Dominikanische Republik

Camacho American Barrel-Aged Toro

Es gibt Zigarren, an denen führt einfach kein Weg vorbei, man muss sie probieren. Dazu gehörte für mich definitiv die American Barrel-Aged Serie von Camacho. Wie der Name vermuten lässt, spielen die USA dabei eine Rolle und zwar in der Form, dass es sich bei Deckblatt, Umblatt und einem Teil der Einlage um amerikanischen Tabak handelt. Der übrige, honduranische Teil der Einlage wurde in Bourbon-Fässern gereift, mit dem Ziel der Zigarre ein entsprechendes Aroma mitzugeben. Solche Sperenzchen lässt man sich natürlich gut bezahlen: Für das Toro-Format der Serie werden 13,80 € fällig.

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Optisch ist die Zigarre eine Wucht. Dunkles, robustes und sauber verarbeitetes Connecticut Broadleaf Deckblatt gepaart mit zwei für die „neuen“ Camachos typischen, knalligen Zigarrenringen. Der Kaltgeruch ist entgegen der Optik eher zurückhaltend. Lediglich aus dem Fuß strömt ein betörender, süßlicher und an Schokolade erinnernder Duft.

In den ersten Zügen zeigt die American Barrel-Aged dann sofort eine enorme Präsenz und liefert ein kräftiges Aroma mit Anklängen von Leder und vor allem Holz (etwa Bourbon-Fass?). Gleich zu Beginn des Smokes ersticken sowohl das perfekte Zugverhalten als auch die satte Rauchmenge jeglichen eventuellen Zweifel an der Verarbeitungsqualität bereits im Keim. Die in meinen Augen fast etwas harsche Anfangsphase fährt dann im ersten Drittels etwas herunter und die Aromen werden weicher. Mit der Zeit gesellt sich eine Art von Würze hinzu, die leider im Laufe des Zweiten Drittels in einen beißenden, kratzenden Geschmack umschlägt. Karamellige Süße, Vanille oder sonstige an Bourbon erinnernde Noten? Leider Fehlanzeige. Erst auf den letzten Zügen kann die Zigarre das Ruder noch ein Stück weit herumreißen. Das Kratzen verschwindet und es zeigen sich wieder verstärkt die weichen, angenehmen Aromen von Holz und Leder, ergänzt durch erdige Nuancen.

Fazit: Meine Erwartungen waren hoch, keine Frage. Nichtsdestotrotz ist die Art und Weise, wie die Camacho American Barrel-Agend Toro diese nicht erfüllen konnte, einfach nur schwach. Das Bourbon-Fass-Aging, welches immerhin das primäre Kaufargument dieser Zigarrre ist, konnte ich kaum bis gar nicht wahrnehmen. Abgesehen davon, war der tatsächliche Geschmack nicht ganz mein Fall. Lediglich Optik und Verarbeitung konnten mich überzeugen. Für mich ist diese Zigarre schlichtweg Durchschnitt und mit ihrem Preis von 13,80 € maßlos überteuert.

…el rey

Maravilla Edicion Limitada Robusto

Schlägt man Maravilla im Brockhaus nach, so liest man dort Folgendes: „Langweilige 08/15-Zigarre aus der Dominikanischen Republik.“ … das steht dort natürlich nicht, wäre jedoch meiner Meinung nach der korrekte Eintrag. Aber alles der Reihe nach…

Maravilla Edicion Limitada Robusto

Wie die Zigarre selbst stammt auch die Einlage der Maravilla Edicion Limitada Robusto aus der Dominikanischen Republik. Deck- und Umblatt kommen aus Ecuador. Optisch ist die Zigarre mit ihrem sauber verarbeiteten, glatten Deckblatt und den beiden aufwändigen Zigarrenringen eine echte Schönheit. Beim Entfernen der Banderole am Fußende fällt mir jedoch auf, dass das Deckblatt an dieser Stelle vom Torcedor leicht beschädigt wurde. Der Kaltgeruch ist mild, kaum wahrnehmbar und gibt sich hölzern sowie leicht süßlich.

