Hoyo de Monterrey LCDH Elegantes

Ein wunderschönes Format! Dem ein oder anderen bekannt von Cuaba oder der Partagas Presidentes. Zu finden ist sie exklusiv bei den Las Casas del Habano. Im Internet meist ausverkauft.

Dieses Exemplar ist mir beim Gang durch den Humidor sofort ins Auge gestochen. Im „toten Winkel“ steht ein kleines Kistchen Hoyo de Monterrey LCDH Elegantes. Anscheinend hatten die vorherigen Aficionados nur die Cohibas und Montecristos im Regal daneben im Blick. Drei Hoyo Elegantes liegen noch in der Kiste und lassen mein Herz hüpfen. Ich beende den Einkaufsbummel und mach mich sofort an das Tasting der Hoyo.

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Optisch hat mich die Zigarre auf Anhieb überzeugt. Selbst ihr etwas unsauber gerolltes Deckblatt verzeihe ich ihr sofort. Kaltgeruch stark geprägt von Zedrelen Holz in Kombination mit den typischen Kuba-Noten.

Im Gegensatz zu den Cuabas, die diese speziellen Formate förmlich gepachtet haben, hat die Hoyo de Monterrey LCDH Elegantes von Anfang an einen nahezu perfekten Zug! Kein lästiges vorsichtiges Anrauchen, sondern gleich Genuss in vollen Zügen. Die Aromen sind schwer zu definieren, aber schlichtweg lecker und genau das, was man unter Kuba versteht. Bis zum zweiten Drittel entwickelt sich die Zigarre sehr schön. Danach bleibt sie konstant im „Geschmack“ und wird zum Schluss, auf der Höhe der zweiten Bauchbinde, bitterer.

Die Zigarre ist unglaublich gelungen. Ausgewogen, aromatisch und braucht kein Aging mehr. Absolute Kaufempfehlung. Kuba at its best!

…el emperador

E. Guigal Côte-Rôtie „Brune et blonde“ 2009

Das Rhône Tal bietet ein vielfältiges Terroir. Im Süden zählt die Appellation Châteauneuf-du-Pape wohl zu den bekanntesten. An der nördlichen Rhône bringen die Cru-Lagen Côte-Rotie, Condrieu und Hermitage Weine von Weltruf hervor.

Côte-Rôtie ist eine Steillage und steht exemplarisch für die unterschiedlichen Boden- und Klima-Verhältnisse im Rhône Tal. Der Name des hier vorgestellten Côte-Rôties „Brune et blonde“ bezieht sich auf die zwei unterschiedlichen Bodentypen innerhalb der Cru-Lage. „Brune“ steht für einen „fetten“, eisenreichen und lehmigen Boden. „Blonde“ hingegen ist ein kalkiger, sandiger Boden.

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Der Einfluss von verschiedenen Bodentypen auf den späteren Wein lässt sich in dieser Appellation besonders gut entdecken, da das Klima relativ konstant ist. Dadurch können beim Einzelparzellen-Ausbau der Weine, die sensorischen Unterschiede neben der Handschrift des Winzers vor allem auf die unterschiedlichen Bodenformationen, auf denen die Reben wachsen, zurückgeführt werden. Zugelassen sind Syrah und die weiße Rebsorte Viognier. Letztere ist neben ihrer geringen Säure vor allem für ihren betörenden, aromatischen Duft bekannt.

Der Boden in der Parzelle „Brune“ bringt tendenziell schwere, langlebigere Rotweine hervor. „Blonde“ lässt schlankere und elegantere Côte-Rôties entstehen. Neben diesen beiden populären gibt es je nach Expertenmeinung zwischen 20 und 73 unterschiedliche Bodentypen innerhalb von Côte-Rôtie. Für Vielfalt ist also gesorgt.

