Autor: Barrique und Zeder

Chinchalero Petit Corona

„Jetzt will ich Nicaragua“

Diese optisch schön anzusehende Zigarre hat noch einiges mehr in petto. Doch bleiben wir kurz bei ihrer äußeren Erscheinung. Durch die zwei verschiedenen spiralförmig gewickelten Deckblätter, ein Connecticut und ein Maduro, bekommt sie diese zweifarbige Optik. Die ersten Exemplare in diesem Stil fand ich zu Beginn eher verstörend, doch mittlerweile hat es einfach etwas „stylisches“. 

Geschmacklich hat sie mich dann direkt gepackt und nicht mehr losgelassen. Als leidenschaftlicher Nicaragua-Flavour-Fan war es für sie ein Leichtes mein Geschmacks-Herz zu erobern. Der minimale Abzug in der B-Note aufgrund der geringen Rauchmenge wird von Unmengen an Aroma mehr als wett gemacht. Die Basis bildet ein weiches, aber auf der aromatischen Ebene intensives Nicaragua-Flavour. Diese wird ergänzt durch die Café- und Schokonoten des Madurodeckblattes. Eine leichte Würze kommt durch die Zugabe des starken Ligero Tabaks in der Einlage auf und dann schwingt da noch dezent eine buttrige Vanillenote mit. All diese Geschmäcker sind hervorragend auf einander abgestimmt und ergeben einen ausgewogenen und harmonischen Blend.

Fazit: Für nur rund 3 € bekommt man hier, wenn man auf Nicaragua aus ist, definitiv einen Nicaragua sure shot und zudem noch eine Menge aromatischer Extras. Das alles zu einem unvergleichbar geringen Preis. Diese Zigarre ist eine der wenigen, die aufgrund dieses Preis-Leistung-Verhältnisses für mich absoluten Kisten-Faktor hat.

…el príncipe

An offer we couldn’t refuse…

Es gibt Filme und es gibt FILME… Der Pate gehört definitiv zu Letzteren. Seit 1972 fasziniert das Mafia-Epos Menschen auf der ganzen Welt und ist längst Kult. Das liegt nicht zuletzt am Soundtrack um den legendären Godfather Waltz. Dieser begeistert schon im Kino oder auf dem heimischen Sofa, doch in einem Konzertsaal von einem Orchester gespielt ist die Gänsehaut garantiert. Möglich macht das das Event „Der Pate – Live in concert“, bei dem eine digital aufbereitete Version des Films in Originalsprache mit deutschen Untertiteln aufgeführt und von einem Live-Orchester begleitet wird. Ein tolles Konzept, weshalb wir natürlich sofort bei den Tickets zugeschlagen haben und uns schließlich am 19.10. nach einem zum Thema passenden Besuch beim Italiener in der Nürnberger Meistersingerhalle wiederfanden.

IMG_3168Zum Film und zur Musik braucht man wohl nicht viel sagen, nur soviel: dieses Event ist ganz großes Kino. Eine tolle Bildqualität für einen über 40 Jahre alten Film und ein erstklassiger Sound. Das Feeling ist einfach atemberaubend. Wir können es jedem nur empfehlen, sich selbst von diesem Event in die Welt der Mafia entführen zu lassen. Soweit wir wissen, sind für die Vorstellungen in Frankfurt (27.10.2015) und Hamburg (10.11.2015) noch Karten erhältlich. Also, rein in den braunen Nadelstreifenanzug, Tommy Gun in den Geigenkasten und ab zu „Der Pate – Live in concert“!

…el príncipe …el rey

Partagas Maduro No.1

Kubanische Zigarren mit einem Maduro Deckblatt? Bisher ein Privileg, das lediglich der Marke Cohiba vorbehalten war. Die kubanische Traditionsmarke Partagas fertigt nun jedoch ebenfalls eine Zigarre mit Maduro Deckblatt an: Die Partagas Maduro No. 1, welche exklusiv in den Casas del Habano erhältlich ist. Gesteigert wird ihre Exklusivität nur noch durch den stolzen Preis von 14,90 €. Dabei misst die Zigarre 13 cm Länge und hat einen Durchmesser von 2.06 cm. Da die Formate der Konkurrenz mit ähnlichen Maßen bei über 20 € anfangen, ist die Partagas Maduro No. 1 preislich geschickt platziert. Bei aller Euphorie, Exklusivität und Einzigartigkeit kommen leider die Fakten zur Zigarre selbst etwas zu kurz. Angaben zur Deckblattsorte, Reife, Lagerung oder der Qualitätsstufe der Tabakeinlage sind bisher nicht zu bekommen.