Beim Abtasten merke ich, dass die Maravilla knallhart gerollt ist und auch die ersten Züge bestätigen dies mit einem ambitionierten Zugwiderstand. Nur durch Double-Puffs entlocke ich der Robusto eine einigermaßen ausreichende Rauchmenge. Geschmacklich zeichnen sich holzige sowie strohige Noten ab, die Zigarre ist dabei allerdings sehr mild und schlichtweg schwach auf der Brust. Im Mund hinterlässt der Rauch einen dezent cremigen Nachgeschmack. Leider ist das auch schon alles, was ich an dieser Stelle berichten kann, denn die Maravilla zeigt weder aromatische Entwicklung noch Finish… nicht einmal im Ansatz.

Fazit: Glatte 6 € kostet die Maravilla Edicion Limitada Robusto. Ihre äußere Verarbeitung wirkt deutlich wertiger. Die inneren Werte, sprich die Raucheigenschaften, habe ich im Bundle-Bereich schon weitaus besser gesehen. Geschmacklich mag sie für Einsteiger ganz angenehm sein, für fortgeschrittene Aficionados einfach nur flach und langweilig.

…el rey

Flores y Rodriguez Claro Cabinet Seleccion Mágicos

Im heutigen Tasting nähern wir uns der Mágicos aus der Claro Cabinet Seleccion der Marke Flores y Rodriguez. Die in der Dominikanischen Republik vollständig von Hand gerollte Longfiller-Zigarre präsentiert sich mit einem schönen Deckblatt mittelbrauner Farbe und besticht durch eine hervorragende Verarbeitungsqualität. Im Kaltgeruch bleibt die 2,06 cm im Durchmesser und 12,70 cm in der Länge messende Mágicos zunächst recht zurückhaltend und liefert nicht viel mehr als ein hölzernes Aroma, das an die Auskleidung eines Humidors erinnert.

Flores y Rodriguez Claro Cabinet Seleccion Mágicos

Der Einstieg in den Smoke ist bereits butterweich, lediglich eine feine Würze kribbelt an der Zungenspitze. Geschmacklich geht die Mágicos in eine süß-fruchtige Richtung, im Hintergrund schwingt etwas milchig-cremiges mit. Im ersten und zweiten Drittel pendelt sich das Aroma auf diesen Schwerpunkten ein, eine Entwicklung ist nicht erkennbar, wird von mir aber aufgrund des feinen Geschmacks auch nicht vermisst. Sorgen machen mir dafür der schiefe, ständig korrekturbedürftige Abbrand sowie die bröselige, fransige Asche. Immerhin sind Zugwiderstand und Rauchausbeute gut.

Erst im letzten Drittel kann die Mágicos aus ihrer wohlschmeckenden Monotonie ausbrechen und wird dabei auch kantiger. Das Fruchtige verschwindet und eine hölzerne Würze sorgt kurzzeitig für ein dezentes Kratzen am Gaumen. Eine grasig-strohige Komponente kommt dazu. Ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist, bleibt Geschmacksache. In meinen Augen hat sie der Zigarre zu einem ordentlichen, „sättigenden“ Finish verholfen.

Fazit: Für 7,60 € bekommt man mit der Flores y Rodriguez Claro Cabinet Seleccion Mágicos nicht nur eine Zigarre mit einem elendig langen Namen, sondern auch mit einem herrlichen Geschmack. Ein weicher, relativ milder Smoke mit wenigen, aber perfekt ausbalancierten Aromen und einem würzigen Finish. Einziger Wermutstropfen: der Abbrand. Empfehlung!

