Wissen

Hier gibt es Hintergrundinformationen sowie allgemeine Beiträge zu den Themen Zigarre und Wein.

Domaine de Pégau Châteauneuf-du-Pape 2008 oder was ist ein „schlechter“ Jahrgang?

Châteauneuf-du-Pape, eine Appellation von Weltruf. Von ihr kommen rote und weiße Weine von Statur, Rang und Namen. Den Grundstein dafür legt das Terroir. Es ist hier sehr abwechslungsreich und bietet verschiedensten Rebsorten ein geeignetes Zuhause. Über 12 Rebsorten sind für diese Appellation zugelassen. Allen voran Grenache, gefolgt von Syrah und Mourvèdre, aber auch Roussanne, Bourboulenc und Clairette.

Der rote Châteauneuf-du-Pape ist in der Regel eine Cuvée, die sich aus den zugelassenen Rebsorten zusammensetzt. Zu welchen Teilen oder ob der Châteauneuf-du-Pape nur aus einer Rebsorte (beispielsweise Grenache) bestehen soll, bleibt den Winzern selbst überlassen. Neben der Federführung bei der Rebsortenzusammensetzung spielt bei diesen „großen“ Weinen der Stil eine entscheidende Rolle: Traditionell oder modern?

Die Traditionalisten produzieren noch verhältnismäßig archaisch. Vergoren werden die Trauben spontan mit wilden Hefen auf Stiel und Stängel im Zementtank oder großen Holzfass. Der Weinberg wird biologisch bewirtschaftet und erfährt große Aufmerksamkeit. Die Weine sind oft etwas knarzig, unfiltriert, benötigen Aufmerksamkeit und sind in jungen Jahren recht verschlossen.

Anhänger der Moderne nutzen die technologischen Neuerungen und vergären ihr Lesegut in temperaturregulierten Edelstahltanks mit Reinzuchthefe. Der Weinberg wird konventionell bewirtschaftet. Das Ergebnis sind tendenziell zugängliche, verständliche Weine, die früh getrunken werden können und mehr von ihrer technischen Machart als von der Natur geprägt sind.

Mit dieser Beschreibung sollten nur ein wenig die unterschiedlichen Herangehensweisen skizziert werden. Zwischen diesen beiden stark vereinfacht dargestellten Positionen gibt es viel Platz für Mischformen. Nichts in der Weinwelt lässt sich so einfach in Schubladen stecken und kategorisieren, das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen.

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Die Domaine de Pégau zählt zu den traditionell geführten Weingütern. Entsprechend „wild“ und natürlich kommt dieser Châteauneuf-du-Pape daher. 2008 war alles andere als ein leichter Jahrgang. Viele bezeichnen ihn als „katastrophal“ oder schlichtweg schlecht. Solche Aussagen dämpfen den Absatz der Weine und werden der harten Arbeit der Winzer im Weinberg und Keller nicht gerecht. Wenn man erkennt, was sich hinter einem Jahrgang verbirgt, kann man den Wein einschätzen und entsprechend genießen. Nur weil der Jahrgang lediglich mit vier von fünf Sternen bewertet wurde und das Lagerpotential im Vergleich zum vorherigen Jahrgang von 25 auf „nur“ 15 Jahre reduziert wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass der Wein minderwertiger ist.

Das schön am Weinuniversum ist die Einzigartigkeit jedes Jahrgangs. Wer bestimmt denn wie ein guter Wein aus gutem Jahrgang schmecken soll? Die einen bevorzugen Finesse und Frucht, die anderen Eleganz und zartes Säurespiel und wieder anderen wollen Wein, der vor Extrakt und Statur nur so strotzt.

Der Kampf um die Vorherrschaft im Universum der Geschmackskonventionen ist schon seit Jahrzehnten im Gang. Einen Gewinner gibt es nur, wenn man seine persönlichen Vorlieben der Doktrin eines anderen Lagers unterwirft. Da Sinneseindrücke wie das Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören und Sehen immer etwas sehr Persönliches sind, ist es nur schwer verständlich, warum die Sinneswahrnehmungen anderer passender sein sollten als die eigene.

Wie bei der Musik gibt es nicht „die eine Musikrichtung“, die das anzustrebende Ziel darstellt. Geschmäcker sind verschieden und die Vielfalt der Musik eine Bereicherung. Der Musikgeschmack kann als Analogie auf den Wein verstanden werden. Je nach Stimmung und Situation darf es mal ein Glas Pomerol mit etwas Soul von Bill Withers, ein Schluck steierischen  Orangewine mit Deep-House von Âme oder ein wuchtiger Châteauneuf-du-Pape zu den Beats von RZA sein. Erlaubt ist, was gefällt, und Genuss kennt keine Grenzen.

Der Jahrgang 2008 wurde an der südlichen Rhône mit zwei von fünf Sternen bewertet. Bedeutet in diesem Fall nichts außer jetzt trinken! Potential für längere Lagerung bringt er nicht mit. Sucht man einen passenden Vergleich, um die Rotweine aus Châteauneuf-du-Pape zu beschreiben, so kommen sie tendenziell einem Bodybuilder auf anabolen Steroiden am nächsten. Mit 15 % Alkohol an der Obergrenze des Möglichen, vor Extrakt strotzend und tiefdunkler Farbe von vollreif gelesenen Trauben bringen die Weine schon fast zu viel auf einmal mit.

Nicht so dieses Exemplar von der Domaine du Pégau. Es duftet ledrig, holzig, fast animalisch in Kombination mit intensiven Beeren-Aromen. Ein verhältnismäßig leichter Trinkfluss und süßliche Noten bei nur 2 g Restzucker animieren zum Weitertrinken. Ein bisschen gut gewürztes Pulled Pork, ein paar rote Oliven und alles andere, was intensiv schmeckt. Der Wein dominiert am Ende sowieso mehr, als dass er ergänzt. Einfach lecker zu trinken. Schwupps ist die Flascher leer und der „schlechte“ Jahrgang schon vergessen. Châteauneuf-du-Pape mal anders.

…el emperador

Wer ist die Stärkste im ganzen Land?

