La Aurora Black Lion

Seit Anfang des Jahres 2016 gibt es eine neue Serie der dominikanischen Tabacalera schlechthin mit dem Namen La Aurora Black Lion. Wobei ich angesichts des Bauchbindendesigns zunächst dachte, dass Camacho neue Zigarren herausgebracht hat… Die Black Lion Serie unterteilt sich in die Deckblattvarianten Cameroon (blau), Connecticut (gelb), Corojo (giftgrün) und Maduro (orange). Als Formate stehen dem Aficionado jeweils Robusto, Churchill, Toro und Gran Toro zur Auswahl, wobei sich die Preise zwischen 4,90 € (Robusto) und 5,80 € (Gran Toro) bewegen. Bei diesen attraktiven Konditionen liegt es natürlich nahe, direkt jede Deckblattvariante zu probieren, um zu sehen, ob La Aurora mit dieser Serie nicht nur optisch mit den feinen Camachos mithalten kann…

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Hat man eine Black Lion in der Hand, fallen zunächst drei Dinge auf:

  1. Die Bauchbinde ist qualitativ sehr grenzwertig
  2. Das Deckblatt ist alles andere als schön und zudem noch schlecht verarbeitet
  3. Die Zigarre an sich ist sehr locker gerollt

Diese drei Punkte, soviel nehme ich vorweg, treffen ausnahmslos auf alle vier von mir gerauchten Exemplare zu. Offensichtlich wird der relativ geringe Preis durch ebenso geringe Verarbeitungsqualität ermöglicht…

La Aurora Black Lion Connecticut Robusto

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Als erstes mache ich mich an eine Robusto mit Connecticut-Deckblatt, die einen feinen Duft von Stroh verströmt. Angesichts der mangelnden äußeren Qualitäten sind die ersten Züge dann eine wahre Überraschung. Der Zugwiderstand ist zwar, wie zu erwarten war, extrem gering bis nicht vorhanden, doch die Zigarre gibt satte Mengen an cremigem Rauch ab. Vor allem aber: sie schmeckt gut! Kein Beißen wie bei manch anderen jungen Zigarren, dafür ein wunderbar weiches und frisches Aroma von Gras, Stroh und mildem Holz. In Sachen Stärke findet die Black Lion Connecticut gänzlich nicht statt, was sie jedoch perfekt für einen leichten Smoke zwischendurch macht. Auch die Performance ist im Hinblick auf die mangelhafte äußere Verarbeitung ein unverhoffter Segen, brennt die La Aurora doch kerzengerade und ohne den kleinsten Aussetzer herunter. Etwas mehr geschmackliche Entwicklung wäre sicherlich schön, doch auch so ist die La Aurora Black Lion Connecticut mit ihrem feinen, sanften Aroma eine durchweg solide Zigarre.

La Aurora Black Lion Cameroon Robusto

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Auch das aus Ecuador stammende Cameroon-Deckblatt weiß weder durch besondere Attraktivität zu glänzen, noch hat es eine sonderlich gute Verarbeitung erfahren. Umso besser gefällt mir der fein süßliche Tabak-Kaltgeruch. Bei den ersten Zügen zeigt die Cameroon etwas mehr Charakter als die Connecticut. Sie liefert Aromen von kräftigem Holz, etwas Stroh und vor allem eine dominante, klassische Tabaknote. Wie schon die Connecticut weist die Cameroon Robusto, bedingt durch ihre lockere Rollung, kaum Zugwiderstand auf, qualmt jedoch mindestens genauso stark. Im weiteren Rauchverlauf findet hier sogar eine kleine geschmackliche Entwicklung statt: Zu den anfänglichen Aromen gesellt sich zunächst eine gewisse Cremigkeit und später eine erdige Note hinzu. Alles in allem ist die Black Lion Cameroon dennoch recht zurückhaltend und zudem sehr mild. Beachtenswerterweise glänzt auch diese Zigarre trotz ungleichmäßiger und lockerer Rollung mit einem bis zum Schluss perfekten Abbrand.