…el rey

La Aurora Black Lion

Seit Anfang des Jahres 2016 gibt es eine neue Serie der dominikanischen Tabacalera schlechthin mit dem Namen La Aurora Black Lion. Wobei ich angesichts des Bauchbindendesigns zunächst dachte, dass Camacho neue Zigarren herausgebracht hat… Die Black Lion Serie unterteilt sich in die Deckblattvarianten Cameroon (blau), Connecticut (gelb), Corojo (giftgrün) und Maduro (orange). Als Formate stehen dem Aficionado jeweils Robusto, Churchill, Toro und Gran Toro zur Auswahl, wobei sich die Preise zwischen 4,90 € (Robusto) und 5,80 € (Gran Toro) bewegen. Bei diesen attraktiven Konditionen liegt es natürlich nahe, direkt jede Deckblattvariante zu probieren, um zu sehen, ob La Aurora mit dieser Serie nicht nur optisch mit den feinen Camachos mithalten kann…

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Hat man eine Black Lion in der Hand, fallen zunächst drei Dinge auf:

  1. Die Bauchbinde ist qualitativ sehr grenzwertig
  2. Das Deckblatt ist alles andere als schön und zudem noch schlecht verarbeitet
  3. Die Zigarre an sich ist sehr locker gerollt

Diese drei Punkte, soviel nehme ich vorweg, treffen ausnahmslos auf alle vier von mir gerauchten Exemplare zu. Offensichtlich wird der relativ geringe Preis durch ebenso geringe Verarbeitungsqualität ermöglicht…

La Aurora Black Lion Connecticut Robusto

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Als erstes mache ich mich an eine Robusto mit Connecticut-Deckblatt, die einen feinen Duft von Stroh verströmt. Angesichts der mangelnden äußeren Qualitäten sind die ersten Züge dann eine wahre Überraschung. Der Zugwiderstand ist zwar, wie zu erwarten war, extrem gering bis nicht vorhanden, doch die Zigarre gibt satte Mengen an cremigem Rauch ab. Vor allem aber: sie schmeckt gut! Kein Beißen wie bei manch anderen jungen Zigarren, dafür ein wunderbar weiches und frisches Aroma von Gras, Stroh und mildem Holz. In Sachen Stärke findet die Black Lion Connecticut gänzlich nicht statt, was sie jedoch perfekt für einen leichten Smoke zwischendurch macht. Auch die Performance ist im Hinblick auf die mangelhafte äußere Verarbeitung ein unverhoffter Segen, brennt die La Aurora doch kerzengerade und ohne den kleinsten Aussetzer herunter. Etwas mehr geschmackliche Entwicklung wäre sicherlich schön, doch auch so ist die La Aurora Black Lion Connecticut mit ihrem feinen, sanften Aroma eine durchweg solide Zigarre.

La Aurora Black Lion Cameroon Robusto

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Auch das aus Ecuador stammende Cameroon-Deckblatt weiß weder durch besondere Attraktivität zu glänzen, noch hat es eine sonderlich gute Verarbeitung erfahren. Umso besser gefällt mir der fein süßliche Tabak-Kaltgeruch. Bei den ersten Zügen zeigt die Cameroon etwas mehr Charakter als die Connecticut. Sie liefert Aromen von kräftigem Holz, etwas Stroh und vor allem eine dominante, klassische Tabaknote. Wie schon die Connecticut weist die Cameroon Robusto, bedingt durch ihre lockere Rollung, kaum Zugwiderstand auf, qualmt jedoch mindestens genauso stark. Im weiteren Rauchverlauf findet hier sogar eine kleine geschmackliche Entwicklung statt: Zu den anfänglichen Aromen gesellt sich zunächst eine gewisse Cremigkeit und später eine erdige Note hinzu. Alles in allem ist die Black Lion Cameroon dennoch recht zurückhaltend und zudem sehr mild. Beachtenswerterweise glänzt auch diese Zigarre trotz ungleichmäßiger und lockerer Rollung mit einem bis zum Schluss perfekten Abbrand.