Wenn man als Neuling in ein Thema einsteigt, wird man oft erschlagen von Unmengen an Informationen, teils unüberschaubaren Unterkategorien, einer riesigen Auswahl und den oft irreführenden Meinungen vermeintlicher Experten. Ich sehe mich keineswegs als einer der letzteren, sondern möchte an dieser Stelle lediglich meine Erfahrungen aus fast 10 Jahren als Zigarrengenießer teilen. Dabei geht es mir um die Frage, die sich viele Einsteiger stellen und die auch ich mir damals gestellt habe: „Vertrage ich diese Zigarre oder ist sie zu stark für mich?“ Gerade bei Genussmitteln ist es wichtig, mit für Anfänger geeigneten Produkten einzusteigen. Andernfalls wird man höchstwahrscheinlich abgeschreckt und nicht begeistert. Ein rauchiger Islay in Fassstärke für einen Whisky-Neuling? Wohl eher weniger. Auch jemand, für den Zigarren Neuland sind, sollte zunächst einen großen Bogen um allzu kräftige Exemplare machen. Dies gilt besonders für diejenigen zukünftigen Aficionados, die keinerlei Erfahrung mit Tabak bzw. Nikotin haben. Doch welche Zigarren sind zu stark für einen Anfänger und woran erkennt er sie?

Zunächst muss die Begrifflichkeit geklärt werden. Was genau ist gemeint mit kräftig oder stark? In unseren Reviews halten wir es wie folgt: „Stark“ bezieht sich ausschließlich auf den Nikotingehalt und die Durchschlagskraft einer Zigarre. Kann ich sie morgens nach einem leichten Frühstück rauchen ohne auch nur zu merken, dass der Tabak der Zigarre eigentlich Nikotin enthält, dann ist diese nicht stark, sondern „sehr leicht“ oder „sehr mild“. Dreht sich mir beim Rauchen einer Zigarre der Kopf, obwohl es 20 Uhr ist und ich zuvor ein halbes Kilo Steak mit 2 Ofenkartoffeln gegessen habe, ist diese durchaus als „stark“ zu bezeichnen. Dass es dazwischen noch Abstufungen gibt und dass die Verträglichkeit auch von mehreren personenbezogenen Faktoren abhängt, versteht sich von selbst. Als Synonym für stark verwenden wir häufig auch das Wort „kräftig“. Allerdings benutzen wir diesen Begriff auch des Öfteren in Bezug auf die Intensität des Geschmacks einer Zigarre. Eine Zigarre kann also durchaus kräftig im Aroma und gleichzeitig mild sein. Was nun folgt ist eine Betrachtung, inwieweit sich die zwei gängigsten vermeintlichen Erkennungsmerkmale starker Zigarren mit meinen bisherigen Erfahrungen decken.

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Kubanische Zigarren = stark

Mit dieser Aussage wird man meist als erstes konfrontiert: „Sie sind Anfänger? Dann rate ich Ihnen von kubanischen Zigarren ab, die sind sehr kräftig. Nehmen Sie lieber eine aus der Dominikanischen Republik.“ Ich persönlich kann diese Schwarz-Weiß-Malerei nicht gutheißen. In meiner gesamten Zeit als Zigarrenliebhaber, auch in der Anfangszeit, ist mir noch keine einzige kubanische Zigarre nicht bekommen. Selbst die vermeintlich stärksten Havannas, z.B. eine Bolivar, kann ich noch vor dem Mittagessen problemlos und, im wahrsten Sinne des Wortes, in vollen Zügen genießen. Natürlich gibt es Unterschiede. So empfinde ich, im Konsens mit der weitläufigen Meinung, eine H. Upmann als wesentlich leichter als besagte Bolivar. Doch als stark oder gar sehr stark würde ich keine Havanna bezeichnen. In Sachen Geschmack jedoch sehe ich die kubanischen Zigarren als deutlich intensiver an als ihre Konkurrentinnen aus anderen Ländern. Für mich haben sie einfach die perfekte Balance aus Stärke und kräftigem Aroma. Zigarren aus der Dominikanischen Republik hingegen sind meiner Meinung nach in der Tat meist sehr leicht und auch im Geschmack eher flach. Insbesondere die Puros, also Zigarren, die nur Tabak aus der Dom. Rep. enthalten. Natürlich gibt es hier Ausnahmen wie eine Opus X von Arturo Fuente, welche sich aber auch preislich von der Masse abhebt. Ebenso sind die Premiumzigarren der Serie Preferidos 1903 von La Aurora, wenn auch keine dominikanischen Puros, ein Beispiel für körperreiche, vollaromatische Zigarren aus der Dom. Rep. Die dominikanische Durchschnittszigarre ist meiner Erfahrung nach allerdings sehr leicht.

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Hell = mild / dunkel = stark

Steht der Zigarrenneuling nun im Humidor merkt er vor allem eines: Es gibt nicht nur verschiedene Herkunftsländer, Marken und Formate; nein, die Dinger haben auch noch verschiedene Farben. Hier setzt nun die zweite Theorie an, welche besagt, dass kräftige Zigarren an ihrem dunklen Deckblatt auszumachen sind. Ich will an dieser Stelle nicht auf sämtliche Arten von Deckblättern oder gar den Einfluss von Fermentation eingehen, sondern lediglich die zwei wohl bekanntesten Extreme herauspicken und auf Basis meiner Erfahrungen diskutieren, ob eine helle Connecticut wirklich immer mild und ein dunkle Maduro wirklich immer stark ist. In vielen meiner Reviews schimmert durch, dass ich eher von Maduros angetan bin als von Connecticuts. Das liegt daran, dass ich tatsächlich kaum eine Connecticut geraucht habe, die einen kräftig ausgeprägten und interessanten Geschmack hatte. Auf der Habenseite steht, dass ich mich auch nicht an eine zu starke Connecticut, die mir unangenehm in den Kopf gestiegen ist, erinnern kann. Die meisten der von mir gerauchten Zigarren mit hellem Connecticut-Deckblatt waren recht milde sowie geschmacklich unauffällige bis eintönige Exemplare, die sich folglich auch nicht in meinem Gedächtnis verankert haben. Als Ausnahme möchte ich hier jedoch die Perla del Mar aus Nicaragua anführen, welche mich schon oft mit ihrem tollen Aroma begeistert hat und auch nicht zu schwach auf der Brust ist. Meine Erfahrungen mit Maduros sehen da schon deutlich anders aus. Auf deren geschmackliche Präsenz konnte ich mich eigentlich immer verlassen und die Stärke von so mancher hat sich durchaus bemerkbar gemacht. Natürlich ist das Deckblatt nur ein kleiner Teil einer Zigarre und ihre Stärke hängt dementsprechend nicht allein davon ab, sondern vom gesamten Blend. Nichtsdestotrotz haben sich meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen die Annahmen „hell = mild“ und „dunkel = stark (bzw. stärker)“ doch bewahrheitet.