La Aurora Black Lion Corojo Churchill

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Bei der Black Lion Corojo, von der ich mir geschmacklich bereits im Vorfeld mehr erwarte als beispielsweise von der Connecticut, soll es gleich eine Nummer größer sein, also fällt hier meine Wahl auf die Churchill. Beim Riechen am groben, gewohnt rustikal verarbeiteten Deckblatt steigt ein süßlicher Duft von Tabak und Holz in meine Nase. Nach dem Anzünden zeigt die Corojo sofort überdeutlich, dass sie sich von der Cameroon und der Connecticut abhebt. Sie füllt meinen Mund mit sattem Pfeffer sowie einem kernig würzigen Holzaroma. Auch ihre Stärke drängt sich mir sofort auf und zieht mir bis in den Magen. Es dauert allerdings nicht lange bis sich der Löwe beruhigt. Die Zigarre wird mit jedem Zug weicher und es kommt ein fruchtiges Aroma mit leicht säuerlichen Anklängen auf. Auch im Zugverhalten unterscheidet sich die Corojo von ihren beiden Vorgängerinnen und leistet deutlich mehr Widerstand. Die enorme Rauchmenge bleibt davon unbeeinflusst. Im Bereich des zweiten Drittels geht die Beruhigung des Löwen nun sogar so weit, dass er beinahe einschläft. Mag heißen, die Zigarre dünnt geschmacklich sehr stark aus und liefert im Vergleich zum wuchtigen Anfang kaum noch Aromen. Erst im letzten Drittel zieht die Black Lion Corojo wieder an und zeigt sich erneut von ihrer kräftig würzigen, holzigen Seite. Bis zum Schluss bietet sie mir so einen sättigenden Power-Smoke und begeistert mich sowohl mit ihrer aromatischen Vielfalt als auch Entwicklung. Der Abbrand der Corojo Churchill kann leider nicht ganz an die beiden bisherigen Black Lion Exemplare anknüpfen und bedarf des Öfteren feurige Unterstützung.

La Aurora Black Lion Maduro Churchill

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Getreu dem Motto „das Beste kommt zum Schluss“ nehme ich mir die Black Lion Maduro als letztes vor. Das kräftig dunkle Deckblatt und der herrlich würzige Kaltgeruch geben mir scheinbar schon im Voraus recht. Im Mund ist die Black Lion Maduro dann sofort mit ihrem dichten, cremigen Rauch präsent und besticht durch kräftig erdige Noten sowie eine dezente Chilli-Schärfe an der Zungenspitze. Auch hier zeichnet sich gleich zu Beginn eine ordentliche Portion Stärke ab. Noch im ersten Drittel kommt eine leichte Süße hinzu und die Zigarre wird dadurch ein Stück weit runder. Im Gegensatz zur etwas fester gerollten Corojo Churchill ist der Zugwiderstand der Maduro wieder äußerst gering. Das ist nicht weiter schlimm, doch die Tatsache, dass die Zigarre allein bis zum Erreichen der Hälfte viermal ausgeht, ist nicht tolerierbar. Unter dieser schlechten Performance leidet natürlich auch der Geschmack. Stellenweise zeichnen sich Noten von Nuss und Röstaromen ab, werden in ihrer Entfaltung jedoch auch in der zweiten Hälfte des Smokes durch ständiges Ausgehen gehindert. Schade!

Fazit

Sowohl die Black Lion Cameroon Robusto als auch die Connecticut Robusto sind solide Zigarren mit einer tollen Performance, wenn auch mit einer eher fragwürdigen äußeren Verarbeitungsqualität. Geschmacklich sind sie fein, werden aber wohl die Welt keines Aficionados auf den Kopf stellen. Durch ihre Milde und den relativ geringen Preis sind sie für Einsteiger oder für den leichten Smoke zwischendurch jedoch bestens geeignet.

Der Blend der Black Lion Maduro Churchill zeigt ein interessantes Geschmacksprofil, das aufgrund des grottenschlechten Rauchverhaltens bei meinem Exemplar allerdings nur ansatzweise zur Geltung kommt. Hier werde ich wohl noch einen zweiten Versuch starten.

Die Black Lion Corojo Churchill legt mit Abstand das komplexeste Aroma an den Tag. Ihre Stärke ist nicht zu unterschätzen. Die Performance der Corojo ist tadellos und sorgt für ordentlich Rauchvergnügen. Für mich ist sie somit die eindeutige Gewinnerin dieses Vergleichs.

…el rey

Tabacalera Altagracia Vintage Blend Criollo Robusto Part 2

Vor über zwei Jahren haben wir diese Zigarre bereits vorgestellt (Tabacalera Altagracia Vintage Blend Criollo Robusto). Damals haben wir ein Bundle gekauft, weil wir dieser relativ körperreichen Robusto ein gewisses Aging-Potenzial unterstellten. Gelagert wurden die übrigen Exemplare in einer Camacho-Kiste aus Zedrelenholz, um sich ungestört entwickeln zu können.

Beim Öffnen der Kiste kommen süßliche Vanillearomen heraus. Der Kaltgeruch der Zigarre selbst ist vergleichsweise zurückhaltend. Optisch hat die Lagerung keine Spuren hinterlassen. Die Robusto selbst scheint ein kleinwenig trockener zu sein als die übrigen Zigarren aus dem Humidorschränkchen, was wahrscheinlich durch die separate Kistenlagerung kommt.