PartagasMaduro1

Die Partagas Maduro No.1 liegt relativ leicht in der Hand, kaum Gewicht für dieses doch wuchtige Format. Das Deckblatt ist robust und sehr grob durchadert. Die Zigarre erinnert nicht unbedingt sofort an eine Maduro. Im Vergleich zu einer Quintero Favoritos, welche zu den eher dunklen Kubanerinnen zählt, lässt sich ein farblicher Unterschied nur bei sehr genauer Betrachtung feststellen. Der Kaltgeruch ist verhältnismäßig schwach ausgeprägt und gibt lediglich hölzerne Noten preis.

Die ersten Züge sind ungewohnt. Die Aromen erinnern eher an Nicaragua als an Kuba. Das Fehlen des viel zitierten „typischen Kuba-Geschmacks“ ist beinahe schon irritierend. Doch für eine so junge Zigarre schmeckt sie wiederum überraschend rund und weich. Der leichte Rauch tänzelt durch den Raum, während wir versuchen die Zigarre einzuordnen. Bis zum Ende des zweiten Drittels entwickelt sich die Partagas Maduro sehr schön weiter, kein Zug schmeckt wie der vorherige. Doch welche Aromen entwickeln sich da genau? Für eine Maduro unserer Meinung nach etwas zu wenig Würze und insgesamt zu seicht. Auch zeichnet sich kaum die Süße ab, die in vielen anderen Maduros zu finden ist. Für Kuba bzw. Partagas zu wenig erdig und kernig. Schlicht einzigartige, untypische Aromen für eine kubanische Zigarre. Wir hätten nicht erwartet, dass der Einfluss des Deckblatts so stark ist. Vorausgesetzt, die Einlage ist der der übrigen Zigarren aus dem Hause Partagas ansatzweise ähnlich. Die Maduro No. 1 ist irgendwie interessant, doch es ist auch schade, dass vom klassischen Kuba eher wenig zu schmecken ist. Bei einer Blindverkostung würden wir wohl am ehesten auf eine Zigarre aus Nicaragua tippen und als letztes auf eine aus dem Reich von Castro. Die weiße Asche ist fein geschichtet und äußerst stabil. Zudem ist der Abbrand für kubanische Verhältnisse exzellent. Im letzten Drittel verstärken sich die Holzaromen ein wenig und eine dezente Bitternote kommt hinzu. Stellenweise flackern Röstaromen auf, die mit viel gutem Willen in Richtung Kaffee gedeutet werden können.

PartagasMaduro2

In den letzten Tagen haben wir einige kubanische Zigarren geraucht, von der Romeo y Julieta Churchills über die Montecristo Media Corona bis hin zur Quintero Favoritos. Alle konnten uns durchweg überzeugen, wohingegen das Finish der Partagas schlussendlich unbefriedigend ist, was vermutlich an den extrem hohen Erwartungen an diese Zigarre liegt. Auch die Cohiba Maduro Secretos konnte vor einigen Wochen vollends begeistern. Herrliche kubanische Aromen gepaart mit Maduro-Würze, 70 Minuten Rauchvergnügen für 12 €, ein wunderschönes, dunkles Maduro Deckblatt und großes Lagerpotenzial.

Fazit: Die Partagas Maduro No. 1 stellt unserer Meinung nach leider keine adäquate Alternative zur Cohiba Maduro 5 Serie dar. Zu wenig kubanisch, zu wenig Maduro, irgendwie ein wenig zusammenpassendes Tohuwabohu. Selbstverständlich ist sie einen Versuch wert, schon allein aufgrund der Seltenheit kubanischer Maduros. Die Cohiba Maduro 5 bleibt in dieser Kategorie jedoch der Benchmark.

…el emperador …el rey

Double Tasting: Montecristo Media Corona vs. H. Upmann Half Corona

8,89 cm lang und ein Durchmesser von 1,75 cm. Handgerollter Longfiller. Herkunft: Kuba. Bei diesen Daten denkt man an die altbekannte H. Upmann Half Corona. Falsch! Montecristo hat baugleiche Konkurrenz aus eigenem Haus auf den Markt gebracht: die Montecristo Media Corona. Wenn die beiden Kontrahenten sich schon nicht in ihren Abmaßen unterscheiden, dann zumindest im Preis. Die kleine „Monte“ kostet 6,20 € und pocht damit auf den Ruf und die Qualität der Premium Marke (die H. Upmann Half Corona kostet 4, 30 €). Aber nun Theorie beiseite und Taten sprechen lassen…