Welche Zigarre sollte der Einsteiger nun auswählen?

In einem guten Zigarrengeschäft erfährt man auch eine gute Beratung, die einem die klassischen Einsteiger-Zigarren aufzeigt. Ist das einmal nicht der Fall und man ist auf sich allein gestellt, so ist die Wahrscheinlichkeit als Anfänger eine zu starke Zigarre zu wählen wohl am geringsten, wenn man zu einer dominikanischen mit Connecticut-Deckblatt greift. Jedoch möchte ich Einsteiger auch dazu ermutigen, sich bereits früh mit den vermeintlich starken Kubanerinnen auseinanderzusetzen. Gerade die milderen Marken, z.B. H. Upmann, Por Larrañaga oder die Open Serie von Montecristo, eignen sich meiner Meinung nach durchaus für Neulinge und haben um einiges mehr zu bieten. Sollte dennoch einmal eine Zigarre zu stark sein und einem das Nikotin zu Kopf steigen, so hilft eine ordentliche Dosis Zucker.

…el rey

 

Orange Wine

Orange Wine hat in den letzten Jahren einen großen Hype erlebt und ist mittlerweile über den Weinglasrand hinaus in die internationale Weinwelt geschwappt. Das „Besondere“ an diesem Wein ist seine Herstellung. Dafür werden die Trauben weißer Rebsorten benötigt. Bei der regulären Weißwein Produktion werden die Trauben gepresst und nur der Saft weiter zu Weißwein verarbeitet. Die entsafteten Traubenreste haben keine Funktion mehr in der Vinifikation und werden besipielsweise als Dünger anderweitig verwendet. Bei der Herstellung von Orange Wine werden die weißen Trauben nur angepresst und dann wird sowohl der Saft als auch die Beerenschalen (teilweise auch die Traubenstiele) gemeinsam vergoren. Dieses Verfahren wird auch bei der Rotwein Herstellung genutzt. Grob gesagt gilt, je länger die Beerenschalen Kontakt mit dem Most haben, desto mehr Farb- und Aromastoffe werden herausgelöst. Rotwein wird, abhänging von der verarbeiteten Rebsorte, dunkler und dichter. Aber was passiert bei weißen Trauben, die keine dunkelrot-blau färbenden Anthocyane besitzen?

Viele weiße Rebsorten besitzen, zur Überraschung einiger Weintrinker, eine beträchtliche Anzahl an Aromastoffen (Phenole) und an gelblichen Farbstoffen (Flavone). Die Beerenschalen und die darin enthaltenen Stoffe bekommen bei der Orange Wine Herstellung die Möglichkeit zu zeigen, was in ihnen steckt. Die so gewonnenen Weine haben das Potenzial mehr Farbe (von dunkel Gelb bis Orange!), Struktur, Dichte, Vielschichtigkeit und verhältnismäßig große Lagerzeiten mitzubringen. Hinzu kommt eine Grundtendenz bei dieser Produktionsweise auf Reinzuchthefe, Enzyme oder Chaptalisation (Aufzuckern) zu verzichten. Auch der Anteil an Schwefel zur Stabilisierung des Weines wird gering gehalten oder es wird ganz darauf verzichtet. Abgefüllt wird der Wein meist unfiltriert. Bei einer solchen naturnahen Vinifizierung, bekommt ein sonst eher weinger beachteter Faktor einen ganz neuen Stellenwert: der Weinberg. Die Arbeit des Winzers verschiebt sich vom Keller in den Weinberg, wo er durch Rebschnitt und Laubwandmanagement vitale Reben und somit entsprechende Traubenqualität hervorbringt. Schädlinge und Krankheiten müssen möglichst ohne chemische Mittel beseitigt werden. Der Mikrokosmos Weinberg muss „gesund“ sein. Biodynamik ist also unabdingbar. Nur wenn der Winzer entsprechend in seinem Weinberg arbeitet, kann er ohne größere Eingriffe seine Weine im Keller entstehen lassen. Abhänging von Winzer und Rebsorte können dabei überaus interessante Weine entstehen, die so manchen Chablis-Trinker staunen lassen.

Dieser kurze Abriss zum Thema Orange Wine soll lediglich einen Überblick geben. Die Vorgehensweise bei der Produktion ist von Winzer zu Winzer unterschiedlich.

Diese neue Mode hat also den Orange Wine als Vierten im Bunde von Rotwein, Weißwein und Rosè, salonfähig gemacht. Ob dieser Trend sich etabliert bleibt ungewiss, aber er bietet Winzern, die bereits seit Jahrzehnten auf diese Weise Orange Wine herstellen, eine Plattform, um ihre Kunst einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

…el emperador

„Kubanische Zigarren“ aus den USA

Während meinem letzten Aufenthalt in den USA stand eines ganz oben auf der To-Do-Liste: Zigarren, welche in Deutschland und Europa nicht erhältlich sind, für das Team von Barrique und Zeder beschaffen. Darunter waren auch einige Romeo y Julietas, Partagas und La Gloria Cubanas. Manch einer mag sich, im Bewusstsein dessen, dass dies kubanische Marken sind und die USA doch ein Handelsembargo gegenüber der Karibikinsel verhängt haben, wundern, wie das möglich sein kann…

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In den USA werden, aufgrund ebendieses Embargos, kubanische Marken, welche der kommunistischen Regierung Kubas gehören, gar nicht erst als solche anerkannt, geschweige denn geschützt, wie es im Rest der Welt der Fall ist. Offen verkauft werden dürfen Zigarren aus Kuba erst recht nicht. So ist es möglich, dass die US-amerikanische General Cigar Company im Jahr 1978 ohne jegliche Markenrechtsprobleme in den USA eine Marke namens Cohiba eintragen konnte(1). Diese hat außer dem Namen nichts mit dem kubanischen „Original“ gemein und fertigt ihre Zigarren in der Dominikanischen Republik. Zwar versuchte die Firma Cubatabaco der kubanischen Regierung der General Cigar Company auf rechtlichem Weg die Nutzung des Namens Cohiba zu verbieten, jedoch erfolglos. Lediglich teilt die General Cigar Company seitdem auf ihren Cohiba-Kisten mit, dass diese nichts mit den gleichnamigen Zigarren der Kubaner gemein haben. Zudem führt die General Cigar Company noch Marken mit den uns allen allzu vertrauten Namen Bolivar, Hoyo de Monterrey, Punch, Partagas, Sancho Panza und La Gloria Cubana(2). Die für diese Zigarren verwendeten Tabakblätter stammen natürlich nicht etwa aus Kuba, sondern z.B. aus der Dominikanischen Republik, Honduras oder Nicaragua.