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Angezündet zeigt diese Zigarre, dass sie ihre Jugend anscheinend immer noch nicht ganz abgelegt hat. Eine zarte, pfeffrige Schärfe ist von Anfang an dabei. Der Zug ist gut und bringt ausreichend Rauch mit. Die holzigen Tabakaromen kommen im ersten Drittel langsam auf. Die damals relativ dominante Schärfe ist fast verschwunden. Leider mit ihr auch die damals bestaunte animierende Würze. Der Abbrand ist für diese Preisliga immer noch sehr ansehnlich und bringt eine stabile, weiße Asche hervor.

Der Smoke entwickelt sich kaum mehr bis zum Ende. Die leckeren Holz- und Tabakaromen sind die gesamte Zeit lang präsent. Die damals negativ aufgefallene Bitterkeit und unangenehme Schärfe sind merklich zurückgegangen, aber mit ihnen auch ein wenig der volle Körper der Zigarre. Die Robusto ist immer noch ihr Geld wert, aber aktuell möglicherweise in einer ungünstigen Phase ihrer Entwicklung. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

… el emperador

Balmoral Anejo XO Petit Robusto Flagtail

Der Name Balmoral ist so ziemlich jedem Aficionado mit Hang zu gereiftem Tabak ein Begriff. Die 2013 veröffentlichte Serie Anejo 18 ist mit einem 18 Jahre gereiften Arapiraca Sungrown Deckblatt aus Brasilien ausgestattet. Ein Leckerbissen, aber leider hielt diese Serie nur solange der Vorrat reichte. Danach war Schluss. Aufgrund des Erfolgs wurde eine neue Serie entwickelt, welche ähnliche Eigenschaften mitbringt, dauerhaft produziert werden kann und an die Anejo 18 anknüpfen soll. Das Ergebnis ist die Balmoral Anejo XO Serie. Der Blend ist laut Hersteller fast identisch geblieben, nur das Deckblatt ist einige Jahre jünger. Wie lange es genau gereift ist, erfährt man leider nicht.

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So viel zur Vorgeschichte dieser kleinen Schönheit. Das dunkelbraune Sungrown Deckblatt mit dem kleinen Flagtail verzaubert einen sofort. Der würzige Kaltgeruch macht Lust auf mehr. Die ersten Züge lassen einen Staunen. Dicker, cremiger Rauch trägt eine Fülle von Aromen in die Mundhöhle: Erde, Tabak, Zedrele, eine zarte, schwer zu definierende Süße und eine kräftig Würze. Traumhaft, was diese Petit Robusto hervorbringt.

Der Abbrand ist sauber, nur die Asche nicht so stabil, sondern eher flockig. Die Zigarre entwickelt sich den gesamten Smoke über weiter und wird immer cremiger. Im letzten Drittel kommt eine leichte Pfeffernote auf, die mit einer dezent würzigen Stärke einem wunderbaren Finish entgegenläuft. Lässt sich rauchen bis die Fingerspitzen brennen.

Diese Zigarre hat gezeigt, was in diesem Preissegment möglich ist. Ein voller Körper, gepaart mit vielschichtigen Aromen und einer gut ausbalancierten Stärke, welche den gesamten Smoke über still begleitet ohne in den Vordergrund zu drängen. Als Begleitung diente ein duftig, spritziger Sauvignon Blanc mit neuseeländischem Einschlag aus der Pfalz. Die Kombination von Weißwein und einer würzigen, körperreichen Zigarre ist oft sehr schwierig, aber in diesem Fall harmonierten beiden sehr gut miteinander. Die Spritzigkeit und fruchtige Exotik des Sauvignons stellte ein animierendes Gegengewicht zur erdigen, cremigen Würze der Balmoral Anejo XO Petit Robusto. Ein Glückstreffer, der zustande kam, weil die Lust auf eine Zigarre erst während einem Gläschen Wein mit einem guten Bekannten aufkam. Ansonsten wäre die Wahl wohl auf einen molligen Rotwein aus dem Barrique gefallen.

Für die Anejo XO gilt: Kaufempfehlung und eine meiner Top 10 in diesem Jahr!

… el emperador

Casa Magna Colorado Robusto

Eine unserer ersten Reviews beschäftigte sich mit der Casa Magna Belicosos aus der Colorado Serie. Eine wunderbare Zigarre für kleines Geld mit großem Lagerpotential. Leider habe ich die Serie aus den Augen verloren. Umso erfreulicher war es, diese Robusto in meinem Humidorschränkchen zu finden. Gute drei Jahre dürfte sie dort auf Zedrelenholz gebettet gereift sein. Alles für diesen einen Moment.

