Schaum

Egly-Ouriet V.P. Grand Cru

Champagner von Egly-Ouriet ist gefragt, gesucht und genial! Das Prädikat Grand Cru ist hier kein Marketing Aufhänger, sondern lediglich der Anspruch einen wahrhaftigen Champagner der Königsklasse zu kreieren.

IMG_1693

Alles beginnt in den Weinbergen der Champagne in Frankreich. Nur Schaumwein aus diesem Gebiet darf den prestigeträchtigen Namen Champagner tragen. Vielen genügt das schon als Kaufargument für besondere Anlässe. Ein gutes Image lässt sich oft besser verkaufen als ein guter Schaumwein. Was viele große Champagnerhäuser vollbringen, ist Kunst und Alchemie zugleich. Eine Flasche durchschnittlichen Sprudels mit Prädikat Champagner wird gegen einen verhältnismäßig hohen Geldbetrag getauscht. Erinnert ein wenig an den Tauschhandel mit Glasperlenketten zwischen „Cowboys“ und den amerikanischen Ur-Einwohnern. Für die einen die Lizenz zum Gelddrucken und für die anderen die sprudelnde Diamanten-Quelle mit Prestigeaura. Ob der Gegenwert hier gewährleistet ist, sei mal dahingestellt.

In diesem Dschungel aus Lifestyleprodukten gibt es auch seriöse Champagner, die ihre Erfüllung nicht in einer Champagner-Schlacht in der Villa am Gardasee oder einer südkoreanischen Edeldiskotheken finden. Um eben diesen seriösen und anspruchsvollen Champagner geht es hier. Daher steht nicht der Name des Champagnerhauses im Fokus, sondern der Ursprung dieses Ausnahme-Weins.

Auf den Grand Cru Lagen von Ambonnay und Verzenay wachsen die über 60 Jahre alten Chardonnay und Pinot Noir Reben. Stark verkürzt gesagt: Je älter die Rebe, desto tiefer die Wurzeln, desto komplexer die Nährstoffaufnahme, desto geringer die Erträge und umso konzentrierter die wenigen Trauben. In der industriellen Weinwirtschaft werden solche Reben aufgrund ihrer zu geringen Erträge in der Regel gerodet. Für diesen Wein sind sie gerade richtig.

IMG_1705

Viele vergessen, dass Champagner nichts anderes ist als sprudelnder Wein. Ist der Grundwein durchschnittlich, kann auch der Champagner kein tolles Produkt werden. Bei diesem V.P. genannten Champagner von Egly Ouriet ist der Grundwein hervorragend. Er wird 12 Monate im Barrique ausgebaut und weitere 5 Jahre (!) auf der Hefe belassen. Über den positiven Einfluss der Hefe auf den Wein könnte eine extra Abhandlung geschrieben werden. Kurz gefasst: Der längere Kontakt von Hefe zum Wein kann viele „Charakterzüge“ wie cremige Textur, Aromen von Nuss bis Butter und vieles mehr hervorbringen und ausprägen.

Das Ergebnis ist schlichtweg betörend. Ein extrem komplexer, vielschichtiger und anspruchsvoller Champagner. In der Farbe dunkel Gelb mit rötlichen Reflexen des Pinot Noirs. Der reife Charakter gepaart mit extrem zarter Perlage und animierender Säureader faszinieren anhaltend. Kein Gramm Zucker zu viel, der aufträgt wie Schminke: Extra-Brut.

Um diesen Champagner entsprechend zu genießen, sollte das richtige Glas gewählt werden. Der V.P. braucht Raum, um sein ganzes Potential zu entfalten. Das Grand Cru Champagner Glas von Sophienwald hat diesen Zweck perfekt erfüllt. Als Begleitung klassisch Austern, Meeresfrüchte oder einfach so genießen. Ein Trinkerlebnis mit bleibenden Eindruck.

…el emperador

La Taille aux Loups „Triple Zéro”

IMG_20160331_171520

Viel Information auf einem Rückseitenetikett. Also ein paar Erläuterungen: La Taille aux Loups ist das Weingut aus dem diese Flasche stammt. Montlouis Petillant? Der erste Teil gibt Hinweis auf das Weinbaugebiet Montlouis-sur-Loire, das Teil der Appellation Touraine an der Loire ist. Dort wird ausschließlich Weißwein aus der Rebsorte Chenin Blanc hergestellt. Petillant bedeutet so viel wie „prickelnd“ und zeichnet diese Flasche als einen Schaumwein aus. Herkunft und Typ ist nun geklärt. Triple Zéro hat der Winzer Jacky Blot als Auskunft über die Machart seines Schaumweins auf dem Etikett platziert. Keine Aufzuckerung (Chaptalisation) des Mostes, keine Zuckergabe (Liqueur de Tirage), wenn der Wein zur zweiten Gärung auf die Flasche kommt, und keine abschließende Dosage (Liqueur d´Expéditon) nach dem Degorgieren. Nicht viele Winzer wagen so eine unverfälschte Herstellung, nimmt sie doch die Möglichkeit, die Schaumweine lieblich und gefällig zu machen. Aber dieses Exemplar ist weit davon entfernt. Geprägt durch seine Herkunft und seine Machart ist hier ein Ausnahmeathlet entstanden. Kein Gramm Fett, nur die sehnigen, angespannten Muskeln eines Sprinters, der seine Strecke exakt fokussiert hat.

IMG_20160331_132321

Knochentrocken mit unter 2 g/l Restzucker, keine unkontrollierte Power, sondern unbeschreiblich präzise auf der Zunge. Perfekt ausbalanciertes Säurespiel, keine Sekunde sauer oder mager, dafür mit rassiger Finesse. Genial! Kann als famoser Essensbegleiter serviert werden, kann aber auch single super genossen werden. Überzeugt auch Champagner-Fans, nicht nur im Preis.