ryj2Diese Romeo y Julieta wird ebenfalls in der Dominikanischen Republik gefertigt und zwar von der spanischen Altadis SA, welche zum britischen Tabak-Konzern Imperial Tobacco gehört. Allerdings besteht in diesem Fall eine Verbindung zur kubanischen Ursprungsmarke. So wurde ein Teil der Produktion der kubanischen Romeo y Julieta nach dem Tod von José „Pepin“ Rodriguez Fernandez (†1954), dem Mann, der der Marke zu ihrem Welterfolg verhalf, und aufgrund der kubanischen Revolution, welche eine Verstaatlichung der kubanischen Tabakindustrie zur Folge hatte, in die Dominikanische Republik nach La Romana verlagert(3). Dort werden heute die Romeo y Julietas für den US-Markt von der bereits erwähnten Altadis SA hergestellt. Auch hier findet sich kein einziges kubanisches Tabakblatt in den Zigarren. Dafür solche aus den übrigen Ländern, welche für hervorragenden Tabak bekannt sind, wie die Dominikanische Republik, aber auch Nicaragua und Honduras.

Inwieweit sich die ganze Situation aus markenrechtlicher Sicht im Zuge der Lockerung des Embargos, vor allem aber im Falle einer Auflösung des Embargos entwickeln wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

…el rey

Quellen

Asche gut, alles gut?!

Als echter Aficionado sind Zigarren meine große Leidenschaft. Doch wie gut kennt sich ein jeder eigentlich nicht nur mit den verschiedenen Marken, Serien und Geschmackselementen, sondern auch mit den Hintergrundinformationen zu den Zigarren aus, wie z.B. Ernte oder Verarbeitung der Tabakblätter, die entscheidend auf den Rauchverlauf einwirken? Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Thematik, inwieweit eine gute Asche Einfluss auf den Geschmack der Zigarre hat und wie sie überhaupt erst entstehen kann.

Zunächst stellt sich einmal die Frage, worin überhaupt die Funktion der Asche liegt. Um dies gleich vorwegzunehmen – es ist die Regulierung der Brandtemperatur. Je länger die Asche ist, desto weniger Sauerstoff kann zum Brandende der Zigarre gelangen. Die Folge daraus ist, dass die Brandtemperatur absinkt und damit gleichzeitig auch der Rauch gekühlt wird. Das wiederum hat direkten Einfluss auf den Geschmack der Zigarre, da sich die Tabakaromen umso besser entfalten, je niedriger die Brandtemperatur ist. Problematisch in Bezug auf eine perfekte Geschmacksentwicklung ist insbesondere die Tatsache, dass bei fortschreitendem Rauchverlauf, die Brandtemperatur immer weiter steigt und die Zigarre dabei auch spürbar wärmer wird. Das selbe Resultat tritt auch auf, wenn die Zigarre zu schnell und intensiv verraucht wird. Um nun zu verhindern, dass die höhere Temperatur einen negativen Einfluss auf die Aromenentwicklung des Tabaks ausübt, ist es erforderlich, dass die Asche zusehends länger werden muss, um dem entgegenzuwirken. Allerdings ist genau das bei vielen Zigarren gar nicht erst möglich, da die Asche dafür zu flockig und instabil ist. Was die Gründe dafür sind und was alles für eine schöne weiße, feste Asche nötig ist; darauf wird im Folgenden nun eingegangen.

1. Woraus besteht Asche?

Zur Schaffung eines bestmöglichen Verständnisses, sollte man sich erst einmal vergegenwärtigen, woraus Asche überhaupt besteht. Während des Verbrennungsprozesses beim Rauchen der Zigarre werden die organischen, kohlenstoffhaltigen Substanzen vernichtet bzw. umgewandelt. Durch das Verdampfen des im Tabak enthaltenen Wasseranteils, wird Kohlendioxyd freigesetzt. Was nach diesem Verbrennungsprozess noch übrig ist, sind die nichtorganischen Substanzen, die gleichzeitig die Asche darstellen. Sie besteht damit aus den verschiedensten chemischen Stoffen, wie z.B. Kalium, Calcium, Mangan, Silicium, Phosphor und Zink.

2. Nährstoffreicher Boden

Wie gerade dargestellt wurde, ist die Asche nichts weiteres, als das nichtorganische Restprodukt des verbrannten Tabaks. Die Voraussetzung für eine feste, stabile Asche muss damit schon im Tabak selbst enthalten sein. Am entscheidensten für die Asche ist dabei der Stickstoffgehalt bzw. dessen Verbindungen im Boden, in dem die Tabakpflanze wächst. Je höher der Stickstoffanteil ist, desto höher ist auch der Nikotingehalt. Gleichzeitig hat dies auch einen gesteigerten Kaliumanteil, wie er auch in der Asche vorhanden ist, zur Folge, der wiederum eine gute Brandeigenschaft und Elastizität des Tabaks verursacht. Ist dagegen zu wenig Phosphor im Boden enthalten, wird der Tabak später sehr bröselig, da er als eine Art Regulierungssystem dafür zuständig ist zu steuern, welche Substanzen die Tabakpflanze aufnimmt; wie etwa wichtiges Kalium. Eine besonders helle Asche spricht dann für einen hohen Kaliumgehalt, also auch einen hohen Phosphorgehalt, also wiederum für einen stickstoffreichen Boden. Die organischen Substanzen verbennen dabei fast gänzlich und es bleiben kaum schwarze Einlagerungen in der Asche übrig.