La Aurora Black Lion Corojo Churchill

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Bei der Black Lion Corojo, von der ich mir geschmacklich bereits im Vorfeld mehr erwarte als beispielsweise von der Connecticut, soll es gleich eine Nummer größer sein, also fällt hier meine Wahl auf die Churchill. Beim Riechen am groben, gewohnt rustikal verarbeiteten Deckblatt steigt ein süßlicher Duft von Tabak und Holz in meine Nase. Nach dem Anzünden zeigt die Corojo sofort überdeutlich, dass sie sich von der Cameroon und der Connecticut abhebt. Sie füllt meinen Mund mit sattem Pfeffer sowie einem kernig würzigen Holzaroma. Auch ihre Stärke drängt sich mir sofort auf und zieht mir bis in den Magen. Es dauert allerdings nicht lange bis sich der Löwe beruhigt. Die Zigarre wird mit jedem Zug weicher und es kommt ein fruchtiges Aroma mit leicht säuerlichen Anklängen auf. Auch im Zugverhalten unterscheidet sich die Corojo von ihren beiden Vorgängerinnen und leistet deutlich mehr Widerstand. Die enorme Rauchmenge bleibt davon unbeeinflusst. Im Bereich des zweiten Drittels geht die Beruhigung des Löwen nun sogar so weit, dass er beinahe einschläft. Mag heißen, die Zigarre dünnt geschmacklich sehr stark aus und liefert im Vergleich zum wuchtigen Anfang kaum noch Aromen. Erst im letzten Drittel zieht die Black Lion Corojo wieder an und zeigt sich erneut von ihrer kräftig würzigen, holzigen Seite. Bis zum Schluss bietet sie mir so einen sättigenden Power-Smoke und begeistert mich sowohl mit ihrer aromatischen Vielfalt als auch Entwicklung. Der Abbrand der Corojo Churchill kann leider nicht ganz an die beiden bisherigen Black Lion Exemplare anknüpfen und bedarf des Öfteren feurige Unterstützung.

La Aurora Black Lion Maduro Churchill

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Getreu dem Motto „das Beste kommt zum Schluss“ nehme ich mir die Black Lion Maduro als letztes vor. Das kräftig dunkle Deckblatt und der herrlich würzige Kaltgeruch geben mir scheinbar schon im Voraus recht. Im Mund ist die Black Lion Maduro dann sofort mit ihrem dichten, cremigen Rauch präsent und besticht durch kräftig erdige Noten sowie eine dezente Chilli-Schärfe an der Zungenspitze. Auch hier zeichnet sich gleich zu Beginn eine ordentliche Portion Stärke ab. Noch im ersten Drittel kommt eine leichte Süße hinzu und die Zigarre wird dadurch ein Stück weit runder. Im Gegensatz zur etwas fester gerollten Corojo Churchill ist der Zugwiderstand der Maduro wieder äußerst gering. Das ist nicht weiter schlimm, doch die Tatsache, dass die Zigarre allein bis zum Erreichen der Hälfte viermal ausgeht, ist nicht tolerierbar. Unter dieser schlechten Performance leidet natürlich auch der Geschmack. Stellenweise zeichnen sich Noten von Nuss und Röstaromen ab, werden in ihrer Entfaltung jedoch auch in der zweiten Hälfte des Smokes durch ständiges Ausgehen gehindert. Schade!

Fazit

Sowohl die Black Lion Cameroon Robusto als auch die Connecticut Robusto sind solide Zigarren mit einer tollen Performance, wenn auch mit einer eher fragwürdigen äußeren Verarbeitungsqualität. Geschmacklich sind sie fein, werden aber wohl die Welt keines Aficionados auf den Kopf stellen. Durch ihre Milde und den relativ geringen Preis sind sie für Einsteiger oder für den leichten Smoke zwischendurch jedoch bestens geeignet.

Der Blend der Black Lion Maduro Churchill zeigt ein interessantes Geschmacksprofil, das aufgrund des grottenschlechten Rauchverhaltens bei meinem Exemplar allerdings nur ansatzweise zur Geltung kommt. Hier werde ich wohl noch einen zweiten Versuch starten.