monte-mc_upmann-hc1

Montecristo Media Corona

Auf den ersten Blick fällt bei diesem Exemplar die etwas unsaubere Verarbeitung in Form von Kleberspuren auf dem Deckblatt auf. Abgesehen davon ist das Äußere der Zigarre sehr ansprechend. Ein leicht grobadriges Deckblatt mit dem typischen, erdigen Kubaschimmer. Der Zugwiderstand ist absolut perfekt und bringt gleich auf die ersten Züge aromatische, würzige Aromen mit sich. Der Rauch ist sehr cremig und dicht. Im Rauchverlauf fällt ein leichter Schiefbrand auf, welcher sich allerdings von selbst reguliert. Die Asche ist unregelmäßig geschichtet, dabei aber durchaus fest und stabil. Nach dem Abfallen der Asche bleibt ein sehr schöner glühender Kegel stehen. Im zweiten Drittel kristallisiert sich ein typisch erdig-holziges Kuba Aroma heraus, gepaart mit einer feinen Würze. Im letzten Drittel nimmt die Media Corona dann all ihre Kraft zusammen. Die erdig-holzigen Noten werden von einer immer stärker werdenden Würze begleitet. Der cremige Rauch bringt die Aromen auf unglaublich leckere Art und Weise im Mundraum zusammen. Ist das der Unterschied? Die Würze? Für knapp 2 € Aufpreis? Nach ein paar Vergleichs-Zügen an der H. Upmann Half Corona ist klar: Ja! Diese würzigen, kräftigen Aromen machen den Unterschied! Für mich ist die Montecristo Media Corona eine absolut gelungene Zigarre für Zwischendurch oder kurze, aber schöne Momente bei einem Glas Rum in den Abendstunden. Kuba, klein, aber fein!

…el emperador

H. Upmann Half Corona

Ich habe hier bereits vor einiger Zeit meine Erfahrungen mit der Half Corona aus dem Hause H. Upmann geteilt und diese Zigarre auch in der Zwischenzeit noch des Öfteren mit Genuss geraucht. Auch dieses Mal werde ich von den herrlichen Röstaromen der Half Corona nicht enttäuscht. Leicht nussige Anklänge und eine schöne Cremigkeit runden den Geschmack perfekt ab. Hinzu kommt ein äußerst angenehmes Zugverhalten sowie ein einwandfreier Abbrand. All das in Kombination mit einem Preis von unter 5 € und einer überschaubaren Größe macht diese Zigarre in meinen Augen zu einer sicheren Bank für den alltäglichen Smoke.

monte-mc_upmann-hc2Nichtsdestotrotz werde ich während des Smokes untreu und probiere ein paar Züge der Montecristo Media Corona. Obwohl diese noch sehr jung ist, überwältigt mich der unglaublich runde, ausgewogene und vor allem leckere Geschmack. Die Aromen übersteigen die der H. Upmann bei Weitem, insbesondere in Sachen Intensität. Die Media Corona schafft es, die gesamte Charakteristik von Montecristo auf engstem Raum zu konzentrieren und nimmt einen sofort für sich ein. Ich gebe zu, ich war zunächst etwas über das Preis-Größen-Verhältnis empört, doch der Geschmack ist einfach jeden Cent wert.

…el rey

Fazit: Sowohl die H. Upmann Half Corona als auch die Montecristo Media Corona sind hervorragende Zigarren, die trotz geringer Größe eine tolle Aromatik bieten. Beide Zigarren kann man nur empfehlen.

Double Tasting: San Lotano Connecticut Toro

Die Sonne scheint, die Blumen blühen, die emsigen Bienchen sammeln Nektar… ein herrlicher Rahmen für eines unserer Double Tastings. Verraucht wird die San Lotano Connecticut im Format Toro, eine Komposition von A.J. Fernandez. Wir sind zwar nicht gerade die leidenschaftlichsten Connecticut-Anhänger, doch hatten wir durchaus schon überraschend nette Smokes mit den extrem hellen Zigarren. Die Tatsache, dass die San Lotano Connecticut aus Nicaragua stammt, lässt uns noch mehr auf ein aromareiches Erlebnis hoffen. Immerhin ist nicht ausschließlich das Deckblatt und noch weniger allein seine Farbe für den Geschmack verantwortlich. Neben nicaraguanischen Tabaken enthält die Einlage noch solche aus der Dominikanischen Republik, während das Umblatt aus Honduras und das Deckblatt aus Ecuador stammt.

lotanocon2Die Deckblätter der beiden Zigarren sind ein Traum! Sie fühlen sich extrem samtig an und haben eine schöne matte Farbgebung. Die Qualität der Verarbeitung ist grandios. Eine so gleichmäßige Rollung haben wir in letzter Zeit leider selten gesehen und die Form ist dermaßen perfekt, dass man die Zigarren als Lineal verwenden könnte.