3. Rollung

Nachdem wir bis jetzt geklärt haben, woraus Asche besteht und was dafür sorgt, dass sie schön weiß wird, stellt sich jetzt noch die abschließende Frage, was für die notwendige Festigkeit der Asche sorgt. Sie wird letztlich von zwei großen Faktoren beeinflusst. Verwendete Tabakmenge und Rolltechnik. Es gilt der Grundsatz, dass nur aus einer komprimiert gerollten Zigarre eine feste Asche hervorgehen kann. Ist die Zigarre hingegen zu locker gerollt, wird auch die Asche bröselig und hält nicht lange. Aber auch die Art der Rollung ist von entscheidender Bedeutung. Werden die Tabakblätter gerade in den Wickel gelegt, anstatt leicht eingedreht zu werden, führt dies zu einem leichteren Zugwiderstand und einer erhöhten Brandtemperatur, die wiederum einer gleichmäßig festen Asche abträglich ist.

Die obigen Ausführungen beziehen sich dabei auf Longfiller-Zigarren. Medium- und Shortfiller sind prinzipiell nicht dazu geeignet eine feste Asche auszubilden.

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Und wenn alle Faktoren gebündelt vorliegen, schaut das Ergebnis dann so perfekt aus, wie auf diesem Foto der Casa Magna Oscuro Robusto.

…el barón

Abbrandfehler – Arten, Ursachen und was die Zigarrenindustrie dazu sagt

Wer kennt es nicht: man will sich einfach nur entspannt zurücklehnen und seine Zigarre genießen. Doch stattdessen artet das Rauchen in Arbeit aus, weil man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, den fehlerhaften Abbrand der Zigarre zu korrigieren. Dieser Beitrag stellt kurz die verschiedenen Arten von Abbrandfehlern vor, deren Ursachen und geht darüberhinaus darauf ein, inwieweit solche Fehler laut eigenen Angaben der Zigarrenindustrie gar nicht auftreten sollten. Vorab empfehle ich an dieser Stelle zunächst den Artikel „Eine Frage des guten Geschmacks“ zu lesen, des besseren Verständnisses wegen. Dass es überhaupt zu einem ungleichmäßigen Abbrand kommen kann, liegt daran, dass die verschiedenen, für eine Zigarre verwendeten, Tabakblätter (Volada, Seco, Viso und Ligero) unterschiedlich gut und schnell abbrennen. Im Kern der Zigarre ist die Brenntemperatur am höchsten. Je weiter man sich von diesem Punkt entfernt, desto mehr flacht die Temperatur ab. Aus diesem Grund werden die Tabakblätter entsprechend ihrer Brandannahme geschichtet. Im Innersten der Zigarre liegen Ligero-Blätter, welche besonders dick und stabil sind und deswegen auch am schlechtesten abbrennen. Darüber werden dann die Seco- und Viso-Blätter eingearbeitet. Ganz außen liegen die Volado-Blätter, die wegen ihrer mineralischen Zusammensetzung ganz besonders gut brennen. Sind die Tabakblätter dann während des Rollvorgangs nicht in der richtigen Position oder Reihenfolge, entstehen Abbrandfehler

Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Abbrandfehler:

1. Schiefbrand:

Beim Schiefbrand brennt die Zigarre einseitig ab. Ursache dafür ist ein Fehler des Rollers. Dieser liegt darin, dass er beim Herstellen des Wickels die schlecht brennenden Ligero-Tabakblätter nicht genau im Zentrum der Zigarre positioniert hat. Der Schiefbrand ist umso stärker, je weiter außen die Ligero-Blätter liegen, da an dieser Stelle dann die Zigarre langsamer abbrennt.

2. Kraterbrand:

Der Kraterbrand, in den Reviews von uns auch als Tunnelbrand bezeichnet, stellt einen Zustand dar, bei dem das Brandende der Zigarre keinen Kegel bildet, sondern nach innen, hin zum Zentrum der Zigarre gerichtet ist. Dieser Abbrandfehler beruht auf einem groben Schnitzer des Rollers. Er hat sich dann nämlich vergriffen und als mittleres Blatt den Voladotabak verwendet und als äußeres den schlecht brennenden Ligerotabak.

3. Kegelkraterbrand:

Ein Kegelkraterbrand muss nicht unbedingt ein Rollfehler sein. Wird als Deckblatt und Umblatt ein Seco statt Volado verwendet, brennt die Zigarre zwar im Zentrum korrekt als Kegel ab, nach außen entsteht aber ein Überstand.

Es gibt also eine Menge an möglichen Ursachen, die einem das Rauchvergnügen vermiesen. Nur in den seltensten Fällen liegt es am eigenen Verschulden, etwa dem falschen Anfeuern oder einer schlechten Lagerung. Da stellt sich einem schon die Frage, wie so etwas passieren kann. Zahlt man doch immerhin zum Teil ganz erhebliche Summen für eine Zigarre. Laut Zigarrenindustrie kann das eigentlich auch nicht passieren.

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Stichpunkt Qualitätskontrolle:

Jede namhafte Tabacalera führt laut eigenen Angaben eine strenge Qualitätskontrolle durch. Diese setzt schon bei der Herstellung der Zigarren, in Form einer Überwachung der Roller, an. Sind die Zigarren dann zu Bündeln verschnürt, werden sie in eine eigene Abteilung für Qualitätskontrolle gebracht. Dort prüfen extra Techniker die Zigarren auf Form, Länge, Konsistenz, richtige Herstellung und äußeres Erscheinungsbild. Dabei werden auch in Form von Stichproben Zigarren wieder geöffnet und der Innenaufbau überprüft. Darüberhinaus verrauchen sie selbst mehrere Exemplare, auch um den Abbrand zu checken. Seit Ende 2001 ist auch noch eine Zugwiderstandsmaschine im Einsatz, die dazu dient, den Rauchkanal der Zigarre zu überprüfen. Bei so viel angeblicher Kontrolle stellt sich mir dann aber die Frage, wieso selbst bei Premium-Zigarren so häufig Abbrandfehler auftreten. Vor allem bei den Kubanischen. Beweihräuchern sich deren Hersteller doch immer damit, dass sie die besten Torcedores (Roller) haben.

Fazit: Wie hoch die Qualitätskontrolle in Wahrheit ist, wissen wohl nur die Hersteller selbst. Ich selbst bezweifle ihre Angaben. Sonst würden schlicht nicht so viele falsch gerollte Zigarren im Umlauf sein und uns allen das Leben schwer machen.