Die Black Lion Corojo Churchill legt mit Abstand das komplexeste Aroma an den Tag. Ihre Stärke ist nicht zu unterschätzen. Die Performance der Corojo ist tadellos und sorgt für ordentlich Rauchvergnügen. Für mich ist sie somit die eindeutige Gewinnerin dieses Vergleichs.

…el rey

Tabacalera Altagracia Vintage Blend Criollo Robusto Part 2

Vor über zwei Jahren haben wir diese Zigarre bereits vorgestellt (Tabacalera Altagracia Vintage Blend Criollo Robusto). Damals haben wir ein Bundle gekauft, weil wir dieser relativ körperreichen Robusto ein gewisses Aging-Potenzial unterstellten. Gelagert wurden die übrigen Exemplare in einer Camacho-Kiste aus Zedrelenholz, um sich ungestört entwickeln zu können.

Beim Öffnen der Kiste kommen süßliche Vanillearomen heraus. Der Kaltgeruch der Zigarre selbst ist vergleichsweise zurückhaltend. Optisch hat die Lagerung keine Spuren hinterlassen. Die Robusto selbst scheint ein kleinwenig trockener zu sein als die übrigen Zigarren aus dem Humidorschränkchen, was wahrscheinlich durch die separate Kistenlagerung kommt.

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Angezündet zeigt diese Zigarre, dass sie ihre Jugend anscheinend immer noch nicht ganz abgelegt hat. Eine zarte, pfeffrige Schärfe ist von Anfang an dabei. Der Zug ist gut und bringt ausreichend Rauch mit. Die holzigen Tabakaromen kommen im ersten Drittel langsam auf. Die damals relativ dominante Schärfe ist fast verschwunden. Leider mit ihr auch die damals bestaunte animierende Würze. Der Abbrand ist für diese Preisliga immer noch sehr ansehnlich und bringt eine stabile, weiße Asche hervor.

Der Smoke entwickelt sich kaum mehr bis zum Ende. Die leckeren Holz- und Tabakaromen sind die gesamte Zeit lang präsent. Die damals negativ aufgefallene Bitterkeit und unangenehme Schärfe sind merklich zurückgegangen, aber mit ihnen auch ein wenig der volle Körper der Zigarre. Die Robusto ist immer noch ihr Geld wert, aber aktuell möglicherweise in einer ungünstigen Phase ihrer Entwicklung. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

… el emperador

Balmoral Anejo XO Petit Robusto Flagtail

Der Name Balmoral ist so ziemlich jedem Aficionado mit Hang zu gereiftem Tabak ein Begriff. Die 2013 veröffentlichte Serie Anejo 18 ist mit einem 18 Jahre gereiften Arapiraca Sungrown Deckblatt aus Brasilien ausgestattet. Ein Leckerbissen, aber leider hielt diese Serie nur solange der Vorrat reichte. Danach war Schluss. Aufgrund des Erfolgs wurde eine neue Serie entwickelt, welche ähnliche Eigenschaften mitbringt, dauerhaft produziert werden kann und an die Anejo 18 anknüpfen soll. Das Ergebnis ist die Balmoral Anejo XO Serie. Der Blend ist laut Hersteller fast identisch geblieben, nur das Deckblatt ist einige Jahre jünger. Wie lange es genau gereift ist, erfährt man leider nicht.

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So viel zur Vorgeschichte dieser kleinen Schönheit. Das dunkelbraune Sungrown Deckblatt mit dem kleinen Flagtail verzaubert einen sofort. Der würzige Kaltgeruch macht Lust auf mehr. Die ersten Züge lassen einen Staunen. Dicker, cremiger Rauch trägt eine Fülle von Aromen in die Mundhöhle: Erde, Tabak, Zedrele, eine zarte, schwer zu definierende Süße und eine kräftig Würze. Traumhaft, was diese Petit Robusto hervorbringt.

