchtigt.IMG_3641Diese Robusto zeigt aber leider die gleichen Schwächen wie ihre Vorgängerin. Eine grundliegende, recht monoton wirkende Holznote, die den gesamten Smoke begleitet, dazu eine Stärke und Schärfe, die allen übrigen Aromen die Chance nehmen sich zu entfalten. Der Abbrand ist sehr schön und lässt auf eine gute Verarbeitung für diesen Preis schließen. Aber der Smoke an sich ist nicht wirklich zufriedenstellend. Die Zigarre lässt sich bis kurz vor die Bauchbinde rauchen und geht dann aus. Kein großes Finish, sondern von Anfang bis Ende das Gleiche: Holz, Schärfe und eine unangenehme Stärke. Natürlich sollte man von einer Zigarre dieser Preisklasse nicht zu viel erwarten, aber die Serie Don Tomas Clasico aus Honduras wartet mit einer Robusto für 4,10 € auf, die ihre Gegner erst ein paar Preisklassen darüber findet. Es geht also auch anders. In diesem Fall bleibt es aber bei den beiden verköstigten Robustos aus dem Hause Zapata. Schade.

…el emperador

CLE Corojo Corona

Die Marke CLE ist noch verhältnismäßig jung und wurde von Christian Luiz Eiroa begründet. Dieser Masterblender war bereits an dem Erfolg der Marke Camacho beteiligt und mischt jetzt den Markt auf, mit neuen Marken wie Shizo, Asylum 13 oder CLE.

Die CLE Corojo Serie ist im gehobenen mittleren Preissegment anzusiedeln. Die hier gerauchte Corona kostet 6,50 €, misst 1,83 cm Durchmesser und eine Länge von 14,61 cm und ist eine honduranische Puro. Wie der Name vermuten lässt, spielt hier die Tabaksorte Corojo eine Rolle. Das sehr schöne, dunkel matt schimmernde Corojo-Deckblatt stammt aus Honduras und macht die Zigarre von Anfang an zu einem Eyecatcher. Die Bauchbinde ist sehr schlicht und klein gehalten, aber bei einem solchen Deckblatt kann ruhig etwas gespart werden.

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Der Kaltgeruch ist stark würzig mit erdig holzigen Tabaknoten ähnlich der Alec Bradley Family Blend VR1. Die ersten Züge sind sehr kräftig mit einer chilliartigen Schärfe. Nach etwa 15 min lässt die Schärfe etwas nach und die Zigarre wirkt gleichzeitig weniger kraftvoll. Der Abbrand ist sehr ungleichmäßig und der braun-graue Aschekegel sehr flockig und locker. Die Aromen schwanken zwischen Holz und Erde. Je mehr die Schärfe nachlässt, desto dominanter tritt eine leicht würzige Holznote hervor. Bis zum zweiten Drittel kommen keine weiteren Aromen hinzu und es findet auch keine weitere Entwicklung statt. Der Rauch ist schön dicht und cremig.

Gegen Ende des Smokes kommt eine dezente, aber sehr leckere Würze auf und lässt ein wenig erahnen, welches Potenzial diese recht junge Zigarre doch in sich trägt. Ein paar Jahre Lagerung lassen die scharfen Ecken und Kanten wahrscheinlich etwas runder und genießbarer werden. Für diesen Preis ist die Zigarre einen Versuch wert. Die Qualität und Verarbeitung sind entsprechend und geschmacklich bietet die CLE Corojo Corona sehr ausgeprägte Holzaromen gepaart mit einer feinen Würze. Kein leichter Honduras-Smoke, sondern schon eher Richtung Nicaragua, dafür etwas dezenter.

…el emperador

Rocky Patel Vintage Signature 1990 Churchill

Rocky Patel bietet hier eine Zigarre mit 17,78 cm Länge und 1,91 cm Durchmesser für 6,60 € an. Ein unglaublicher Preis, wenn man die folgenden Daten betrachtet: Das Deckblatt ist ein 12 Jahre altes Broadleaf aus Honduras, das Umblatt stammt aus Nicaragua, die ligerolastige Einlage ist 5 Jahre gereift und stammt aus der Dominikanischen Republik sowie Nicaragua.