…el emperador

Larmandier-Bernier Champagner „Rosé de Saignée“ Premier Cru

Champagner, der Name steht für Schaumwein der Spitzenklasse. Zart rot leuchtender Rosé Champagner ist ein absoluter Blickfang und eine Spur exklusiver, weil selten. Leider ist selbst in Preiskategorien jenseits von 50 € nicht alles Roségold, was hellrot glänzt. Ein Echter Rosé erhält seine zarte bis dunkelrote Färbung durch die Maischestandzeit. Dabei kommt die Haut der aufgeplatzten Beeren in Kontakt mit dem „Traubensaft“. Dabei lösen sich Tannine (Gerbstoffe) und Anthocyane (Farbstoffe) aus der Beerenhaut. In der Regel gilt, je länger die Trauben auf der Maische liegen, desto intensiver – abhängig von der verwendeten Rebsorte – wird die Färbung. Leider verzichten viele große Champagner Häuser auf diese Kunst der Herstellung. Sie verschneiden stattdessen weiße und rote Grundweine miteinander. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick gleich aus, aber geschmacklich trennen die Ergebnisse Welten.

IMG_20151224_173438

Dieser Rosé ist auch Rosé. Ein besonderer Rosé, wie das Wort Saignée im Namen schon ausdrückt. Es bedeutet so viel wie „ausbluten“ oder „Aderlass“ und gibt einen Hinweis auf die Art und Weise der Rosé-Herstellung. Dabei wird aus roten Trauben eine Maische angesetzt. Wenige Stunden danach wird ein Teil des Mostes davon abgezogen. Dieser „Aderlass“ wird nun für die Herstellung von Schaumwein verwendet. Als Grundlage für diesen Champagner dienen Pinot Noir Trauben aus einer Premier Cru Lage.

Wer in der Welt des Champagners neue Wege gehen will, sollte hier einen Versuch starten. Im Glas ist der Rosé ein absoluter Blickfang. Es schwebt ein intensives Beeren Aroma über dem Glas und verzaubert den Connaisseur beim ersten Schluck. Ungewohnt dicht, aber mit einer faszinierenden Präzision, läuft der Champagner über die Zunge. Er ist Extra Brut und kommt mit nur 3 g/l Restzucker daher. Nicht mager, dünn und sauer, sondern mit Rückgrat und Struktur durch die feinen Tannine. Festliche Finesse trifft auf eigenständige Coolness.

…el emperador

Stéphane Tissot Crémant du Jura

Der Wein von Stéphan Tissot war eine tolle Entdeckung, aber sein Crémant hat neue Maßstäbe gesetzt. Aber Vorschusslorbeeren beiseite und erstmal ein paar Fakten: Stéphane Tissot ist ein französischer Winzer aus dem Jura. Er bewirtschaftet seine Reben innerhalb der Appellation Arbois. Dieses Weinbaugebiet ist hoch interessant, da sich hier über lange Zeit spezielle Weinbautraditionen entwickelt haben und bis heute bestehen. Es werden Likörweine wie der Macvin de Jura hergestellt. Sie bestehen aus einer Mischung vom Traubenmost und Tresterbrand. Aber auch schwere, restsüße Strohweine und unverwechselbare Schaumweine. Kaum mehr bekannte Rebsorten wie Trousseau, Poulsard oder Savagnin werden hier kultiviert. Der Charakter dieser Weine ist regional geprägt und kein Allerwelts-Wein. Aber auch bekannte Rebsorten wie Pinot Noir oder Chardonnay sind hier weit verbreitet. Im Geschmack zeigen sie aber ebenfalls eine Seite von sich, die man so kaum kennt. Prägend sind hierbei – neben der Hand des Winzers – das regional sehr unbeständige Klima und die kalkig-tonigen Böden. In dieser bergigen Gegend haben sich verschiedene Bodenschichten an die Oberfläche geschoben und dort – unter dem Einfluss des Klimas – verschiedenste Bodentypen entstehen lassen. Entsprechend spannend fallen die Weine von diesen Böden aus. Nicht zu vergessen die Rolle der Hefepilze, welche in biologisch bewirtschafteten Weinbergen geeignete Bedingungen vorfinden, um sich zu vermehren. Dieser Arbeitsaufwand wird bei spontan vergorenen Weinen – also mittels der sogenannten „Wildhefe“ aus dem Weinberg – durch geschmacklich einzigartige, regionale Prägungen belohnt.

IMG_20151206_124632

Dieser Crémant du Jura versteckt seine Herkunft nicht. Er ist spontan vergoren worden und besteht aus Pinot Noir und Chardonnay. Nach der ersten Gärung und einer längeren Standzeit im Holzfass auf der Hefe kommt der Wein auf die Flasche. Dort wird er ein zweites Mal mit Hilfe einer Dosage – bestehend aus Reinzuchthefe und Zucker – vergoren. Das Ergebnis ist ein Crémant du Jura Extra Brut, also mit unter 6 g/l Restzucker, der Extraklasse. Die lange Kontaktzeit des Weins auf der Wilden Hefe prägt die komplexen Aromen des späteren Schaumweins und ist deutlich schmeckbar. Der Geschmack ist sehr vielschichtig und bringt bei jedem Schluck etwas Neues mit sich. Mehr Struktur und Klasse als so mancher dünner Champagner. In der Machart sind sie grundliegend identisch. Eine feine Würze gepaart mit einer schönen Perlage und einem leisen Säurespiel, was will man mehr? Einer meiner absoluten Schaumwein-Favoriten außerhalb der Champagne. Leider schnell vergriffen und nur schwer zu bekommen.

…el emperador