Exemplar 1:

Für mich riecht die San Lotano so, wie ich es von einer Connecticut erwartet hätte: mild nach Zedernholz mit einer gewissen Frische und Leichtigkeit. Auch geschmacklich bestätigt sie zunächst meine Erwartungen. Sie ist sehr mild und zeigt nur wenig aromatische Präsenz im Mund. Ihr Rauch hingegen ist mehr als wahrnehmbar. Er drängt sich einem fast auf, wenn er in dichten milchig-weißen Schwaden aus dem Mund emporsteigt. Im ersten Drittel bringt die San Lotano angenehme Holznoten mit einer schönen Cremigkeit, die stellenweise etwas süßlich wirkt. Nach einer Weile kommt dann jedoch die Überraschung und die Zigarre nimmt an Fahrt auf. Die milde, cremige Aromatik bleibt zwar teilweise bestehen, doch es baut sich allmählich ein kerniger, kräftiger Geschmack auf. Auf den Lippen legt sich eine leichte Schärfe ab, während das Holzaroma am Gaumen intensiver und würziger wird. Auch die Stärke legt ein Stück weit zu, macht die Zigarre aber noch nicht zu kräftig für einen vormittäglichen Smoke. Man merkt der San Lotano in ihrer gesamten Charakteristik einfach ihr Herkunftsland an. Nach dem Zünden des Turbos im zweiten Drittel, schaltet die Zigarre nicht direkt einen Gang zurück, doch man gewöhnt sich an das neue, kräftigere Profil und eine weitere Entwicklung bleibt aus. Ich lasse also den Smoke entspannt ausklingen und erfreue mich dabei an einem makellosen Abbrand, der die eingangs festgestellte Qualität nachmals unterstreicht.

Exemplar 2:

Der Kaltgeruch könnte von manchen als „einfach“ bezeichnet werden, aber man sollte vorsichtig sein einer so perfekt verarbeiteten Zigarre Monotonie zu unterstellen. Maduroartige, kräftige Aromen sind natürlich nicht zu erwarten, aber das will die San Lotano Connecticut auch nicht. Ihr überwiegend holziger Geruch ist simpel und setzt die passenden Akzente. Der Anschnitt gelingt bei einem Durchmesser von 21,4 mm wunderbar. Die ersten Züge bringen einen dichten und enorm cremigen Rauch hervor. Während der Rauch durch die Mittagssonne schwebt kommen langsam die ersten Aromen zum Vorschein. Die zuvor gerochenen Holznoten tauchen nun auch im Geschmack auf und füllen den Mundraum auf eine seidige Art. Wer die vermeintliche Einseitigkeit, der von Holzaromen dominierten San Lotano bemängelt, sollte ihr jedoch Zeit geben und zuhören. Im Rauchverlauf entwickelt die Zigarre sich immer weiter. Der cremige Rauch begleitet die Aromen sehr schön und paart sich im letzten Drittel mit einer dezenten Stärke. Der Abbrand ist einwandfrei und der stabile Aschekegel erfreut das Auge. Die Zigarre bleibt bis weit hinter die Bauchbinde rauchbar, dann werden jedoch die Finger zu heiß.

lotanocon1

Fazit: Die San Lotano Connecticut Toro ist für uns eine der großen Überraschungen in diesem Jahr. Sie sieht mit ihrem hellen Deckblatt zwar unscheinbar aus, bringt aber ein durchaus kräftiges Aroma mit sich und glänz zudem mit ihrer hervorragenden Verarbeitungsqualität.

…el rey

Fazit: Diese Zigarre ist etwas für Aficionados mit Muse und Geduld. Optisch ist die Zigarre schlicht und schön gehalten. Dieses Konzept zieht sich auch durch den gesamten Rauchverlauf hindurch. Dabei ist sie jedoch weit entfernt von langweilig und einfallslos. Die Aromaentwicklung geht deutlich in eine holzige Richtung, aber auf eine sehr angenehme Art und Weise. Die Optik, die Verarbeitung, der Zug, der Rauch und die Aromen sind aufeinander abgestimmt und bringen das Rundum-sorglos-Paket mit sich. Eine Connecticut, die bisher ihres Gleichen sucht. Die Entdeckung der Einfachheit auf einem sehr ausgereiften Niveau.

…el emperador

Highland Park 12 Jahre

Highland Park

Nach längerer Zeit besprechen wir hier wieder einen Single Malt Scotch Whisky und zwar den 12-jährigen Highland Park, der bei ca. 32 € liegt und mit 40% vol abgefüllt wird.