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Der „Brune et blonde“ von Maison Guigal aus dem schönen Jahrgang 2009 stammt von den beiden beschriebenen Lagen. Das Ergebnis ist ein sehr eleganter Rotwein und ein passender Einstieg in die Welt der Côte-Rôties. Sehr filigran, begleitet von einer zarten Säureader gleitet der Wein über die Zunge. Der Stil ist sehr klar und reintönig. 2009 wirkt noch etwas jung und adstringierend, wird aber mit ausreichend Luft sehr leicht zugänglich und beweist Länge im Abgang. Ein Rotwein, der zum passenden Essen zur Hochform aufläuft.

Maison Guigal liefert seit Jahrzehnten eine konstante Qualität und in diesem Fall einen schönen Côte-Rôtie, der nicht limitiert ist und aufwändig mit der Lupe gesucht werden muss. Ein reeller, gehobener Rotwein-Genuss.

…el emperador

Domaine de Pégau Châteauneuf-du-Pape 2008 oder was ist ein „schlechter“ Jahrgang?

Châteauneuf-du-Pape, eine Appellation von Weltruf. Von ihr kommen rote und weiße Weine von Statur, Rang und Namen. Den Grundstein dafür legt das Terroir. Es ist hier sehr abwechslungsreich und bietet verschiedensten Rebsorten ein geeignetes Zuhause. Über 12 Rebsorten sind für diese Appellation zugelassen. Allen voran Grenache, gefolgt von Syrah und Mourvèdre, aber auch Roussanne, Bourboulenc und Clairette.

Der rote Châteauneuf-du-Pape ist in der Regel eine Cuvée, die sich aus den zugelassenen Rebsorten zusammensetzt. Zu welchen Teilen oder ob der Châteauneuf-du-Pape nur aus einer Rebsorte (beispielsweise Grenache) bestehen soll, bleibt den Winzern selbst überlassen. Neben der Federführung bei der Rebsortenzusammensetzung spielt bei diesen „großen“ Weinen der Stil eine entscheidende Rolle: Traditionell oder modern?

Die Traditionalisten produzieren noch verhältnismäßig archaisch. Vergoren werden die Trauben spontan mit wilden Hefen auf Stiel und Stängel im Zementtank oder großen Holzfass. Der Weinberg wird biologisch bewirtschaftet und erfährt große Aufmerksamkeit. Die Weine sind oft etwas knarzig, unfiltriert, benötigen Aufmerksamkeit und sind in jungen Jahren recht verschlossen.

Anhänger der Moderne nutzen die technologischen Neuerungen und vergären ihr Lesegut in temperaturregulierten Edelstahltanks mit Reinzuchthefe. Der Weinberg wird konventionell bewirtschaftet. Das Ergebnis sind tendenziell zugängliche, verständliche Weine, die früh getrunken werden können und mehr von ihrer technischen Machart als von der Natur geprägt sind.

Mit dieser Beschreibung sollten nur ein wenig die unterschiedlichen Herangehensweisen skizziert werden. Zwischen diesen beiden stark vereinfacht dargestellten Positionen gibt es viel Platz für Mischformen. Nichts in der Weinwelt lässt sich so einfach in Schubladen stecken und kategorisieren, das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen.

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Die Domaine de Pégau zählt zu den traditionell geführten Weingütern. Entsprechend „wild“ und natürlich kommt dieser Châteauneuf-du-Pape daher. 2008 war alles andere als ein leichter Jahrgang. Viele bezeichnen ihn als „katastrophal“ oder schlichtweg schlecht. Solche Aussagen dämpfen den Absatz der Weine und werden der harten Arbeit der Winzer im Weinberg und Keller nicht gerecht. Wenn man erkennt, was sich hinter einem Jahrgang verbirgt, kann man den Wein einschätzen und entsprechend genießen. Nur weil der Jahrgang lediglich mit vier von fünf Sternen bewertet wurde und das Lagerpotential im Vergleich zum vorherigen Jahrgang von 25 auf „nur“ 15 Jahre reduziert wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass der Wein minderwertiger ist.

Das schön am Weinuniversum ist die Einzigartigkeit jedes Jahrgangs. Wer bestimmt denn wie ein guter Wein aus gutem Jahrgang schmecken soll? Die einen bevorzugen Finesse und Frucht, die anderen Eleganz und zartes Säurespiel und wieder anderen wollen Wein, der vor Extrakt und Statur nur so strotzt.