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Das Broadleaf-Deckblatt mag für manche dunkel, rustikal und grob wirken, aber für andere steht es für ein leicht süßliches, kräftiges Aroma und einen Abbrand mit schneeweißer Asche. Es stammt nicht aus Connecticut, wo die begehrtesten Broadleafs wachsen, aber zu diesem Preis kann man das auch nicht erwarten. Vielleicht bietet dieses honduranische Deckblatt ein ganz neues, fesselndes Geschmackserlebnis. Der Kaltgeruch ist sehr zurückhaltend und schwer zu beschreiben. Er bewegt sich irgendwo zwischen Espressosatz, Zedernholz und Ammoniak. Die Verarbeitung ist gut und für den Preis absolut angemessen.

Die ersten Züge sind geprägt von dunklen Espresso-Aromen gepaart mit einer leichten Würze. Sehr lecker. Fruchtige oder grasige Aromen sucht man vergebens. Dennoch wirkt die Zigarre nicht schwer oder eintönig. Im Mund breitet sich der sehr cremige Rauch aus und mit der Zeit verdichten sich die Aromen immer stärker. Im gesamten Rauchverlauf merkt man, wie rund die ganze Zigarre schmeckt. Sie schmeckt ausgereift, aber nicht träge, würzig, aber nicht zu kräftig, vielschichtig, obwohl nur einige wenige dunkle Aromen dominieren, einfach interessant. Der Abbrand hat nur ganz wenige Aussetzer, die sich aber selbst korrigieren. Bis zur Bauchbinde und noch weiter rauchbar.

Diese Churchill ist ein absoluter Glücksgriff für Liebhaber von sowohl langen als auch würzigen Zigarren. Sie verzaubert durch ihre Reife, die ausgewogenen Aromen, die unterschiedlichen, wunderbar aufeinander abgestimmten Tabake, die Verarbeitung und durch ihren Preis. Wer kein Fan langer Zigarren ist, sollte hier zumindest nochmal einen Versuch wagen. Die drei bisher verköstigten Exemplare haben nicht enttäuscht und haben zwischen 60 und 90 Minuten Rauchvergnügen geliefert. Dass diese Zigarre im undurchsichtigen Bewertungssystem des Cigar Aficionado mit 92 von 100 Punkten bewertet wurde, sollte nur am Rande erwähnt, aber nicht als absolute Referenz gesehen werden. Probieren Sie lieber lebst!

…el emperador

Flor de Selva Robusto – Double Tasting der anderen Art

Der Einfluss des Deckblattes auf den Geschmack der Zigarre ist ein viel diskutiertes Thema. Die Meinungen dazu fallen sehr unterschiedlich aus. Wir versuchen mit diesem Beitrag eine fundierte, praxisbezogene Grundlage zu schaffen. Zwei Flor de Selva Robusto aus dem Tubos spielen die Hauptrolle in diesem kleinen Experiment. Beide Zigarren sind vor genau einem Jahr unter gleichen Bedingungen im Humidor eingelagert worden. Jetzt werden sie für ein spezielles Double Tasting hervorgeholt.

Dabei soll einer der beiden Zigarren vor dem Rauchen das Deckblatt entfernt werden. Dann sollen beide Zigarren angezündet und abwechselnd geraucht werden. Aufgrund des gleichen Kisten Ursprungs, des gleichen Formates und der gleichen Lagerung ist zu erwarten, dass die Zigarren einen sehr ähnlichen Geschmack entfalten werden. Der geschmackliche Unterschied sollte in der Folge auf das fehlende Deckblatt zurückzuführen sein. So viel zum Versuchsaufbau, nun weiter zur Praxis.