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Optisch fällt sofort das namensgebende dunkle Colorado Deckblatt auf. Der Kaltgeruch ist trotz der Lagerung noch ein wenig präsent und schwankt zwischen dunkler Schokolade und Holz. Die ersten Züge überzeugen voll und ganz. Keine Schärfe, kein Brennen und keine Zugprobleme. Nur sehr runde, ausgereifte Aromen. Eine leichte Süße gepaart mit Würze, Schokolade und etwas Espressosatz.

Die Zigarre ist aber nicht leicht oder lasch, sondern begleitet den Smoke durchweg mit einer subtilen Stärke. Nichts für Dom.-Rep.-Connecticut-Raucher. Der Abbrand ist gut und korrigiert sich selbst. Die gescheckte Asche ist sehr stabil und lädt zum Ascheturmbauen ein. Die Intensität der Aromen bleibt den gesamten Smoke über konstant und man fragt sich, warum es nicht mehr Nica Puros unter 5 € wie diese gibt. Bis knapp hinter die Bauchbinde lässt sich dieses Exemplar rauchen und geht dann plötzlich aus. Eine Flasche Syrah von der Rhône komplementiert diesen sommerlichen Smoke auf der Terrasse.

Eine tolle Zigarre für nur 4,90 €. Sie ist nicht so wuchtig wie die Belicosos, aber auch nicht so zart wie die Pikito. Die Robusto ist ein sehr guter Crossover aus beidem, der nicht umsonst 2008 vom Cigar Afficionado mit 92 Punkten zur Zigarre des Jahres gewählt wurde. Für alle, die etwas mehr Würze wollen und die Stärke einer Nica Puro schätzen.

… el emperador

Padilla Premier Cru

Padilla Premier Cru Robusto

Premier Cru, ein edel anmutender Name. Aber wenn man das Ganze genauer betrachtet, fragt man sich, was dahinter stecken soll. Cru bedeutet Gewächs und Premier Cru grob übersetzt dann Erstes Gewächs. Eine Bezeichnung, die im französischen Weinbau beziehungsweise dem Burgund als Schutzsiegel und Auszeichnung für besonders qualitativ hochwertige Weine und ihre speziellen Lagen genutzt wird. Wie so oft in der Tabakindustrie herrscht zu diesem Thema absolute Intransparenz. Das Deckblatt kommt aus Ecuador und ist Habano Saatgut, Umblatt und Einlage stammen aus Nicaragua. Im besten Fall findet man nach ein wenig Recherche heraus, in welchem Teil von Nicaragua die Tabakplantage verortet ist. Grundliegend nicht die besten Voraussetzungen, um sich den Namen Premier Cru zu geben.

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Die Zigarre selbst sieht optisch sehr ansprechend aus und lässt auf eine saubere Verarbeitung schließen. Aufgrund von knapp zwei Jahren Lagerung im eigenen Humidor ist der Kaltgeruch nur noch zu erahnen. Die ersten Zentimeter sind pfeffrig-scharf und lassen keinen Platz für Aromen. Nach etwa einer Viertelstunde lässt die Schärfe nach und es kommen zaghaft ein paar erdige und holzige Aromen auf. Plötzlich beginnt die Zigarre sich zu entwickeln und ein schwer zu definierendes Kräuteraroma macht sich breit.

Der Abbrand und die weiße Asche sind wunderschön anzuschauen und trösten ein wenig über die etwas zurückhaltenden Aromen hinweg. Ab der Hälfte weicht das Kräuteraroma einer dominanten chilliartigen Schärfe, die den Smoke nur noch bis zur zweiten Bauchbinde zulässt.

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Toller Name, aber nichts dahinter. Weder Innere Werte, noch Informationen oder eine schöne Marketing-Märchengeschichte wurden dieser Zigarrenserie mit auf den Weg gegeben. Wer trotzdem einen edlen Namen mit Substanz dahinter kaufen möchte, sollte für etwa das gleiche Geld zur Perdomo Grand Cru Serie greifen, bei der sogar Jahrgangstabak zum Einsatz kommt.

… el emperador

Perdomo Factory Tour Blend Maduro Robusto

Vor wenigen Wochen hat mich die Sun Grown Robusto aus der Factory Tour Blend Serie von Perdomo hellauf begeistert. Eine Selbstverständlichkeit also, dass auch die Maduro probiert werden musste. Auf die Details zur Serie und zum Blend bin ich bereits im Artikel über die Sun Grown eingegangen, deshalb wollen wir sofort beim Tasting einsteigen und sehen, ob die Maduro ihre Schwester vielleicht sogar übertrumpfen kann…

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Optisch ist die Maduro Robusto ein Leckerbissen! Das Deckblatt kommt in sattem Dunkelbraun mit einem öligen Schimmer daher. Die Kombination lässt die Zigarre fast violett erscheinen. Ebenso überzeugt die Verarbeitung voll und ganz; eine Perdomo eben. Wer diese Zigarre sieht, stellt sich automatisch auf einen gehaltvollen Power-Smoke ein und auch der kräftig stallige sowie würzig-hölzerne Kaltgeruch lässt die Geschmacksknospen bereits in gespannter Erwartung frohlocken.