…el barón

Eine Frage des guten Geschmacks

In diesem Artikel wird in Grundzügen darauf eingegangen, welche Faktoren alles Auswirkung auf den Geschmack der für die Zigarren verwendeten Tabake haben. Dabei ist im Folgenden insbesondere auf drei große Kategorien einzugehen:

1. Einfluss des Klimas:

Nicht nur die Qualität, sondern auch den Geschmack des Tabaks vermag das Klima zu beeinflussen. Eine zu hohe Niederschlagsmenge hat gleich drei Negativa zur Folge. Eine davon ist, dass der Tabak ausgewaschen wird, mit der Konsequenz von sehr dünnen Blättern, die eine geringere Aromenintensität aufweisen. Desweiteren wird die Tabakpflanze anfälliger für Pilzerkrankungen und ihre Blätter bekommen Flecken. Auch im weiteren Verarbeitungsprozess wird die Schaffung optimaler Lagerbedingungen erschwert, da durch den erhöhten Feuchtigkeitsanteil kaum eine gleichmäßige Abtrocknung der Blätter gewährleistet werden kann.

Ist das Klima während der Wachstumsperiode hingegen zu trocken, führt das dazu, dass die Tabakpflanze, mangels ausreichender Wasserzufuhr, kleinere, aber auch kräftigere Blätter bildet. Dadurch ist es oftmals nicht möglich die erforderliche Erntemenge zu erzielen. Darüber hinaus kann es während des Trocknungsprozesses nötig werden, Feuchtigkeit extern zuzuführen, um eine gleichmäßige Abtrocknung sicherzustellen. Denn erfolgt diese zu schnell, wirkt sich das negativ auf die Qualität aus und erschwert auch die nachfolgende Fermentation.

 

2. Einfluss der Blattposition:

Grundsätzlich ist bei einer Tabakpflanze zwischen vier, für die Zigarrenherstellung relevanten, Blattstufen zu unterscheiden. Sie heißen von unten nach oben: Volado, Seco, Viso und Ligero. In eben dieser Reihenfolge werden diese auch in zeitlicher Hinsicht geerntet.

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Je tiefer das Blatt an der Pflanze wächst, desto feiner und dünner ist es. Durch die erhöhte Sonneneinstrahlung entwickeln sich die oberen Blätter geschmacklich deutlich kräftiger. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie durch das Mehr an UV-Licht einen höheren Nikotingehalt aufweisen und auch intensivere Aromen ausgebildet haben. Aber nicht nur in puncto Stärke macht die Blattposition einen Unterschied. Auch das Brandverhalten wird von ihr beeinflusst und ist bei den unteren Blättern spürbar besser. Geschuldet ist das dem Umstand, dass die Blätter dünner sind und dadurch gleichmäßiger abbrennen.

 

3. Einfluss der Fermentation:

Die Fermentation als solche stellt eine Fortsetzung der Abbauprozesse dar, die mit der Reife des Blattes beginnen und während der Trocknung weitergehen. Abgebaut werden unerwünschte Substanzen wie gewisse Eiweissstoffe und Pflanzenschutzmittelreste. Im Laufe dieses Prozesses wechselt die Farbe des Tabakblattes von Grün zu Braun, was an dem Chlorophyll-Schwund liegt. Auch wird der Nikotingehalt verringert. Gleichzeitig werden Würze und Aromen freigesetzt sowie die in den Blättern befindliche Stärke in Zucker umgewandelt. Je nach Art des Tabaks variiert auch der spezielle Fermentationsvorgang. Einem jeden Aficionado dürfte auch aufgefallen sein, dass je länger und schonender die Tabakblätter gelagert und fermentiert wurden, der Geschmack umso runder und aromatischer wird.

Alles in allem gibt es also jede Menge Faktoren, die Einfluss auf den Tabakgeschmack haben. Da wundert es dann auch nicht, wenn verschiedene Jahrgänge ein und desselben Zigarrenherstellers, sogar der selben Serie geschmacklich differieren.

…el barón

 

Retro-Haling

Es dürfte jedem aus eigener Erfahrung bekannt sein, dass während einer Krankheit das Geschmacksempfinden stark leidet. Das liegt daran, dass man nicht nur mit dem Mund bzw. der Zunge schmeckt, sondern auch mit der Nase Aromen aufnimmt. In der Tat entstehen rund 90% der Sinneseindrücke während einem Essen nicht auf der Zunge, sondern stammen von Geruchssignalen(1). Da ergibt es Sinn, dass auch beim Genießen einer Zigarre die Nase miteinbezogen werden sollte. Dies sollte sich nicht nur auf das Riechen an der kalten Zigarre beschränken.

Hierfür eignet sich eine Technik namens Retro-Haling. Dabei wird der Rauch bzw. ein Teil des Rauches, der sich im der Mundhöhle befindet, über die Nase ausgeblasen und nicht wie üblich über den Mund. So ist es möglich eine Vielzahl von zusätzlichen und oft feineren Aromen wahrzunehmen, welche einem sonst verborgen blieben.

Während ein Zigarettenraucher nur durch die Nase ausatmen muss, um den Rauch über die Nase auszublasen, gestaltet sich dies für einen nicht inhalierenden Zigarrengenießer schon etwas schwieriger. Mit etwas Übung ist es jedoch problemlos zu erlernen: Man füllt den Mund wie üblich mit Rauch und atmet dabei über die Nase ein. Nun hält man den Mund geschlossen und verdrängt den Rauch im Mundraum durch Anheben der Zunge in Richtung hinterer Gaumen. Dabei atmet man über die Nase aus. Da die Zunge den Rauch aus dem Mund verdrängt und die Luft aus den Lungen zusätzlich „von unten“ entgegenströmt, bleibt dem Rauch nichts anderes übrig als zusammen mit der Luft durch die Nase ausgeblasen zu werden.

Wichtig ist, dass man sich von einem eventuellen Brennen während der ersten Versuche nicht verschrecken lässt. Man muss natürlich nicht den gesamten im Mund befindlichen Rauch über die Nase ausblasen und das Retro-Haling auch nicht bei jedem Zug anwenden. Selbstverständlich ist es nicht verwerflich ganz auf das Retro-Haling zu verzichten, doch für ein neues und tiefergehendes Raucherlebnis sollte es jeder Zigarrengenießer einmal ausprobieren.