Der Abbrand ist sauber, nur die Asche nicht so stabil, sondern eher flockig. Die Zigarre entwickelt sich den gesamten Smoke über weiter und wird immer cremiger. Im letzten Drittel kommt eine leichte Pfeffernote auf, die mit einer dezent würzigen Stärke einem wunderbaren Finish entgegenläuft. Lässt sich rauchen bis die Fingerspitzen brennen.

Diese Zigarre hat gezeigt, was in diesem Preissegment möglich ist. Ein voller Körper, gepaart mit vielschichtigen Aromen und einer gut ausbalancierten Stärke, welche den gesamten Smoke über still begleitet ohne in den Vordergrund zu drängen. Als Begleitung diente ein duftig, spritziger Sauvignon Blanc mit neuseeländischem Einschlag aus der Pfalz. Die Kombination von Weißwein und einer würzigen, körperreichen Zigarre ist oft sehr schwierig, aber in diesem Fall harmonierten beiden sehr gut miteinander. Die Spritzigkeit und fruchtige Exotik des Sauvignons stellte ein animierendes Gegengewicht zur erdigen, cremigen Würze der Balmoral Anejo XO Petit Robusto. Ein Glückstreffer, der zustande kam, weil die Lust auf eine Zigarre erst während einem Gläschen Wein mit einem guten Bekannten aufkam. Ansonsten wäre die Wahl wohl auf einen molligen Rotwein aus dem Barrique gefallen.

Für die Anejo XO gilt: Kaufempfehlung und eine meiner Top 10 in diesem Jahr!

… el emperador

Davidoff Escurio Petit Robusto

An dieser Stelle muss ich mich wohl outen: Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Davidoff geraucht. Die Marke hat mich bisher einfach nicht angesprochen und die teils gesalzenen Preise machen ein munteres Herumprobieren nicht unbedingt attraktiver. Doch die im Jahr 2015 vorgestellte Escurio-Serie konnte mich schließlich zu einem ersten Kennenlernen überreden. Der Blend dieser Zigarren ist nämlich in meinen Augen eine äußerst bunte und interessante Mischung. Das Habano-Deckblatt kommt aus Ecuador und umgibt ein Umblatt aus Brasilien, welches ebenfalls ein Habano ist. Die Tabake für die Einlage stammen aus Brasilien und der Dominikanischen Republik, wo diese Zigarren auch gefertigt werden. Für den ersten Versuch fällt meine Wahl auf die Petit Robusto (Länge: 8,26 cm, Durchmesser: 1,98 cm), die mit ihrem Preis von 8,50 € immerhin noch im einstelligen Bereich liegt…

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In ihrem Erscheinungsbild wird die kleinste Escurio ihrem Premiumanspruch durchaus gerecht. Das wunderbar glatte Deckblatt hat eine satte, homogene Farbe und ist hervorragend verarbeitet. Besonders die Kappe wirkt wie aus einem Guss. Der Kaltgeruch liefert einen Hauch von Leder und Würze.

Die ersten Züge unterstreichen dann weiter die hohe Qualität dieser Zigarre. Der Zugwiderstand könnte besser nicht sein und der Winzling liefert eine ordentliche Menge an dichtem, cremigen Rauch, den selbst die kräftige Frühlingsbrise nicht so leicht davonträgt. Geschmacklich zeichnen sich Espresso, Leder und vielleicht etwas Bitterschokolade ab. Eine schöne und vor allem feine sowie runde Komposition. Gelegentlich flackert etwas würzige Schärfe am Gaumen auf. Leider ist die Mini-Zigarre beim Erreichen der ersten Bauchbinde bereits so heiß, dass es mir kaum möglich ist weitere Aromen wahrzunehmen. Die folgenden Züge bringen vor allem hitzebedingte Schärfe und ein paar holzige Noten.