Die ersten Züge sind wie erwartet mächtig. Der schwere, dichte Rauch hat eine ordentliche Portion Nikotin im Gepäck und zieht mit dunklen Aromen in Richtung Holz und Leder sowie einer Prise Pfeffer durch den Mundraum. Das Aroma der Zigarre ist jedoch schwer zu erfassen, unterscheidet sich meiner Meinung nach aber von anderen Maduros, die oft eine gewisse Süße mit sich bringen und teilweise sogar ein an dunkle Schokolade erinnerndes Aroma aufweisen. Der Zugwiderstand ist recht stramm, was zur Folge hat, dass die Perdomo extrem langsam abbrennt. Nichtsdestotrotz ist die abgegebene Rauchmenge beachtlich. Ab dem zweiten Drittel dann jedoch ein seltenes Phänomen: Schief- und Tunnelbrand bei einer Perdomo! Spätestens hier schwant mir, dass dieser Smoke kein gutes Ende nehmen wird. Doch zurück zum Geschmack… Obwohl die Zigarre über den gesamten Rauchverlauf sehr präsent im Mundraum ist, schmeckt sie gleichzeitig nach nichts. Oder besser gesagt: sie schmeckt einfach nicht gut. Die meiste Zeit habe ich nur einen schalen Geschmack von Rauch im Mund, ohne jegliches Zigarren-Aroma. Als sie dann zu Beginn des letzen Drittels auch noch ausgeht, beende ich das Ganze vorzeitig.

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Fazit: Die Perdomo Factory Tour Blend Maduro Robusto war für mich eine herbe Enttäuschung, sowohl im Geschmack als auch in der Performance. Da insbesondere das extrem schlechte Rauchverhalten so gar nicht zu einer Perdomo passt, bin ich gewillt dieses Exemplar als Ausrutscher anzusehen. Aufgrund der vollständigen Abwesenheit auch nur eines Ansatzes von Aroma, werde ich wohl dennoch keinen Zweitversuch starten. Demjenigen, der sie probieren will, wünsche ich, dass er mehr Glück hat als ich.

…el rey

Martin Muthenthaler Viesslinger Stern 2011

Wachau, das ist für viele Grüner Veltliner und Riesling. Auf über 1.300 Hektar werden in dem Donautal Weinreben kultiviert. Das Terroir ist in diesem kleinen Gebiet besonders vielseitig und bringt großen, aber auch teilweise sehr opulenten Wein hervor. Es gibt deshalb eine spezielle Einteilung des Weins nach seinem Alkoholgehalt in dieser Region. Leichte Weine bis 11,5 % werden als Steinfeder, von 11,5 % bis 12,5 % als Federspiel und darüber die kräftigen Reserveweine als Smaragd bezeichnet. Dieser Riesling hier beweist aber, dass große Gewächse nicht immer schwer und opulent sein müssen. Quarzreicher Gföhler Gneis, kalkige Schieferböden und die fluvialen Sedimente der Donau stellen eine spannende Grundlage dar. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bringen besondere Voraussetzungen für zukünftige Wein mit Finesse und Säurespiel mit. Dabei kann sich das Mikroklima von Lage zu Lage stark unterscheiden. Viesslinger Stern ist der Name einer kühlen Lage, auf der die alten Riesling-Reben stehen.

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Im Glas wirkt der Wein anfangs verschlossen und verblüffend jung. Ein Blick in die Runde lässt viele fragende Gesichter entdecken. Irgendwie anders dieser Wein. Die einen riechen Kork, die einen Plastik und die anderen Holz. Schwer zu definieren, was es ist, aber alle merken, dass es da ist. Der Wein wurde im Akazienholzfass ausgebaut, vielleicht rührt daher die ungewohnte Note. Abgesehen davon bringt der Wein aber einiges mit. Körperreich, aber nicht opulent ausladend, sondern durch die Säure animierend und lecker. Leichte Mineralität gepaart mit dunklen, vollreifen Aromen, die fast Richtung Maracuja gehen. Klar und cremig-dicht, aber nicht dick zieht der Wein über die Zunge. Mit ausreichend Luft zeigt der Riesling immer mehr, was in ihm steckt. Er löst aber keinen sofortigen Beifall aus. Dafür ist er zu fordernd und dunkel. Ein Wein, der in sich ruht, langsam entdeckt werden will und Zeit braucht. Lagerungspotenzial für weitere 5 Jahre bringt er locker mit.

