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Klaus Peter Keller Feuervogel Silvaner 2013

2013 war kein „großer Jahrgang“, aber ein sehr interessanter. Gerade nach ein paar Jahren zeigen die größeren Weine, welches Potential in ihnen steckt. Dieser Feuervogel Silvaner von Klaus Peter Keller ist ein gutes Beispiel dafür und fasziniert durch seine Komplexität und Ambivalenz.

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Beim Öffnen ein intensives Aroma von reifem Silvaner mit ausgeprägten Nuancen von Bienenwachs und trockenen Aprikosen. Auf den ersten Schluck kommt er klar und präzise mit einem dichten Aromenspektrum und einer extrem frischen, knackigen Säure, die sich erst im Abgang richtig zu erkennen gibt. Erinnert an das Frucht-Säure-Spiel wie man es von einer reifen Maracuja kennt, bei der Kerne und Fruchtfleisch zusammen gegessen werden.

Beim zweiten Schluck merkt man trotz des tollen ersten Eindrucks, dass dieser Wein noch sehr in sich gekehrt ist und sein großes Potential verschlossen hält. Nach ein paar Stunden an der Luft öffnet sich der Silvaner immer mehr. Die anfänglichen reifen Aromen sind fast verflogen und man merkt, dass dieser Wein noch mitten in seiner Jugend ist. Neben den Fruchtaromen und der Säure ist da noch etwas. Mineralität kommt einem in den Sinn. Was auch immer es ist, es verleiht diesem großen Silvaner eine Signatur. Auch am dritten Tag immer noch ein Wein von Statur.

Faszinierender Stoff, der unter seiner reifen Hülle seinen jugendlichen Charakter versteckt. Ambivalenz, die im Gedächtnis bleibt. Ein wenig Zeit im Keller wird zeigen, wie viel Potential wirklich in ihm steckt.

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Von Winning Forster Ungeheuer 500 Riesling 2011

Ein sehr eigener, aber auch spannender Stil wird bei diesem Wein verfolgt. Riesling spontan vergoren, mit langem Kontakt auf der Vollhefe und ausgebaut im Barrique. Aber kein Weißwein, der durch seine Machart dominiert wird. Die Reben wachsen auf der großen Lage Forster Ungeheuer, welche durch ihre Vielfalt an Bodentypen eine besondere Charakterprägung im Wein hinterlässt. Das Terroir wird hier schön integriert und gibt ihm ein stabiles Fundament mit auf den Weg.

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Die Aromen sind schwer zu fassen und reichen vom typischen Riesling Geschmack bis hin zu diversen exotischen Früchten. Aber kein Obstsalat wie bei den Großen Gewächsen von Horst Sauer, sondern noch versehen mit einer knackigen Mineralität. Cremig und spritzig zu gleich. Ein sehr eigenständiger Riesling, der neue Wege aufzeigt und den ein oder anderen „Riesling-Traditionalisten“ fordert. Sollte je nach Jahrgang in 3-6 Jahren getrunken werden. Dieser Forster Ungeheuer Riesling 2011 hat schon am Horizont ein wenig Ermüdungserscheinungen aufblitzen lassen.

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Château du Cleray Muscadet-Sèvre-et-Maine Sur-lie 2012

Muscadet ist eine Appellation an der Loire in Frankreich. Sie ist berühmt für ihre sehr trockenen, mineralischen Weißweine. Den Namen Muscadet dürfen nur Weißweine tragen, die innerhalb der Appellation aus der dort angebauten Rebsorte Melon de Bourgogne erzeugt werden. In Muscadet ist das Terroir teilweise sehr unterschiedlich und damit auch die Möglichkeiten, Wein mit entsprechendem Charakter hervor zu bringen.

Der Zusatz „Sèvre-et-Maine“ ordnet den Wein einer Extra-Appellation (davon gibt es vier) innerhalb des Muscadet Gebietes zu. In diesem Fall: Muscadet-Sèvre-et-Maine. Der Begriff „Sur-lie“ bedeutet in etwa „von der Hefe“ und weist auf die Art der Weinerzeugung hin. Dabei ist vorgeschrieben, dass der Wein mindestens bis zum 1. März des Jahres nach der Lese auf der Feinhefe ruhen muss. Die Summe all dieser Faktoren bringt einen sehr faszinierenden und eigenständigen Wein hervor. In der Regel sollte Muscadet sehr jung getrunken werden, um die volle Portion animierende Frische zu genießen. Dass es Ausnahmen gibt, bestätigt dieser Muscadet-Sèvre-et-Maine Sur-lie aus dem Jahrgang 2012 vom Château du Cleray.

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Er riecht frisch und grün. Man erwartet einen fruchtigen Wein, aber im Mund angekommen ist es schwer zu fassen, was hier getrunken wird. Eine vordergründige, animierende Säure kleidet den ganzen Mund aus. Noten von frisch aufgeschnittenem Apfel und geriebener Lemonenschale strömen aus dem Glas. Crispy, salzig, trocken und belebend. Ein leichter Wein, hervorragend zu Fisch und Muscheln aller Art. Aber auch ein angenehm leichter, knackiger Durstlöscher im Sommer. Hält sich gut ein paar Tage offen im Kühlschrank ohne Frische einzubüßen. Mit über fünf Jahren auf der Flasche steht dieser Muscadet immer noch wie am ersten Tag. Er verträgt also entgegen der Empfehlungen gut ein paar Jahre Lagerung.