Der Kampf um die Vorherrschaft im Universum der Geschmackskonventionen ist schon seit Jahrzehnten im Gang. Einen Gewinner gibt es nur, wenn man seine persönlichen Vorlieben der Doktrin eines anderen Lagers unterwirft. Da Sinneseindrücke wie das Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören und Sehen immer etwas sehr Persönliches sind, ist es nur schwer verständlich, warum die Sinneswahrnehmungen anderer passender sein sollten als die eigene.

Wie bei der Musik gibt es nicht „die eine Musikrichtung“, die das anzustrebende Ziel darstellt. Geschmäcker sind verschieden und die Vielfalt der Musik eine Bereicherung. Der Musikgeschmack kann als Analogie auf den Wein verstanden werden. Je nach Stimmung und Situation darf es mal ein Glas Pomerol mit etwas Soul von Bill Withers, ein Schluck steierischen  Orangewine mit Deep-House von Âme oder ein wuchtiger Châteauneuf-du-Pape zu den Beats von RZA sein. Erlaubt ist, was gefällt, und Genuss kennt keine Grenzen.

Der Jahrgang 2008 wurde an der südlichen Rhône mit zwei von fünf Sternen bewertet. Bedeutet in diesem Fall nichts außer jetzt trinken! Potential für längere Lagerung bringt er nicht mit. Sucht man einen passenden Vergleich, um die Rotweine aus Châteauneuf-du-Pape zu beschreiben, so kommen sie tendenziell einem Bodybuilder auf anabolen Steroiden am nächsten. Mit 15 % Alkohol an der Obergrenze des Möglichen, vor Extrakt strotzend und tiefdunkler Farbe von vollreif gelesenen Trauben bringen die Weine schon fast zu viel auf einmal mit.

Nicht so dieses Exemplar von der Domaine du Pégau. Es duftet ledrig, holzig, fast animalisch in Kombination mit intensiven Beeren-Aromen. Ein verhältnismäßig leichter Trinkfluss und süßliche Noten bei nur 2 g Restzucker animieren zum Weitertrinken. Ein bisschen gut gewürztes Pulled Pork, ein paar rote Oliven und alles andere, was intensiv schmeckt. Der Wein dominiert am Ende sowieso mehr, als dass er ergänzt. Einfach lecker zu trinken. Schwupps ist die Flascher leer und der „schlechte“ Jahrgang schon vergessen. Châteauneuf-du-Pape mal anders.

…el emperador

Moonshot Gin – In anderen Sphären

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„Hey David, Gin boomt, lass‘ auch mal einen machen. Wie wär’s, wenn wir das ganze Zeug einfach erstmal in die Luft schießen und dann schauen, was dabei rauskommt?“

So oder zumindest so ähnlich muss sich das Gespräch angehört haben, als die Idee kam diesen Gin zu kreieren. Ich möchte nun gar nicht näher darauf eingehen, wie man auf so eine Idee kommt (im Whiskey Rausch eventuell, den sie sonst herstellen?), sondern auf den Gin an sich.

Der Name ist im ersten Moment etwas irreführend – es wurde natürlich keine Destille von Neil Armstrong dort oben auf dem Mond aufgebaut und er hat sich auch kein Schlückchen in seinem Raumanzug gegönnt.

Stattdessen wurde am 07.03.2017 ein Behälter an einem Ballon befestigt und man hat ihn einfach mal 24 km in die Luft steigen lassen – bei 6 Millibar und -60 °C.

In dem Behälter finden wir:

  • Wacholder
  • Koriander
  • Kamille
  • Zitronenschalen
  • Kardamom
  • Orangenschalen
  • Zimt
  • Kubebenpfeffer
  • Lakritze
  • Engelwurz
  • Mondgestein (immerhin etwas vom Mond)

Ist der Behälter irgendwann einmal wieder unten angekommen, werden die Zutaten im Vakuum bei Raumtemperatur destilliert und danach abgefüllt – bei einer Chargen-Größe von 1.000 Flaschen (die nächste wird 2.000 Flaschen betragen).