Fazit: Wie erwartet ist der Blend der Escurio-Serie von Davidoff sehr interessant. Allerdings habe ich mich scheinbar für das falsche Format entschieden, da die Petit Robusto nur kurz ihr aromatisches Potential offenbart und dann leider trotz gedrosseltem Rauchtempo heißläuft. Man sollte also besser bei der Robusto (14 €) einsteigen.

…el rey

Arturo Fuente Opus X Reserva du Château (Churchill)

Wenn sogar auf das als Verpackung dienende Cellophan eine goldene Schrift geprägt ist, weiß man, dass man keine 0815 Zigarre vor sich hat. Wenn es sich bei dem Text dann auch noch um Fuente Fuente Opus X handelt, weiß man, dass man etwas ganz Besonderes in den Händen hält. Die dominikanischen Puros aus dem Hause Fuente zählen zu den edelsten Zigarren überhaupt und die Marke hat mit Slogans wie „Only Fuente is Fuente“ sowie eigenen Zigarren-Lounges mitsamt Merchandise regelrechten Kultstatus erreicht. Dieser Status wird natürlich auch wirtschaftlich ausgenutzt, was zur Folge hat, dass sich die Zigarren preislich im obersten Segment ansiedeln.

Optisch erfüllt die verkostete Churchill sämtliche Erwartungen. Zwar ist das Deckblatt etwas grob und lässt einzeln betrachtet nicht unbedingt auf eine Zigarre jenseits der 25 € schließen, doch die Verarbeitung ist absolut perfekt. Auch der Kaltgeruch ist eine Klasse für sich. Meine Nase wird verwöhnt durch intensiv stallige Aromen und eine herrliche Tabak-Süße. Aus dem Fuß der Zigarre strömt ein verführerischer Duft nach Schokolade – da sagt selbst Dr No Ja.

OpusX1Der Einstieg in den Smoke ist pfefferlastig; für meinen Geschmack etwas zu pfefferlastig. Es zeichnet sich aber zugleich eine schöne Cremigkeit ab, welche im weiteren Verlauf glücklicherweise präsenter und dominanter wird. Der perfekte Zugwiderstand und die Unmengen an dichtem Rauch sind im Fall einer Opus X eher eine Selbstverständlichkeit als eine Überraschung. Der Abbrand kann allerdings nicht ganz überzeugen, da die Zigarre zum Tunneln neigt und keine Sekunde vernachlässigt werden darf. Nach dem leicht scharfen Beginn wird der Smoke immer weicher und runder. Die Aromen sind über den gesamten Rauchverlauf eng verflochten und schwer bis kaum differenzierbar. Die Opus X bietet einfach ein wunderbares Gesamtbild. Rauch und Geschmack sind wunderbar cremig, während über allem eine feine Süße schwebt. Trotz des durchaus voluminösen Geschmacks ist die Opus X an sich doch eher mild. Selten findet man eine Zigarre, die dermaßen ausbalanciert, filigran und rund in ihrem Geschmack ist.

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Fazit: Eine Opus X ist einfach etwas Besonderes und ein jeder Aficionado sollte einmal eine dieser Zigarren rauchen. Die Verarbeitungsqualität ist dem Preis durchaus entsprechend und auch geschmacklich handelt es sich hierbei um etwas besonders Feines.

…el rey

Cibao Maduro Robusto

Cibao2Die Cibao Maduro besteht, mit Ausnahme des brasilianischen Deckblatts, dessen Textur fast schon an Schmirgelpapier erinnert, komplett aus Tabakblättern aus der Dominikanischen Republik. Zugegeben, im Vorfeld konnte ich mit dem Namen Cibao nur recht wenig anfangen, was vermutlich daran liegt, dass der Höhenflug dieser Marke bereits etwas zurückliegt. Doch eine schön verarbeitete Maduro Robusto für 5,10 € erscheint zwangsweise früher oder später auf meinem Radar.