…el emperador

Pyranos Nicaragua Corona

Vor einiger Zeit muss es bereits Zigarren mit dem Namen Pyranos gegeben haben, welche in Form dieser Serie durch das Zigarrenhaus August Schuster wiederbelebt wurden. Erhältlich sind drei Formate: Corona, Robusto und Toro. Dabei handelt es sich um nicaraguanische Puros, welche mit ihrem doch gehobenen Preis (Corona für 9,20 € !) durchaus einen Premiumanspruch erheben. Zurecht?

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Optisch ist die Pyranos zwiegespalten. Das dunkle Deckblatt ist wunderschön und mit Ausnahme der schlampigen Kappe hervorragend verarbeitet, wohingegen die Bauchbinde schreiend hässlich ist. Besonders der Aufdruck „Longfiller“ ist bei einer Zigarre jenseits der 9 € meiner Meinung nach völlig unnötig, da das bei diesem Preis ja wohl das Mindeste ist. Während im Kaltgeruch ein kräftiges, aber unspektakuläres Holzaroma dominiert, erweisen sich die ersten Züge doch als geschmacklich interessant. Es herrscht ein feines Aroma vor, welches sich primär aus Holz sowie Nuss zusammensetzt und mich durchaus überzeugen kann. Über die nächsten Zentimeter hinweg passiert dann jedoch leider wenig bis gar nichts in Sachen Geschmacksentwicklung. Erst im letzten Drittel zeigt sich schließlich eine deutliche Kräuternote, die noch einmal für etwas frischen Wind sorgt. Insgesamt fehlt der Pyranos aber der Charakter. Dies kann auch daran liegen, dass trotz des guten Zugwiderstands die Rauchausbeute leider viel zu gering ausfällt. Die Zigarre scheint durch den dünnen Rauch ihr volles aromatisches Potential nicht entfalten zu können. Voll entfalten kann sich dafür der Abbrand, der macht, was er will…

Fazit: Die Pyranos Nicaragua Corona hat mehr Contras als Pros. Das Aroma zeigt zwar gute Ansätze, kann diese aber nicht voll entwickeln, was auch an der mangelhaften Performance liegt. Ich würde ihr noch eine Chance geben, wenn nicht der Preis von 9,20 € wäre, der in Anbetracht von Qualität und Leistung fast eine Frechheit ist.

…el rey

Wer ist die Stärkste im ganzen Land?

Wenn man als Neuling in ein Thema einsteigt, wird man oft erschlagen von Unmengen an Informationen, teils unüberschaubaren Unterkategorien, einer riesigen Auswahl und den oft irreführenden Meinungen vermeintlicher Experten. Ich sehe mich keineswegs als einer der letzteren, sondern möchte an dieser Stelle lediglich meine Erfahrungen aus fast 10 Jahren als Zigarrengenießer teilen. Dabei geht es mir um die Frage, die sich viele Einsteiger stellen und die auch ich mir damals gestellt habe: „Vertrage ich diese Zigarre oder ist sie zu stark für mich?“ Gerade bei Genussmitteln ist es wichtig, mit für Anfänger geeigneten Produkten einzusteigen. Andernfalls wird man höchstwahrscheinlich abgeschreckt und nicht begeistert. Ein rauchiger Islay in Fassstärke für einen Whisky-Neuling? Wohl eher weniger. Auch jemand, für den Zigarren Neuland sind, sollte zunächst einen großen Bogen um allzu kräftige Exemplare machen. Dies gilt besonders für diejenigen zukünftigen Aficionados, die keinerlei Erfahrung mit Tabak bzw. Nikotin haben. Doch welche Zigarren sind zu stark für einen Anfänger und woran erkennt er sie?

Zunächst muss die Begrifflichkeit geklärt werden. Was genau ist gemeint mit kräftig oder stark? In unseren Reviews halten wir es wie folgt: „Stark“ bezieht sich ausschließlich auf den Nikotingehalt und die Durchschlagskraft einer Zigarre. Kann ich sie morgens nach einem leichten Frühstück rauchen ohne auch nur zu merken, dass der Tabak der Zigarre eigentlich Nikotin enthält, dann ist diese nicht stark, sondern „sehr leicht“ oder „sehr mild“. Dreht sich mir beim Rauchen einer Zigarre der Kopf, obwohl es 20 Uhr ist und ich zuvor ein halbes Kilo Steak mit 2 Ofenkartoffeln gegessen habe, ist diese durchaus als „stark“ zu bezeichnen. Dass es dazwischen noch Abstufungen gibt und dass die Verträglichkeit auch von mehreren personenbezogenen Faktoren abhängt, versteht sich von selbst. Als Synonym für stark verwenden wir häufig auch das Wort „kräftig“. Allerdings benutzen wir diesen Begriff auch des Öfteren in Bezug auf die Intensität des Geschmacks einer Zigarre. Eine Zigarre kann also durchaus kräftig im Aroma und gleichzeitig mild sein. Was nun folgt ist eine Betrachtung, inwieweit sich die zwei gängigsten vermeintlichen Erkennungsmerkmale starker Zigarren mit meinen bisherigen Erfahrungen decken.