Nase: Rauch, der mit der Zeit verfliegt; Honigsüße; süße Zitrusfrüchte, v.a. Grapefruit

Mund: süß; blumig/fruchtig; kaum Rauch; holzige Würze; leichte Bitterkeit im kurzen Abgang

Wiederkaufswahrscheinlichkeit: 60%

 

Double Tasting: Alec Bradley Mundial Limitada 2014

Heute stellen wir das Flaggschiff der Alec Bradley Munidal Serie, die Limitada 2014, auf die Probe. Für die Einlage wurden hier Tabakblätter aus Honduras und Nicaragua verwendet, das Deckblatt stammt aus der Region Trojes in Honduras. Mit diesen Komponenten ist sie eigentlich sehr gut aufgestellt und vielversprechend. Ihr grobadriges Deckblatt, welches farblich an einen dunklen Milchkaffee erinnert, lässt einem schon das Wasser im Mund zusammen laufen. Zwar stammt die Zigarre selbst aus Honduras, ihr Kaltgeruch ist jedoch eher typisch nicaraguanisch und unsere Stammleserschaft dürfte mittlerweile wissen, dass Nicaragua unser persönlicher Favorit ist, wenn es um kräftige und zugleich aromatische Zigarren geht. Ganz amüsant, aber dennoch fragwürdig, ist zudem die Idee, diese Zigarre als erste im Weltall zu vermarkten. 2013 ließ man nämlich diese Zigarre, im Zuge der Vorstellung in Las Vegas, in einer durchsichtigen Kiste, welche an einem Ballon hing, in die Stratosphäre steigen. Die Erkenntnis, welche Symbolik dahinter steckt, ein hochwertig verarbeitetes Genussmittel ins All steigen zu lassen, wo niemand etwas davon hat, bleibt uns leider verwehrt. Wo wir aber schon beim Thema „hochwertig verarbeitet“ sind, das ist sie definitiv! Allein die Figurado-Rollung ist bereits eine Kunst für sich und immer wieder ein optisches Highlight. Bei einem Stückpreis von 15 € setzt man aber auch eine gewisse Qualität vorraus, die über eine aufwendige Einzelverpackung in einer Zedernholzkiste hinaus geht.

Mundial1Exemplar 1:

Der Kaltgeruch und -zug meiner AB Mundial Limitada 2014 trifft bei mir voll ins Schwarze. Eine kräftige Note von Kaffee mit ein wenig Bitterschokolade und zugleich eine ordentliche Würze, all das zeichnet sich am Horizont ab und steigert die Erwartungen. Wenn sie das alles auch beim Rauchen umsetzten kann, ist diese Zigarre ist Volltreffer.

Tatsächlich startet die Mundial mit schönen Kaffee-Röst-Aromen und mit einer kernigen Würze, welche in ihrem Charakter primär von Pfeffer geprägt ist. Der Zugwiderstand ist anfangs schwer, macht aber wie erwartet auf, sobald die Zigarre dicker wird. Die Brandlinie arbeitet sich stetig und kerzengerade voran und mit ihr auch die Aromen. Die Mundial legt bereits früh an Stärke zu, wird aber keineswegs zu kräftig, selbst nach einem leichten Mittagessen. Im Zuge dessen wandelt sich die Aromatik vom Würzig-Pfeffrigen zum Erdig-Ledrigen. Im Laufe des zweiten Drittels reduziert sich die Stärke dann wieder deutlich und die Mundial wird weicher, cremiger. Das letzte Drittel bietet zum Abschluss noch ein kleines Aufflackern von extrem bitteren Kaffee-Nuancen, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind.

Fazit: Die Alec Bradley Mundial Limitada 2014 ist in Sachen Optik, Verarbeitungsqualität und Rauchperformance eine würdige Krönung dieser Serie. Der Geschmack ist durchaus gut, allerdings hätte ich mir ein etwas filigraneres Aroma, passend zu dieser künstlerischen Figurado, gewünscht.

…el rey

Exemplar 2:

Der teeige Kaltzug ist noch etwas schwer, was allerdings nur an der spitz zulaufenden Figurado-Rollung liegt. Sobald man die Schwelle überwunden hat und sich der tatsächliche Durchmesser nutzen lässt, hat man einen perfekten Zug. Obwohl die Anzündfläche sehr gering ist und man beim Anfeuern eigentlich keinen Fehler machen kann, brennt mein Exemplar leider nicht wirklich gerade ab. Über den Geschmack lässt sich leider sehr wenig sagen. Ich habe diese Zigarre nach dem Essen geraucht. Wir haben im Rahmen des Barrique und Zeder Teams gegrillt und da ich ein Liebhaber von Fleisch, insbesondere Rindefilet, bin, bleibt es dann nicht bei einem Stück… laut Packungsbeilage bin ich 4 Personen. Von dem her war die Zigarre danach etwas zu mild und wäre bei einem Kaffee am Nachmittag stimmiger. Nichtsdestotrotz habe ich angenehme Tabakaromen, welche, wie schon gesagt, sehr mild sind und ab der Mitte darf ich mich bis zum Schluss über eine angenehme Süße erfreuen, die schon fast an Kuba-Flavour erinnert. Man bekommt viel cremigen, weißen Rauch, der bei diesem herrlich blauen Frühlingshimmel die Wolken ersetzt.