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Suavia „Le Rive“ 2011

Tiefgelbe Farbe mit den sehr reifen Aromen einer Spätlese. Süßliche Aromen von frischen Kumquats, trockenen Datteln und etwas Waldhonig. Breit auf der Zunge und mit Textur im Mund, aber nicht sperrig, sondern die angenehme, konzentrierte Frucht der Garganega Traube. Beweist Länge am Gaumen und hat auch passende, wenn auch sehr zurückhaltende Säure für die Reifung. 3-7 Jahre verträgt der Wein je nach Gusto gut auf der Flasche. Die über 7g/l Restzucker stehen ihm nicht schlecht und lassen ihn zu einem passenden Begleiter für die asiatische Küche avancieren.

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Ein Weißwein, der auch locker solo, ohne Essensbegleitung auf der Couch getrunken werden kann. Das Weingut Suavia beschreibt ihn unter anderem als einen „Meditations-Wein“ für die gemütlichen Zeiten des Jahres.

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Querbach „Milestone“ Oestrich-Doosberg 2011

Das Weingut Querbach aus dem Rheingau steuert entgegen aller Trends. Im Weinberg wird nachhaltig gearbeitet. Durch gezielte Humuswirtschaft werden die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Spontanvergärung durch die Hefen aus Weinberg und Keller geschaffen. Die Maischestandzeit ist auch etwas länger als bei vielen anderen Winzern. Dadurch bekommt der Wein etwas mehr Phenole aus der Beerenschale und wird dadurch reicher an Aromen. Bei der Serie „sur lie“ wird der Riesling mit einem extra langen Kontakt auf der Hefe (sur lie) gesegnet und erhält dadurch einen einzigartigen, würzig-vollmundigen Charakter.

Der Wein kommt auf den Markt, wenn er reif ist. Da können schon mal ein paar Jahre vergehen. Als Verschluss dient kein Kork, sondern ein simpler Kronenverschluss, auch Stainless Cap gennant. Für viele gehört Wein und Korken einfach zusammen. Für viele ist dieses Duo eine Garantie für qualitative, stetige Reifung auf der Flasche. Querbach zeigt, dass es auch anders geht. Seine über 10 Jahre gereiften Riesling Editionen, mit Stainless Cap versehen, untermauern diese Philosophie. Sie schmecken unglaublich frisch, jung und stehen für nachhaltigen Weingenuss.

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Der hier verkostete „Milestone“ 2011 gehört zur Speerspitze des Sortiments. Mundwässernder Riesling mit Creme und Textur. Keine Kanten, aber nicht langweilig, sondern crispy, würzig und mit enormer Länge am Gaumen. Gekonnte Spontanvergärung durch die „wilden Hefen“ im Keller garantieren charaktervolle, stabile Reifung über viele Jahre. Ein unbeschreiblich ehrlicher Wein. Die Säure ist etwas weniger präsent als die der Weine von Peter Jakob-Kühn aus der gleichen Lage: Oestrich-Doosberg. Zum Essen ein grandioser Begleiter: Gauda-Boxhornkleekäse-Basilikum! Ein kleines Geschmackskonzert zum Preis einer Groschenoper.

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Heymann Löwenstein Uhlen Laubach L GG 2011

Mosel, das ist in erster Linie Schieferboden und Riesling. Die Lage „Uhlen Laubach“ an der Mosel bietet unterschiedlichste und einzigartige Bodenzusammensetzungen auf kleinem Raum. Dieser Wein will seinen Herkunftscharakter unterstreichen. Kalkhaltiger Schieferboden prägt diese als Große Lage ausgewiesene Parzelle. Die Moselsteillagen verlangen ihren Winzern viel ab, belohnen die Arbeit aber mit unverwechselbaren Weinen.

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Bei diesem Großen Gewächs ist neben den reifen Rieslingnoten von Bienenwachs und Honig sofort die typische Schiefernote präsent. Cremige Textur im Mund, die durch den etwas höher ausgefallenen Restzucker ein wenig dick und gefällig wirkt. Aber über Restzucker und „knochentrocken“ lässt sich streiten. Viel Länge am Gaumen und eine harmonische Säure begeistern dennoch. In den kommenden Stunden entfaltet sich dieser Riesling immer weiter und es kommen deutliche Aromen von Datteln und Honigmelone hinzu.

Im Riesling-Dschungel an der Mosel ist es schwierig den Wein vor lauter Reben zu sehen. Dieser Riesling hier bietet Eigenständigkeit und eine Abwechslung zu dem manchmal etwas in Tradition eingefrorenen Geschmacksprofil an der Mosel. Kein Muss, aber einen Versuch wert.