Bei dem Blick auf die Flasche fällt als erstes der etwas ungewöhnliche Fotoaufdruck von dem Gin auf dem Gin (Ginception?) auf, welcher auf der Halterung steht, wo ansonsten auch die Zutaten in die Luft gejagt werden.

Versiegelt ist das Ganze mit einem Wachsverschluss und die Flasche besitzt natürlich einen Korken, ansonsten hat man bei der Flasche an sich auf weitere Extravaganzen verzichtet.

Nun steht natürlich eine Frage im Raum – hat diese Prozedur irgendeinen Einfluss auf den Geschmack??

Keine Ahnung!

Alle Klarheiten beseitigt? Sehr gut! Dann können wir uns den wichtigen Themen widmen, dem eigentlich Geschmack. Also, schmeckt denn dieser Gin?

Auf jeden Fall!

Trotz seiner doch stolzen 46,6 Umdrehungen steigt in die Nase kein penetranter Alkoholgeruch, sondern florale Noten mit einem Schuss Zitrus und Pfeffer.

Beim Geschmack hält sich der Wacholder tatsächlich sehr zurück und überlässt wie schon der Geruch vermuten hat lassen Zitronen-, Orangen- und erfrischenden Aromen den Vortritt – insgesamt alles eine sanfte und angenehme Nummer – nochmal wohlgemerkt mit 46,6 Umdrehungen.

Mit Fever Tree Tonic insgesamt etwas bitterer, tendiere ich eher zu Thomas Henry, welches dem Gin an sich mehr Raum gibt, sich zu entfalten. Perfekt ergänzend dazu zwei Zitronenschalen ins Glas, um diesem astronomisch guten Gin den letzten Schliff zu geben.

Vielleicht bekommen wir in ein paar Jahren auch einen Mars-Shot Gin zu Gesicht – dieses Jahr war’s noch ein April Scherz, aber wer weiß …

…el duque


Picture by ...el príncipe

Camacho American Barrel-Aged Toro

Es gibt Zigarren, an denen führt einfach kein Weg vorbei, man muss sie probieren. Dazu gehörte für mich definitiv die American Barrel-Aged Serie von Camacho. Wie der Name vermuten lässt, spielen die USA dabei eine Rolle und zwar in der Form, dass es sich bei Deckblatt, Umblatt und einem Teil der Einlage um amerikanischen Tabak handelt. Der übrige, honduranische Teil der Einlage wurde in Bourbon-Fässern gereift, mit dem Ziel der Zigarre ein entsprechendes Aroma mitzugeben. Solche Sperenzchen lässt man sich natürlich gut bezahlen: Für das Toro-Format der Serie werden 13,80 € fällig.

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Optisch ist die Zigarre eine Wucht. Dunkles, robustes und sauber verarbeitetes Connecticut Broadleaf Deckblatt gepaart mit zwei für die „neuen“ Camachos typischen, knalligen Zigarrenringen. Der Kaltgeruch ist entgegen der Optik eher zurückhaltend. Lediglich aus dem Fuß strömt ein betörender, süßlicher und an Schokolade erinnernder Duft.

In den ersten Zügen zeigt die American Barrel-Aged dann sofort eine enorme Präsenz und liefert ein kräftiges Aroma mit Anklängen von Leder und vor allem Holz (etwa Bourbon-Fass?). Gleich zu Beginn des Smokes ersticken sowohl das perfekte Zugverhalten als auch die satte Rauchmenge jeglichen eventuellen Zweifel an der Verarbeitungsqualität bereits im Keim. Die in meinen Augen fast etwas harsche Anfangsphase fährt dann im ersten Drittels etwas herunter und die Aromen werden weicher. Mit der Zeit gesellt sich eine Art von Würze hinzu, die leider im Laufe des Zweiten Drittels in einen beißenden, kratzenden Geschmack umschlägt. Karamellige Süße, Vanille oder sonstige an Bourbon erinnernde Noten? Leider Fehlanzeige. Erst auf den letzten Zügen kann die Zigarre das Ruder noch ein Stück weit herumreißen. Das Kratzen verschwindet und es zeigen sich wieder verstärkt die weichen, angenehmen Aromen von Holz und Leder, ergänzt durch erdige Nuancen.