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Kubanische Zigarren = stark

Mit dieser Aussage wird man meist als erstes konfrontiert: „Sie sind Anfänger? Dann rate ich Ihnen von kubanischen Zigarren ab, die sind sehr kräftig. Nehmen Sie lieber eine aus der Dominikanischen Republik.“ Ich persönlich kann diese Schwarz-Weiß-Malerei nicht gutheißen. In meiner gesamten Zeit als Zigarrenliebhaber, auch in der Anfangszeit, ist mir noch keine einzige kubanische Zigarre nicht bekommen. Selbst die vermeintlich stärksten Havannas, z.B. eine Bolivar, kann ich noch vor dem Mittagessen problemlos und, im wahrsten Sinne des Wortes, in vollen Zügen genießen. Natürlich gibt es Unterschiede. So empfinde ich, im Konsens mit der weitläufigen Meinung, eine H. Upmann als wesentlich leichter als besagte Bolivar. Doch als stark oder gar sehr stark würde ich keine Havanna bezeichnen. In Sachen Geschmack jedoch sehe ich die kubanischen Zigarren als deutlich intensiver an als ihre Konkurrentinnen aus anderen Ländern. Für mich haben sie einfach die perfekte Balance aus Stärke und kräftigem Aroma. Zigarren aus der Dominikanischen Republik hingegen sind meiner Meinung nach in der Tat meist sehr leicht und auch im Geschmack eher flach. Insbesondere die Puros, also Zigarren, die nur Tabak aus der Dom. Rep. enthalten. Natürlich gibt es hier Ausnahmen wie eine Opus X von Arturo Fuente, welche sich aber auch preislich von der Masse abhebt. Ebenso sind die Premiumzigarren der Serie Preferidos 1903 von La Aurora, wenn auch keine dominikanischen Puros, ein Beispiel für körperreiche, vollaromatische Zigarren aus der Dom. Rep. Die dominikanische Durchschnittszigarre ist meiner Erfahrung nach allerdings sehr leicht.

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Hell = mild / dunkel = stark

Steht der Zigarrenneuling nun im Humidor merkt er vor allem eines: Es gibt nicht nur verschiedene Herkunftsländer, Marken und Formate; nein, die Dinger haben auch noch verschiedene Farben. Hier setzt nun die zweite Theorie an, welche besagt, dass kräftige Zigarren an ihrem dunklen Deckblatt auszumachen sind. Ich will an dieser Stelle nicht auf sämtliche Arten von Deckblättern oder gar den Einfluss von Fermentation eingehen, sondern lediglich die zwei wohl bekanntesten Extreme herauspicken und auf Basis meiner Erfahrungen diskutieren, ob eine helle Connecticut wirklich immer mild und ein dunkle Maduro wirklich immer stark ist. In vielen meiner Reviews schimmert durch, dass ich eher von Maduros angetan bin als von Connecticuts. Das liegt daran, dass ich tatsächlich kaum eine Connecticut geraucht habe, die einen kräftig ausgeprägten und interessanten Geschmack hatte. Auf der Habenseite steht, dass ich mich auch nicht an eine zu starke Connecticut, die mir unangenehm in den Kopf gestiegen ist, erinnern kann. Die meisten der von mir gerauchten Zigarren mit hellem Connecticut-Deckblatt waren recht milde sowie geschmacklich unauffällige bis eintönige Exemplare, die sich folglich auch nicht in meinem Gedächtnis verankert haben. Als Ausnahme möchte ich hier jedoch die Perla del Mar aus Nicaragua anführen, welche mich schon oft mit ihrem tollen Aroma begeistert hat und auch nicht zu schwach auf der Brust ist. Meine Erfahrungen mit Maduros sehen da schon deutlich anders aus. Auf deren geschmackliche Präsenz konnte ich mich eigentlich immer verlassen und die Stärke von so mancher hat sich durchaus bemerkbar gemacht. Natürlich ist das Deckblatt nur ein kleiner Teil einer Zigarre und ihre Stärke hängt dementsprechend nicht allein davon ab, sondern vom gesamten Blend. Nichtsdestotrotz haben sich meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen die Annahmen „hell = mild“ und „dunkel = stark (bzw. stärker)“ doch bewahrheitet.

Welche Zigarre sollte der Einsteiger nun auswählen?