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Die Flor de Selva Robusto verkörpert Eleganz und Schlichtheit in ansehnlicher Perfektion. Der Tabak stammt seit 2013 ausschließlich aus Honduras. Speziell das Deckblatt stammt aus der honduranischen Region Talanga. Dort wachsen speziell für die Herstellung von Deckblättern Tabakpflanzen im Schatten von Netzen heran, die sie vor direkter Sonneneinstrahlung schützen sollen. Das Deckblatt war vor 2013 ein Connecticut Shade und ist aktuell ein Talanga Shade. Es handelt sich dabei um ein helles, makelloses, seidig-dünnes Deckblatt. Leider muss nun eine dieser Schönheiten ihre Hüllen fallen lassen.

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Das Entfernen des Deckblattes geht relativ schnell und sauber. Übrig bleibt eine von tiefen Falten durchzogene, dunkle Zigarre. Beide Zigarren nebeneinander haben äußerlich nichts mehr gemeinsam, außer ihr Robusto Format. Der Kaltgeruch unterscheidet sich kaum. Das Deckblattlose Exemplar riecht ein wenig rustikaler, was aber auch rein subjektiv durch die unansehnliche Optik beeinflusst sein kann. Die ersten Züge mit Deckblatt sind leicht, cremig, holzig mit Anklängen von Espresso Röstaromen und Nuancen von Karamell, aber ohne Süße. Das Deckblattlose Exemplar muss nicht angeschnitten werden, weil sich zusammen mit der Abnahme des Deckblattes auch die Kappe am Kopf gelöst hat und einen nahezu perfekten Anschnitt offenbart. Die ersten Züge schmecken ähnlich wie das bekleidete Exemplar, aber man hat ein wenig das Gefühl, als ob ein paar Nuancen fehlen.

Im Rauchverlauf fällt das nackte Exemplar mit einem sehr unregelmäßigen, fahrigen Abbrand auf. Wohingegen ihre Schwester einen sehr guten, geraden Abbrand aufweist. Der Rauch ist bei beiden mehr als ausreichend vorhanden und wunderbar cremig. Im zweiten und letzten Drittel wird die Zigarre ohne Deckblatt von Nussaromen dominiert und auch das Mundgefühl ist weniger cremig und die Mundhöhle wird nicht so angenehm ausgekleidet. Ihre Schwester entwickelt dafür eher holzige, buttrige, leicht strohige sowie süßliche Noten und schmeichelt direkt dem Mundraum. Dieses Exemplar wirkt runder, ausgereifter und unterstreicht die Aromen der Zigarre nahe zu perfekt. Die Qualität ist absolute Oberklasse und die Verarbeitung tadellos. Das Deckblatt wunderbar zart und kaum durchadert. Der Abbrand perfekt, wie mit dem Laserstrahl gezogen. Die Asche ist stabil und bleibt in einem Stück. Ihre hüllenlose Schwester hingegen fällt durch einen sehr unregelmäßigen Abbrand auf, ihre Asche ist sehr flockig und neigt zum Zerfallen. Auch Geschmacklich macht sich der Unterschied gegen Ende des Rauchens immer deutlicher bemerkbar. Beide Zigarren konnten genussvoll bis hinter die Bauchbinde geraucht werden, bis es an den Fingern zu heiß wurde.

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Der Einfluss des Deckblattes ist in puncto Abbrand und Asche eindeutig erkennbar. Bei Geschmack, Rauch, Aromaentwicklung und Mundgefühl ist der Unterschied erkennbar, doch nicht ganz so eindeutig. Vergleichsweise mit dem Abstieg von der Note 1 auf eine 2-. Am ehesten sind die Unterschiede im letzten Drittel zu spüren gewesen. Letztendlich wirkt die Zigarre mit Deckblatt einfach runder im Geschmack. Das Deckblatt bringt das gewisse Etwas mit, das den übrigen verarbeiteten Tabak, zumindest in diesem Fall, sehr schön ergänzt und begleitet. Das Deckblatt sieht also nicht nur schön aus, sondern besitzt auch zarte innere Werte, welche sich im Rauchverlauf langsam offenbaren.

…el emperador