Fazit: Meine Erwartungen waren hoch, keine Frage. Nichtsdestotrotz ist die Art und Weise, wie die Camacho American Barrel-Agend Toro diese nicht erfüllen konnte, einfach nur schwach. Das Bourbon-Fass-Aging, welches immerhin das primäre Kaufargument dieser Zigarrre ist, konnte ich kaum bis gar nicht wahrnehmen. Abgesehen davon, war der tatsächliche Geschmack nicht ganz mein Fall. Lediglich Optik und Verarbeitung konnten mich überzeugen. Für mich ist diese Zigarre schlichtweg Durchschnitt und mit ihrem Preis von 13,80 € maßlos überteuert.

…el rey

Chinchalero Petit Corona

„Jetzt will ich Nicaragua“

Diese optisch schön anzusehende Zigarre hat noch einiges mehr in petto. Doch bleiben wir kurz bei ihrer äußeren Erscheinung. Durch die zwei verschiedenen spiralförmig gewickelten Deckblätter, ein Connecticut und ein Maduro, bekommt sie diese zweifarbige Optik. Die ersten Exemplare in diesem Stil fand ich zu Beginn eher verstörend, doch mittlerweile hat es einfach etwas „stylisches“. 

Geschmacklich hat sie mich dann direkt gepackt und nicht mehr losgelassen. Als leidenschaftlicher Nicaragua-Flavour-Fan war es für sie ein Leichtes mein Geschmacks-Herz zu erobern. Der minimale Abzug in der B-Note aufgrund der geringen Rauchmenge wird von Unmengen an Aroma mehr als wett gemacht. Die Basis bildet ein weiches, aber auf der aromatischen Ebene intensives Nicaragua-Flavour. Diese wird ergänzt durch die Café- und Schokonoten des Madurodeckblattes. Eine leichte Würze kommt durch die Zugabe des starken Ligero Tabaks in der Einlage auf und dann schwingt da noch dezent eine buttrige Vanillenote mit. All diese Geschmäcker sind hervorragend auf einander abgestimmt und ergeben einen ausgewogenen und harmonischen Blend.

Fazit: Für nur rund 3 € bekommt man hier, wenn man auf Nicaragua aus ist, definitiv einen Nicaragua sure shot und zudem noch eine Menge aromatischer Extras. Das alles zu einem unvergleichbar geringen Preis. Diese Zigarre ist eine der wenigen, die aufgrund dieses Preis-Leistung-Verhältnisses für mich absoluten Kisten-Faktor hat.

…el príncipe

Egly-Ouriet V.P. Grand Cru

Champagner von Egly-Ouriet ist gefragt, gesucht und genial! Das Prädikat Grand Cru ist hier kein Marketing Aufhänger, sondern lediglich der Anspruch einen wahrhaftigen Champagner der Königsklasse zu kreieren.

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Alles beginnt in den Weinbergen der Champagne in Frankreich. Nur Schaumwein aus diesem Gebiet darf den prestigeträchtigen Namen Champagner tragen. Vielen genügt das schon als Kaufargument für besondere Anlässe. Ein gutes Image lässt sich oft besser verkaufen als ein guter Schaumwein. Was viele große Champagnerhäuser vollbringen, ist Kunst und Alchemie zugleich. Eine Flasche durchschnittlichen Sprudels mit Prädikat Champagner wird gegen einen verhältnismäßig hohen Geldbetrag getauscht. Erinnert ein wenig an den Tauschhandel mit Glasperlenketten zwischen „Cowboys“ und den amerikanischen Ur-Einwohnern. Für die einen die Lizenz zum Gelddrucken und für die anderen die sprudelnde Diamanten-Quelle mit Prestigeaura. Ob der Gegenwert hier gewährleistet ist, sei mal dahingestellt.