Bereits kalt weckt die Cibao meine Neugierde mit ihrem holzigen, tabaklastigen, aber auch leicht süßen Geruch. Die ersten Züge erweisen sich ebenfalls als äußerst interessant und aromatisch, wenn auch schwer zuordenbar. Erkennbar ist jedoch eine leichte Schärfe, welche allerdings zügig abklingt. Dann kämpft sich zunächst ein herbes Holzaroma hindurch, dann ein wenig Stroh, dann etwas Nuss. Dabei hallt im Rachen stets eine würzige Pfeffernote nach. Weiter entwickelt sich ein Röstaroma, das zunächst an Kaffee erinnert, dann allerdings eher eine Assoziation mit Brotrinde hervorruft. Gegen Ende wird die Cibao Maduro immer herber, als bitter würde ich sie aber nicht bezeichnen. Für eine Dominikanerin sehr gehaltvoll, kräftig und ausdrucksstark.

Cibao3In Sachen Rauch-Performance ist die Cibao Maduro zwar kein Meisterwerk, aber auch keineswegs verpfuscht. Der Zugwiderstand könnte besser nicht sein und die Rauchmenge ist schlichtweg beeindruckend. Die Asche allerdings ist extrem bröselig und stürzt, sehr zum Leidwesen meiner Jeans, andauernd vorzeitig ab. Der Abbrand ist bis zum letzten Drittel einwandfrei, gerät dann aber schlagartig außer Kontrolle.

Fazit: Cibao4Die Cibao Maduro Robusto ist für mich schwer zu bewerten. Zum einen schmeckt sie ganz gut, zum anderen fehlt mir bei ihr dann doch der gewisse Kick, mit dem sich diese Zigarre aus der Masse abhebt. Bei der Preisentwicklung der letzten Zeit, insbesondere bei den Neuerscheinungen, ist eine Maduro Robusto für 5,10 € allerdings fast schon als Schnäppchen einzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie noch einmal rauchen werde, ist wohl eher gering, doch wenn man sie noch nicht kennt, ist sie durchaus einen Versuch wert.

…el rey

Arturo Fuente 8-6-8

Das Haus Fuente bietet zahlreiche Serien für die verschiedensten Geschmäcker, wie z.B. die würzige Hemingway bis hin zur königlichen Opus X Serie. Die 8-6-8 aus der Classic Serie wird nun zum fünften Mal geraucht und bekommt diesmal ein Review.

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Das Format entspricht mit 1,91 cm Durchmesser und einer Länge von 15,24 cm einer Corona Grande. Die Optik dieser Zigarre ist sehr ansprechend. Die Bauchbinde hebt sich von dem schönen Kamerun Deckblatt ab. Der Kaltgeruch ist nur schwer zu fassen, aber ein leichtes Teearoma ist bemerkbar.

Auf die ersten Züge merkt man, wie leicht die Zigarre gerollt ist. Der cremige Rauch bringt von Beginn an süßlich-holzige Aromen mit sich. Die Verarbeitung ist für den Preis von 6,10 € sehr gut. Das spiegelt sich auch in dem geraden Abbrand und der stabilen weiß-grau gescheckten Asche wider. Im weiteren Rauchverlauf verstärkt sich das süßlich-holzige Aroma, aber die typische Würze eines Kamerun Deckblatts lässt diese Zigarre vermissen. Bis zum Ende hin lässt sie sich tadellos rauchen und genießen. Es kommt keine Schärfe auf und es gibt keine Probleme mit dem Abbrand.

Die Fuente 8-6-8 bietet einen angenehmen, leichten DomRep Smoke zu einem fairen Preis. Die Zigarre strengt nicht an und kann gemütlich nebenher geraucht werden. Sie bringt aber auch keine Überraschungen mit sich. Die aromatische Vielfalt fällt leider für ein Kamerun Deckblatt eher gering aus. Für Fans eines unkomplizierten, leichten Smokes am Nachmittag zum Latte Macchiato.

…el emperador