In einem guten Zigarrengeschäft erfährt man auch eine gute Beratung, die einem die klassischen Einsteiger-Zigarren aufzeigt. Ist das einmal nicht der Fall und man ist auf sich allein gestellt, so ist die Wahrscheinlichkeit als Anfänger eine zu starke Zigarre zu wählen wohl am geringsten, wenn man zu einer dominikanischen mit Connecticut-Deckblatt greift. Jedoch möchte ich Einsteiger auch dazu ermutigen, sich bereits früh mit den vermeintlich starken Kubanerinnen auseinanderzusetzen. Gerade die milderen Marken, z.B. H. Upmann, Por Larrañaga oder die Open Serie von Montecristo, eignen sich meiner Meinung nach durchaus für Neulinge und haben um einiges mehr zu bieten. Sollte dennoch einmal eine Zigarre zu stark sein und einem das Nikotin zu Kopf steigen, so hilft eine ordentliche Dosis Zucker.

…el rey

 

Perdomo Factory Tour Blend Sun Grown Robusto

Die Factory Tour Blend Zigarren waren ursprünglich eine Dreingabe für diejenigen, die an einer der Touren durch die Tabacalera von Perdomo teilgenommen haben. Der sehr positiven Resonanz, die die Zigarren dabei durch die Teilnehmer erfahren haben, haben wir es zu verdanken, dass diese in Form einer eigenen Serie auf den Markt gebracht wurden. Perdomotypisch sind die in Nicaragua gefertigten Zigarren in den drei Deckblattvarianten Connecticut, Sun Grown und Maduro sowie in den Formaten Robusto, Toro, Churchill und Torpedo erhältlich. Damit dürfte für jeden Aficionado die richtige Kombination dabei sein. Mit Ausnahme der Connecticuts, deren Deckblätter aus Ecuador kommen, handelt es sich um nicaraguanische Puros. Da Connecticuts nicht gerade zu meinen Favoriten zählen und die letzten Monate etwas maduro-lastig waren, fällt meine Wahl auf die Sun Grown in meinem Lieblingsformat Robusto…

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Ebenso perdomotypisch wie die Variantenvielfalt ist eine stets hohe Verarbeitungsqualität, die sich auch bei diesem Exemplar zeigt. Unter der wunderschönen, detaillierten XXL-Bauchbinde verbirgt sich ein makelloses Deckblatt, dessen feine Adern kaum spürbar sind. Der dezente Kaltgeruch der gleichmäßig gerollten und dicht gepackten Zigarre liefert feine Noten von Stroh und Tabak.

Sofort nach dem Anzünden wird mir klar, dass die Tourteilnehmer zurecht von diesen Zigarren begeistert waren. Die Puro ist bereits auf den ersten Millimetern unglaublich weich, liefert aber dennoch ein sattes Aroma und hat durchaus Kraft. Zunächst herrschen hölzerne Noten vor. Mit der Zeit entwickelt sich dann ein unglaublich leckeres Aroma, das an ungesüßtes Gebäck, vielleicht auch etwas an Butterkekse, erinnert. Trotz eines etwas strammen Zugwiderstands habe ich ohne größere Anstrengungen Rauch en masse. Gut so, denn nur so kann man die Komplexität des Aromas einer Zigarre voll erfahren und diese Perdomo hat mir diesbezüglich noch einiges zu bieten. Im weiteren Rauchverlauf finden sich Nuancen sowohl von Nuss als auch von hellem Brot. Immer wieder fasziniert mich die smoothness der Zigarre, sie scheint weder Ecken noch Kanten zu haben. Es kommt eine kernige Würze hinzu, die sich aber ebenfalls wunderbar in das Gesamtbild einbindet. Nichts schlägt hier über die Stränge, alles ist perfekt ausbalanciert. Gegen Ende legt die Perdomo dann zu und erweitert ihre Palette um erdige sowie lederne Komponenten. Auch die Würze intensiviert sich und die Zigarre wird allgemein kräftiger, gehaltvoller. Dennoch bleibt sie durch ihre cremige Grundnote wunderbar weich; schlichtweg perfekt! Auch auf den Abbrand trifft dies zu, der sich bis zum letzten Zug als makellos erweist.

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Fazit: So geht Zigarre! Ein unglaublich runder, herrlich ausbalancierter Geschmack mit toller Komplexität sowie Tiefgang und eine herausragende Verarbeitungsqualität mit einwandfreier Performance. Das alles zu einem in Anbetracht der Qualität fairen Preis von 8,20 €. Mit dem Factory Tour Blend ist Perdomo etwas ganz Feines gelungen. Dies gilt zumindest für die Sun Grown Robusto, wobei ich auch den übrigen Varianten ein ähnliches Niveau zutraue und diese auch mit Sicherheit noch probieren werde.

…el rey