In diesem Dschungel aus Lifestyleprodukten gibt es auch seriöse Champagner, die ihre Erfüllung nicht in einer Champagner-Schlacht in der Villa am Gardasee oder einer südkoreanischen Edeldiskotheken finden. Um eben diesen seriösen und anspruchsvollen Champagner geht es hier. Daher steht nicht der Name des Champagnerhauses im Fokus, sondern der Ursprung dieses Ausnahme-Weins.

Auf den Grand Cru Lagen von Ambonnay und Verzenay wachsen die über 60 Jahre alten Chardonnay und Pinot Noir Reben. Stark verkürzt gesagt: Je älter die Rebe, desto tiefer die Wurzeln, desto komplexer die Nährstoffaufnahme, desto geringer die Erträge und umso konzentrierter die wenigen Trauben. In der industriellen Weinwirtschaft werden solche Reben aufgrund ihrer zu geringen Erträge in der Regel gerodet. Für diesen Wein sind sie gerade richtig.

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Viele vergessen, dass Champagner nichts anderes ist als sprudelnder Wein. Ist der Grundwein durchschnittlich, kann auch der Champagner kein tolles Produkt werden. Bei diesem V.P. genannten Champagner von Egly Ouriet ist der Grundwein hervorragend. Er wird 12 Monate im Barrique ausgebaut und weitere 5 Jahre (!) auf der Hefe belassen. Über den positiven Einfluss der Hefe auf den Wein könnte eine extra Abhandlung geschrieben werden. Kurz gefasst: Der längere Kontakt von Hefe zum Wein kann viele „Charakterzüge“ wie cremige Textur, Aromen von Nuss bis Butter und vieles mehr hervorbringen und ausprägen.

Das Ergebnis ist schlichtweg betörend. Ein extrem komplexer, vielschichtiger und anspruchsvoller Champagner. In der Farbe dunkel Gelb mit rötlichen Reflexen des Pinot Noirs. Der reife Charakter gepaart mit extrem zarter Perlage und animierender Säureader faszinieren anhaltend. Kein Gramm Zucker zu viel, der aufträgt wie Schminke: Extra-Brut.

Um diesen Champagner entsprechend zu genießen, sollte das richtige Glas gewählt werden. Der V.P. braucht Raum, um sein ganzes Potential zu entfalten. Das Grand Cru Champagner Glas von Sophienwald hat diesen Zweck perfekt erfüllt. Als Begleitung klassisch Austern, Meeresfrüchte oder einfach so genießen. Ein Trinkerlebnis mit bleibenden Eindruck.

…el emperador

Saladin „Chaveyron 1422“ 2009

100 % Syrah von der südlichen Rhône. Klingt nicht so, als ob hier jemand das Rad neu erfindet. Aber dieser reinsortige Rhône Wein hat mich schlicht umgehauen. Damaliger Preis waren 16,80 € pro Flasche aus dem schönen Jahrgang 2009. Nach knapp acht Jahren im Keller erblickt dieser Syrah das Sonnenlicht im grünenden Garten. Tiefdunkles, frisches Rot strahlt aus dem Glas. Keine Spur von altersbedingten Brauntönen im Rotwein. Dafür so eindeutige Aromen von dunkler, reifer Olive wie ich sie selten erlebt habe. Leichte Anklänge von frisch geschnittenen Champignons sind noch zu entdecken.