Mein persönliches Fazit zu dieser Zigarre ist, dass sie für ihren Preis auch die entsprechende Verarbeitung vorweist, dazu erhält man, nicht zuletzt aufgrund der Größe, eine lange Rauchdauer und ein angenehm mildes Rauchvergnügen mit viel Smoke-Output. Für mich hat sie keinen Wiederkaufswert, da sie mir nicht das gewisse Etwas bieten konnte.Trotz alledem sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden und es gibt von mir eine Kaufempfehlung. Jeder sollte selbst entscheiden, ob ihm das Preis-Leistungs-Verhältnis zusagt. Für die Verarbeitung und Performance ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert.

el príncipe

Double Tasting: Alec Bradley Nica Puro Diamond Rough Cut

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei der Nica Puro Diamond Rough Cut um eine Zigarre, welche ausschließlich aus Tabakblättern aus Nicaragua besteht, was für uns immer ein ganz besonderer Genuss ist. Die Zigarren der Nica Puro Serie sind die ersten rein nicaraguanischen, die Alec Bradley auf den Markt bringt. Das Flaggschiff der Serie, die Diamond Rough Cut, hebt sich von den übrigen Nica Puros durch ein dunkleres Habano-Deckblatt, einen zusätzlichen Zigarrenring um den Fuß und ihre extreme Boxpressed-Form ab.

wpid-wp-1430596993558.jpegExemplar 1:

Eine pfeffrige Anfangsschärfe verschafft mir direkt einen Kickstart in das Aromaspektrum dieser Zigarre. Mit ihrem angenehm leichten Zug und enorm viel Rauch lässt sie sofort ihre Hüllen fallen und präsentiert mir all ihre Facetten. Der Rauch ist sehr cremig und angenehm im Mundraum. Geschmacklich überzeugt sie sofort mit ihrem typisch nicaraguanischen Flavour, welches sich leider genauso schwer beschreiben lässt wie das kubanische. Es ist einfach ein absolut markanter Geschmack, den man immer wiedererkennt. Anfangs ist sie noch sehr süß und Kaffeenoten schwingen leise mit. Zur Mitte hin wird sie schon deutlich kräftiger und es kommt schubweise die Pfeffrigkeit zurück. Sie bleibt allerdings dennoch vollaromatisch und driftet zu keiner Zeit ins „Zu-starke“ ab. Sie bleibt absolut rund und das eine Exemplar reicht gar nicht aus, um alle Eindrücke auffassen zu können. Gegen Ende, auf den letzten 3 cm, wird sie dann richtig kräftig, bleibt aber immer noch problemlos rauchbar bis zum Schluss.

Fazit: Eine sehr vielseitige Zigarre, bei der es einer mehrfachen Verkostung bedarf, um ein detaillierteres Review abliefern zu können. Da ich aber so begeistert bin und an dieser Stelle bereits eine absolute Kaufempfehlung aussprechen kann, gibt es eben jetzt schon diesen kurzen Einblick. Wunderschöne dunkle Optik, makellose Verarbeitung, schön boxpressed und dazu ein vielschichtiges, rundes Aroma, das seinesgleichen sucht!

…el príncipe

nicapuro2Exemplar 2:

Die Diamond Rough Cut stellt sich mit einem würzigen Geruch vor, der in Verbindung mit der ausgefallenen Optik die Neugierde auf ein näheres Kennenlernen anfeuert. Geschmacklich startet sie dann sehr kräftig, mit einem vollen Aroma, das sich am besten mit den Adjektiven „schwer“ und „dunkel“ beschreiben lässt. Zugleich fegt eine satte, leicht pfeffrige Würze über die Zunge. Man wird regelrecht überrannt von der Power dieser Zigarre. Dennoch flackern in Mitten dieser kräftigen Aromen auch wunderbare, filigrane Facetten auf. So zeigt sich beispielsweise eine schöne, feine Süße, welche schon fast an Marzipan erinnert. Zudem finden sich klassische Noten von Holz sowie erdige Nuancen. Diese Nica Puro ist zweifelsohne komplex. Ihr Zugwiderstand ist von Beginn an optimal und üppige, schneeweiße Rauchschwaden sorgen für eine herrliche Raumnote. Auch im weiteren Verlauf bleibt eine gewisse Grundsüße erhalten, diese wird aber durch etwas Kaffeearoma ergänzt, das im letzten Drittel dann sogar ins Dunkelschokoladige übergeht. Geschmacklich ist die Diamond Rough Cut also ein weiteres Beispiel, warum ich nicaraguanische Puros so interessant finde. Das einzige Problem, das ich mit ihr habe, ist ihr Abbrand. Ab der Hälfte nämlich verschlechtert sich dieser schlagartig und bedarf ständiger Korrektur. Schließlich geht die Zigarre dann auch noch ständig aus, was so weit geht, dass ich sie sogar vorzeitig ablegen muss.