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Mas Jullien Rosé 2013

Die Weine von Olivier Jullien aus dem Languedoc entsprechen nicht dem aktuellen Zeitgeist. Sie sind jung getrunken kaum zugänglich, aber nicht weil sie dick und überladen sind. Man muss diesen urwüchsigen Naturweinen nur etwas Zeit geben, sich zu entwickeln. Sie erinnern daran, dass Wein „lebendig“ ist und kein steriles Industrieprodukt. Aber nicht zu verwechseln mit so manchem Naturwein, der nur noch nach den wilden Hefen einer stockenden Spontanvergärung riecht. Sauberer Wein mit Terroirprägung und elegantem Charakter.

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Wenig Frucht dafür viel Faszination. Dieser Rosé packt zu und zeigt Gerbstoffe. Er sollte ein wenig Zeit auf der Flasche liegen, damit die Gerbstoffe ein wenig abschmelzen und der Wein seine stoffige Struktur offenbart. Ein wenig wilde Kräuter, ein bisschen animierende Säure und irgendwie genau richtig. Rosé mit Tiefgang als Begleiter für Tapas und mediterrane Küche.

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Danjou Banessy Supernova 2015

Die Rebsorte Muscat d´Alexandrie aus dem Roussillon kommt hier nicht als Süßwein zum Einsatz, sondern als knochentrockener Orange Wine. In der Nase überwiegen Noten von getrockneten Früchten wie Aprikosen und einem intensiven Muskateller Aroma. Kräftiges Orange in der Farbe, aber nicht eingetrübt wie unfiltrierter Apfelsaft, sondern relativ klar.

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10,5 % Alkohol machen diesen Wein trotz der spürbaren Phenole zu seinem sehr leichten Wein, der einfach läuft, aber bei jedem Schluck überrascht. Wie kann etwas so schwer im Duft und doch so leicht im Mundgefühl sein? Die phenolische Struktur, die durch die Maischegärung entsteht, packt anfangs leicht adstringierend auf der Zunge zu. Verschreckt vielleicht den ein oder anderen Weißweintrinker, aber macht diesen Orange Wine zu einem passenden Begleiter für die Asia-Küche.

In Anbetracht der anspruchsvollen Herstellung von Weinen mit Maischegärung ist der Preis erfreulich und angemessen. Es wird kerngesundes Lesegut benötigt, da bereits eine „kaputte“ Traube während ihrem Stand auf der Maische den zukünftigen Wein ungenießbar machen kann.

Kein dicker Orange Wine, der schwer im Glas liegt und bei dem der Genießer nach einem Glas „satt“ ist. Erfrischend neu und anders. Leider lässt er ein wenig die zupackende Länge im Mund vermissen.

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Horst Sauer Eschendorf am Lumpen Silvaner Großes Gewächs 2013

Über die Weine von Horst Sauer wird viel diskutiert. Manchen sind sie zu laut, zu fränkisch, zu simpel und andere sehen in ihnen einen Referenzwert für Franken. Fakt ist, diese Weine haben innerhalb kürzester Zeit den Markt erobert und für Furore gesorgt. Aber am besten selbst ein Bild davon machen.

Dieser Silvaner stammt von der steilen Lage Eschendorf am Lumpen und von über 50 Jahre alten Reben. Von der Flasche direkt ins Glas – ohne Umweg über die Karaffe – und der Wein offenbart sich sofort von seiner expressiven Seite: Exotische Früchte, frische Birne und etwas grasig. Cremig-gefällig im Mundgefühl, aber gepaart mit Silvaner-typischer Rasse.

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Minütlich formieren sich die Aromen neu und werden immer präziser. Man kann kaum glauben, dass dieser Wein spontan vergoren ist und ohne Reinzuchthefen oder ähnliches auskommt. Aber es sind nicht nur simple Primäraromen, die hier begeistern. Dieser Silvaner gibt einfach ein sehr rundes Gesamtbild ab und schmeckt so gar nicht nach bäuerlichem, fränkischen Silvaner.

Dieser Wein bringt gehobenen Trinkspaß und zaubert Lugana-Trinkern sowie fortgeschrittenen Weinfans ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Mal sehen, wie er sich in den nächsten Jahren entwickelt.

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Meursault Antoine Jobard 2010

Chablis kennt jeder. Meursault ist da schon weniger geläufig. Der Ort liegt inmitten der Côte de Beaune im Burgund. Zugelassen sind dort rote und weiße Rebsorten. Berühmt ist die Appellation vor allem für seinen exzellenten Chardonnay.

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Dieser Meursault stammt von dem Winzer Antoine Jobard und findet nun nach knapp 6 Jahren seinen Weg ins Glas. Goldgelb schimmert er und verströmt einen präzisen Geruch nach Cantaloupe-Melone, Ananas, Kräutern und Nüßen. Der ein oder andere am Tisch bemerkt leichte Petrol-Noten. Möglicherweise dem fortgeschrittenen Alter dieses Chardonnays geschuldet.

Dicht in der Textur und leicht im Trinkfluss. Ein Wein, der sich noch über Stunden weiter entwickelt. Faszinierend, wenn da nicht die burgundischen Preise wären.

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