…el rey

Quellen

Das Schweigen der Blätter

>>Das Schweigen der Blätter<<

oder

>>wie die Zigarrenindustrie Fragezeichen auf den Feldern sät und „Qualität“ erntet<<

 Die Zigarre. Ausdruck von Stil, Klasse und dem nötigen Kleingeld. Ein Statussymbol. Aber auch ein vielschichtiges Genussmittel, das unabhängig von dem Namen auf seiner Bauchbinde, dem Raucher ein Lächeln in das Gesicht zaubert. Aber was wissen wir eigentlich über diesen Packen getrockneter, zusammengerollter Tabakblätter? Ihr Herkunftsland? Der Anteil von Ligero- und Seco-Blättern? Und was noch? Unabhängige Qualitätskontrollen? Ernte- und Jahrgangsberichte? Eine Qualitätsgarantie? Geht es um diese Bereiche wirkt die Zigarrenindustrie undurchsichtig und verschlossen. Zusätzlich dazu zeigt sich auch, dass viel zu oft blind konsumiert wird und möglicher Schiefbrand, Zugprobleme, geschmackliche Totalausfälle mit Begriffen „Montagsexemplar“ gerechtfertigt werden.

Der Grund verbirgt sich jedoch meist im Inneren. Aber wer zerschneidet schon seine Cohiba auf der Suche nach dem Zugproblem? Bryan Glynn, bekannt aus seinem „Cigarobsession“ Projekt auf Youtube, hat jüngst eine Padron 1964 zerschnitten und festgestellt, dass wohl nicht alles Gold ist was glänzt. So fanden sich in der vermeintlichen Premiumzigarre aus Nicaragua Blätter von denen einigen sogar noch ihren Strunk behalten durften. Ob das Verarbeiten von Blättern mit Strunk den Abbrand positiv beeinflusst, ein Zigarrenroller es vielleicht nicht übers Herz brachte Strunk und Blatt voneinander zu trennen oder es sich schlicht um mangelnde Qualität handelt, ist nur schwer festzustellen. Die im selben Beitrag sezierte Zigarre der Opus X Linie bestand nur aus Blättern und ist nicht gerade für Schiefbrand bekannt. Ob es sich nun bei der Padron 1964 um ein dem Abbrand dienliche Maßnahme handelt den Strunk mit zu verarbeiten oder um Qualitätsmangel bleibt jedem selbst überlassen.

Aber was sind ein paar Blätter mit Strunk gegen den Skandal um die absolute Premium Marke Laura Chavin. 1992 hat Helmut Bührle seine Zigarrenfirma mit dem Markennamen Laura Chavin gegründet. 1999 folgte die Linie Laura Chavin. Die Premiummarke etablierte sich schnell, mit gezielter Werbung und einer fast märchenhaften Entstehungsgeschichte. Eine weitere Linie der Marke war die Terre de Mythe. Um sie rankte sich ausnahmsweise, fernab von Namenswerbung, wirklich ein Mythos der 2006 im Zuge einer Klage der Intertabac aufgeklärt wurde. So sollte diese Linie kubanischen Tabak aus relativ reinem Havanna Saatgut enthalten, welcher auf Kuba in einer geheimen Plantage gepflanzt wurde und dann weiter in die Dominikanische Republik zur Verarbeitung verschifft wird. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Zigarren weder besonders reinen Kubatabak enthielten, geschweige überhaupt kubanischen Tabak! Die Klage wurde mit einem Vergleich zwischen beiden Parteien beendet, in dessen Zuge die Terra de Mythe nicht mehr in der Schweiz zum Verkauf angeboten wurde.

In einem 2005 erschienen Artikel in „Die Welt“ von Hans Bewersdorff wurde massive Kritik an der Marke Laura Chavin geäußert. Laut Bewersdorff befinden sich in der Einlage der Basic-Linie Piloto Cubano und Olor Tabak. Olor ist den meisten als typischer leichter DomRep Tabak bekannt. Aber Olor ist kein tiefgründiger Tabak, der sich zur Langzeitlagerung empfiehlt, geschweige dadurch ein besonderes Aroma entwickelt. Ob es sich bei diesem Artikel nur um einen Aficionado, der sich mit Halbwissen und Kritik Gehör verschaffen wollte, oder endlich mal ein Zigarrenkenner die Wahrheit ausgesprochen hat, bleibt ebenfalls offen. Fakt ist, behält Bewersdorff Recht mit seinen Aussagen, so ist ein Großteil der vermeintlichen Aficionados, die in der Zigarre mehr den Preis schmecken als den wirklichen Inhalt, debütiert.

Dieser kurze Aufschrei zählt leider eher zu den Ausnahmen. In den einschlägigen „Fachzeitschriften“ findet sich kein Funke von Kritik. Es wird nur immer wieder aufs Neue die Zigarrenwelt glorifiziert, neue Produkte vorgestellt und der Eindruck vermittelt alles hier ist bekömmlich, glänzt und riecht am besten nach kubanischem Tabak. Auskünfte über die Anbaubedingungen vor Ort, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, genetisch veränderte Tabakpflanzen, schlechte Ernten, die Bezahlung und Lebensverhältnisse der Arbeiter auf den Plantagen oder in den Fabriken sucht man vergebens. Konfrontiert man das vermeintliche Fachpersonal in den größeren, exklusiven Zigarrenverkaufsstellen so stößt man meist auf Unverständnis für sein Anliegen. So bekommt man aufschlussreiche Antworten wie:“ Das sind absolute Spitzenprodukte. Mit denen stimmt alles!“ oder „Das ist ein Naturprodukt!“. Solche Antworten zeigen einerseits, dass jeder Ansatz von Kritik am braunen Gold nicht erwünscht ist und andererseits, dass ein Großteil der Raucher wohl weiterhin blind konsumiert und über den eindeutig „kubanischen“ Geschmack seiner Terre de Mythe philosophieren will. Das Themen wie chemiefreier Tabakanbau nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt einer der ganz großen im Geschäft.