Fazit: Geschmacklich eine tolle, komplexe Zigarre, die für mich die Definition einer Puro aus Nicaragua ist. Leider hatte mein Exemplar schwere Abbrandprobleme, die mich dennoch nicht im Geringsten am Aussprechen einer Empfehlung hindern.

…el rey

Double Tasting: Cain Daytona Corona 646

Heute machen wir einen Abstecher zu einer etwas unbekannteren Zigarre, der Cain Daytona im Format Corona 646. Die Mutterfirma zu dieser Marke ist Oliva und doch schon eher ein Begriff. Beworben wird diese Zigarre aus Nicaragua mit einer zum Großteil aus Ligero-Blättern bestehenden Einlage. Diese Ligero-Blätter sind dafür bekannt, besonders kräftig zu sein, was wir auch in unserem Artikel „Eine Frage des guten Geschmacks“ beschrieben haben. Doch hier wurden wiederum Blätter aus dem Anbaugebiet Jalapa verwendet, welches durch seine Höhenlage mildere Tabake hervorbringt. Wir haben hier also eine nicaraguanische Puro vor uns, die als mild, leicht und sanft beschrieben wird…

DaytonaExemplar 1:

Zu Besuch im schönen Bamberg wird die Zigarre auf der Dachterrasse verkostet. Das Deckblatt ist sehr dünn und brüchig. Der Zug ist angenehm und zu Beginn erhasche ich Kräuternoten, welche leider nur für einen Bruchteil präsent sind. Die Cain Daytona bietet nur recht wenig sowie dünnen Rauch. Von technischer Seite her betrachtet, ist sie perfekt. Sie brennt kerzengerade ab und beigeistert mich mehrfach damit, dass die Asche wirklich absolut weiß ist. Nach circa einem Zentimeter keimt eine leichte Süße auf. Zur Mitte hin flacht das Gesamtaroma immer mehr ab und die Süße ist nur am Horizont zu erahnen. Zum Ende hin wird sie dann doch recht kräftig mit wenig Tabakaroma.

Fazit: Mich konnte die Zigarre nich überzeugen, da sie zum Anfang kaum etwas bietet und absolut mild, strohig und flach ist. Zum Ende hin ist sie dann einfach nur noch nikotin-kräftig.

…el príncipe

Exemplar 2:

Meine Cain Daytona beginnt mit einer leichten Cremigkeit, gepaart mit einem milden Aroma nach Holz bzw. Heu. Das Format trifft zwar nicht meinen Geschmack, da ich nur selten Zigarren mit einem Durchmesser von unter 1,90 cm rauche, doch diese Corona 646 weiß mich zumindest durch einen absolut perfekten Abbrand sowie ein optimal abgestimmtes Zugverhalten zu begeistern. Im zweiten Drittel wird das bis dato doch sehr monotone und begrenzte Geschmacksbild durch eine dezente, süßlich-fruchtige Komponente aufgewertet. Dies ist allerdings nur von kurzer Dauer, da sich dann zum Ende des zweiten Drittels sämtliche Aromatik verflüchtigt und lediglich ein schaler Rauchgeschmack bleibt. Zwar nimmt im Zuge dessen auch die Stärke der Cain Daytona etwas zu, sie kann aber, meiner Meinung nach, durchaus als „mild“ bezeichnet werden.

Fazit: Die Cain Daytona Corona 646 konnte meinen Geschmack nicht treffen, mag aber sicherlich für den ein oder anderen eine nette, nicht zu anspruchsvolle Zigarre für zwischendurch darstellen. Ein über mehrere Exemplare hinweg einwandfreies Abbrand- und Zugverhalten ist auf jeden Fall positiv zu bemerken.