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Auf der Zunge immer noch merklich junges, ungestümmes Tannin. Seidig und kühl gleitet der Wein dahin. Keine Hitze, keine Eleganz, sondern authentischer, rebsortentypischer Charakter gepaart mit Tiefgang. Ein bis zwei Jahre dürften diese Flasche noch auf ihren Zenit befördern. Macht sich gut zu dunklen Oliven, Taleggio, Ziegenkäse, Zunge, Lamm und rote Beete.

el emperador

Maravilla Edicion Limitada Robusto

Schlägt man Maravilla im Brockhaus nach, so liest man dort Folgendes: „Langweilige 08/15-Zigarre aus der Dominikanischen Republik.“ … das steht dort natürlich nicht, wäre jedoch meiner Meinung nach der korrekte Eintrag. Aber alles der Reihe nach…

Maravilla Edicion Limitada Robusto

Wie die Zigarre selbst stammt auch die Einlage der Maravilla Edicion Limitada Robusto aus der Dominikanischen Republik. Deck- und Umblatt kommen aus Ecuador. Optisch ist die Zigarre mit ihrem sauber verarbeiteten, glatten Deckblatt und den beiden aufwändigen Zigarrenringen eine echte Schönheit. Beim Entfernen der Banderole am Fußende fällt mir jedoch auf, dass das Deckblatt an dieser Stelle vom Torcedor leicht beschädigt wurde. Der Kaltgeruch ist mild, kaum wahrnehmbar und gibt sich hölzern sowie leicht süßlich.

Beim Abtasten merke ich, dass die Maravilla knallhart gerollt ist und auch die ersten Züge bestätigen dies mit einem ambitionierten Zugwiderstand. Nur durch Double-Puffs entlocke ich der Robusto eine einigermaßen ausreichende Rauchmenge. Geschmacklich zeichnen sich holzige sowie strohige Noten ab, die Zigarre ist dabei allerdings sehr mild und schlichtweg schwach auf der Brust. Im Mund hinterlässt der Rauch einen dezent cremigen Nachgeschmack. Leider ist das auch schon alles, was ich an dieser Stelle berichten kann, denn die Maravilla zeigt weder aromatische Entwicklung noch Finish… nicht einmal im Ansatz.

Fazit: Glatte 6 € kostet die Maravilla Edicion Limitada Robusto. Ihre äußere Verarbeitung wirkt deutlich wertiger. Die inneren Werte, sprich die Raucheigenschaften, habe ich im Bundle-Bereich schon weitaus besser gesehen. Geschmacklich mag sie für Einsteiger ganz angenehm sein, für fortgeschrittene Aficionados einfach nur flach und langweilig.

…el rey

Klaus Peter Keller Feuervogel Silvaner 2013

2013 war kein „großer Jahrgang“, aber ein sehr interessanter. Gerade nach ein paar Jahren zeigen die größeren Weine, welches Potential in ihnen steckt. Dieser Feuervogel Silvaner von Klaus Peter Keller ist ein gutes Beispiel dafür und fasziniert durch seine Komplexität und Ambivalenz.

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Beim Öffnen ein intensives Aroma von reifem Silvaner mit ausgeprägten Nuancen von Bienenwachs und trockenen Aprikosen. Auf den ersten Schluck kommt er klar und präzise mit einem dichten Aromenspektrum und einer extrem frischen, knackigen Säure, die sich erst im Abgang richtig zu erkennen gibt. Erinnert an das Frucht-Säure-Spiel wie man es von einer reifen Maracuja kennt, bei der Kerne und Fruchtfleisch zusammen gegessen werden.

Beim zweiten Schluck merkt man trotz des tollen ersten Eindrucks, dass dieser Wein noch sehr in sich gekehrt ist und sein großes Potential verschlossen hält. Nach ein paar Stunden an der Luft öffnet sich der Silvaner immer mehr. Die anfänglichen reifen Aromen sind fast verflogen und man merkt, dass dieser Wein noch mitten in seiner Jugend ist. Neben den Fruchtaromen und der Säure ist da noch etwas. Mineralität kommt einem in den Sinn. Was auch immer es ist, es verleiht diesem großen Silvaner eine Signatur. Auch am dritten Tag immer noch ein Wein von Statur.

Faszinierender Stoff, der unter seiner reifen Hülle seinen jugendlichen Charakter versteckt. Ambivalenz, die im Gedächtnis bleibt. Ein wenig Zeit im Keller wird zeigen, wie viel Potential wirklich in ihm steckt.

…el emperador