Nestor Plasencia gehört zu den ersten Tabakproduzenten die biologischen Anbau, also frei von Pestiziden, Insektiziden oder synthetischen Düngern, praktizieren. Es wird ausschließlich mit dem gedüngt, was die Natur auf natürlichem Wege hergibt (Beispielsweise: Mist oder Maisschrott). Plasencia hat seine Bio-Linie Plasencia Organica getauft und verwendet bei deren Herstellung ausschließlich biologisch angebauten und zertifizierten Tabak. Wenn nun Plasencia zu den Ersten gehört, die Bio-Tabak anbauen, was benutzen die übrigen Produzenten und was davon landet danach in Form von Rauch in unseren Mund und Atemwegen?

e43996f4ef05ec03d85eda0dc18e4d5cv2_max_337x253_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2Exkurs: Chemieeinsatz in der AgrarwirtschaftPesticides Spain

 

Die oberste Gruppe der Schädlingsbekämpfungsmittel stellen die Pestizide dar. Diese unterteilen sich weiter in Insektizide, Herbizide, Fungizide oder allgemein Biozide, eben je nach Ziel- bzw. Angriffsgruppe. Sie alle dienen einem Zweck: dem Töten von unerwünschten Lebewesen, seien es Motten, Pilze, Ratten, Unkraut oder die Tabaklaus. Die eingesetzten Mittel sind anfangs eine Erleichterung für die Agrarwirte. Sie halten meistens was sie versprechen und es kann eine unbeschadete Ernte eingefahren werden, wodurch das Einkommen des Agrarwirts als auch unsere Konsumgüter gesichert werden. Aber in diesem Fall hat der (Agrar)Wirt die Rechnung nicht mit dem Boden gemacht. Die eingesetzten Chemikalien (Bifenthrin, Dichlordiphenyltrichlorethan kurz: DDT, Parathion etc ) lagern sich im Boden und Grundwasser der behandelten Anbaufläche ab und werden somit von der Pflanze teilweise aufgenommen. Irgendwann ist der Boden so hochgradig kontaminiert, dass er als Sondermüll deklariert abgetragen werden muss.

Auch auf den Pflanzen kommt es zu Ablagerungen, da sich die Chemikalien aufgrund mangelnder Wasserlöslichkeit auch nicht vom Regen abwaschen lassen und so auch ihren Weg in den Organismus des Endverbrauchers Mensch finden. An diesem Punkt kommt der Zigarrenraucher ins Spiel. Der Tabak wird während seinem Werdegang mit Hilfe von Herbiziden vor Unkraut und mit Insektiziden vor Krabbeltieren, welche die kostbaren Blätter zerfressen, geschützt. Nach der Ernte wird der Tabak teilweise nochmal behandelt, um den gefürchteten Tabakkäfer zu vernichten. Dabei kommt der Wirkstoff Monophosphan zum Einsatz, der hochgiftig und auch für den Menschen lebensgefährlich ist. In wie weit die eingesetzten Mittel im Endprodukt, der Zigarre, vorhanden sind, ist nicht bekannt. Studien hierzu waren nicht zu finden. Lediglich aus anderen Bereichen des Rauchkonsums gibt es bekannte Studien, die aufzeigen, wie gefährlich es ist behandelte Pflanzenprodukte zu rauchen, da beim Verbrennungsprozess neue, ebenfalls gefährliche Stoffe entstehen können.

So viel zum Thema Chemie. Ob und wieviel davon bei der Tabakproduktion eingesetzt wird ist nicht bekannt. Bedenklich bleibt aber zumindest der Fakt, dass so gut wie keine Zigarrenmarke biologisch zertifizierten Tabak ausweisen kann beziehungsweise Nestor Plasencia zu den ersten Pionieren auf diesem Gebiet gehört. Dass ein Zertifikat letztlich auch nicht 100% Sicherheit bieten kann, wissen wir seit dem Bio-Eier-Dioxin-Skandal, aber es würde zumindest etwas mehr Transparenz in einen Bereich bringen ,der einer Blackbox gleicht.

Um nicht nur (konstruktive) Kritik zu äußern, versucht das Barriqueundzeder-Team seinen aktiven Teil zu diesem schwierigen Thema bei zu steuern. In diesem Fall haben wir eine Opus X seziert, um ihre verborgenen, inneren Werte kennen zu lernen.

Das Bild zeigt von der rechten Seite beginnend das Deckblatt, gefolgt von dem Umblatt und den übrigen Einlagen.IMG-20140624-WA0003

 

 

 

 

 

 

Die Tabakblätter waren alle ausnahmslos robust, sehr dehnbar und definitiv ganze Blätter (Longfiller). Das Aroma der innersten Einlage war schlichtweg überwältigend!

So zeigt sich, dass es trotz aller Kritik dennoch Qualität gibt, wobei sie in diesem Fall auch ihren Preis hat. Man sollte sich also nicht einschüchtern lassen, sondern weiter munter probieren, genießen und notfalls von seiner Macht als Konsument Gebrauch machen. Bis auch die letzten Montagsexemplare verschwunden sind und dem eigentlich Genuss und der Entspannung nichts mehr im Wege steht.

… el emperador

 

 

Grundaromen

Klar, der Genuss einer Zigarre setzt sich aus vielen Komponenten zusammen. Es beginnt beim Öffnen des Humidors, gefolgt vom Aussuchen der für die Gelegenheit passenden Zigarre, dem Riechen an der selbigen. Auch das Anschneiden und das Toasten, welches erste Rauchschwaden mit ihren Aromen freisetzt, sind herrliche Momente. Das Entscheidende eines jeden Smokes ist und bleibt aber ganz klar der Geschmack der Zigarre. Und genau hier stehen viele, vor allem unerfahrene, Zigarrenraucher durchaus vor Problemen. Natürlich nimmt ein jeder den Geschmack des Rauchs wahr, doch viele können die Aromenkomplexität und das breite Spektrum an Geschmacksnoten, wie es einem oft in Tastings schmackhaft gemacht wird, nicht wahrnehmen. Oft nimmt man Geschmäcker wahr, kann sie aber nur sehr schwer einordnen. Hier hilft es oft schon ein „Tasting-Cheat-Sheet“ parat zu haben. Hierauf notiert man sich zuvor die Grundaromen, die eine Zigarre enthalten kann, um sich so während des Rauchens auf die Sprünge zu helfen. Diese Grundaromen sind:

Erdige Aromen

(feuchte) Erde – Humus – Moos – Pilze

Holzige Aromen

Zeder – Eiche – Süßholz – Harz

Röstaromen

(dunkle) Schokolade – Kakao – Kaffee – Karamell – geröstetes Brot

Animalische Aromen

Leder – Stall – Moschus – Schaf

Fruchtige Aromen

Nüsse – Honig – tropische Früchte (Kokos, Mango, Papaya, Lychees)

Pflanzliche und herbale Aromen

Heu – Stroh – Gras

Würzige Aromen

Pfeffer – Vanille – Muskat – Zimt – Paprika

Macht man sich diese Aromen während des Smokes bewusst, kann es einem durchaus leichter fallen die Aromen der Zigarre, die man gerade genießt, zu differenzieren und definieren.

…el rey