…el rey

Double Tasting: Alec Bradley Raices Gordo

Diesmal nehmen wir in unserem Double Tasting die Alec Bradley Raices im Format Gordo unter die Lupe. Die brachiale Zigarre aus Honduras hat eine Länge von 15,24 cm und ein mächtiges 60er Ringmaß. In Anbetracht der schieren Größe der Raices Gordo erscheint auch ihr Preis von 8,50 € bereits im Vorfeld als gerechtfertigt. Doch wer uns kennt, kennt auch unser Motto: für eine schlechte Zigarre ist selbst ein Euro noch zu viel…

raices1Exemplar 1:

Die Raices Gordo tritt rein äußerlich eher zurückhaltend auf. Die Bauchbinde ist übersichtlich und erweckt irgendwie den Anschein, dass diese Zigarre von einem Texaner nach einem langen Arbeitstag auf der Pferderanch geraucht werden soll. Das rau anmutende Deckblatt ist von ein paar Adern durchzogen und schimmert sehr matt im Sonnenlicht. Rein von der Optik her sind die ersten Dinge, die mir zu dieser Zigarre einfallen Staub, Prärie, Lederjacke und der amerikanische Pioniergeist.

Der Kaltgeruch zeichnet ein ganz anderes Bild. Er ist süßlich, holzig mit Tabaknoten, die mich an die Alec Bradly VR1 erinnern. Die Aromen sind aber sehr zart und passen so gar nicht zu dem vorher gewonnen äußeren Eindruck. Die ersten Züge lassen mich staunen. Ein leichte Süße gepaart mit einer milden Milchkaffee-Note breitet sich aus. Der Rauch der Raices ist dick, weich, cremig, wolkig und hinterlässt im Mundraum das Gefühl, als ob man gerade extrem fein geschlagenen Milchschaum von seinem Cappuccino probiert hätte. Zudem keinerlei Schärfe oder Pffefernoten von Anfang bis Ende. Im zweiten Drittel nimmt der Geschmack nach Milchkaffee noch weiter zu. Es gesellt sich etwas neues dazu, was geschmacklich am ehesten an überreife Macadamianüsse erinnert. Gegen Ende des Rauchvergnügens kommt nochmal ein wenig Süße auf und lässt die Zigarre geschmacklich zwischen Cappuccino und ungesüßtem Panna Cotta hin und her schaukeln. Trotz des weit fortgeschrittenen Smokes fördert die Raices keinerlei Stärke zu Tage und ist damit auch schon zur frühen Mittagsstunde zu genießen. Geraucht wurde bis knapp hinter die Bauchbinde, was nicht bei jedem Gordo Format so problemlos funktioniert. Der Abbrand war zwar unregelmäßig und die Asche eher flockig, dennoch musste kein einziges Mal mit dem Feuerzeug nachgeholfen werden.

Raices3Exemplar 2:

Meine Raices Gordo beginnt mit bitteren Kaffeenoten, einer unterschwelligen Nussnuance sowie einem erdig-röstigen Gesamteindruck. Von den Aromen bin ich vom Start weg begeistert, doch ein extrem geringer Zugwiderstand macht, in Verbindung mit dem gigantischen Durchmesser der Zigarre, jeden Zug äußerst irritierend, da man ständig ins Leere zieht. Mit einem einzigen Zug ist es unmöglich genügend Rauch zu gewinnen. Als wäre das nicht genug, ist auch der Abbrand gleich von Beginn an schief, kann aber durch gezielten Einsatz des Feuerzeugs problemlos im Zaum gehalten werden. Doch über all das kann ich aufgrund des unglaublichen Geschmacks hinwegsehen. Die Raices Gordo wird nämlich im Verlauf des ersten Drittels immer süßer und cremiger. Die anfänglich noch als bitter zu bezeichnende Kaffeenote wandelt sich zunächst in ein herrliches Aroma von Cappuccino, um schließlich in Milchschokolade zu münden. Die Nuss ist dabei noch immer präsent, wodurch man an mit Nuss gefüllte Pralinen erinnert wird. Gegen Ende des zweiten Drittels gesellt sich eine würzigere Holznote hinzu, gefolgt von der Rückkehr des eher bitteren Kaffees und einer Zunahme der Stärke im letzten Drittel. Die Raices wird aber keineswegs zu kräftig und ist überraschend filigran in ihrer Aromatik. Auch Schärfe oder beißenden Pfeffer sucht man vergebens.

Fazit:

Die Alec Bradley Raices Gordo hat mich auf den ersten Blick etwas stutzig gemacht, aber mal wieder zeigt sich, dass es die inneren Werte sind, die zählen. Der unglaublich leckere und gleichzeitig ausgefallene Geschmack hat von den ersten Zügen an für Begeisterung gesorgt. Die grobe Optik und der asymmetrische Abbrand sind da leicht zu verkraften. Der Preis von 8,50 € ist für die Größe der Zigarre, den Geschmack und die Rauchdauer absolut in Ordnung.

…el emperador

Selten war ich trotz schlechter Performance dermaßen von einer Zigarre begeistert. Hat man Lust auf einen Smoke mit Aromen aus der Kaffee-/Schoko-Ecke, so fallen mir nur wenige ebenbürtige Konkurrenten ein.

…el rey